Austropop-Chamäleon und Urviech

24. September 2013, 17:56
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Wilfried Scheuz gastiert mit einem Best-of-Programm am 26. September in der Szene Wien

Aus Bad Goisern am malerischen Hallstättersee stammen einige wichtige Persönlichkeiten der österreichischen Zeitgeschichte. Ein halbes Jahr nach Jörg Haider kam dort im Juni 1950 Wilfried Scheutz zur Welt - das Geburtsjahr ist wohl die einzige Gemeinsamkeit der beiden Promis.

Was der Deutschnationalismus in Haiders Elternhaus, das war die Musik bei Familie Scheutz: In der Welt des kleinen Wilfried spielte authentische Volksmusik eine Hauptrolle. Freilich ging die neue Beat- und Rockmusik auch am oberösterreichischen Salzkammergut nicht ganz spurlos vorbei, mit 14 gründete Wilfried seine erste Band: The Provos beschallten als Tanzcombo bevorzugt Fünfuhrtees.

Zum Studium zog der Jungrebell mit Volksmusiksozialisation 1970 nach Graz, wo er umgehend bei der kurzlebigen Band Moses den Bass zu zupfen begann. Bald darauf startete der Schrank mit markanter Rockröhre seine Solokarriere. Den größten Hit konnte er mit Ziwui Ziwui landen: einem alten Tiroler Vogelfängerlied, mit dem Wilfried das Crossover zwischen heimischer Volksmusik und Pop vorwegnahm. Nebenbei tourte er 1974 mit der souligen Crazy Baby Band. 1978 gehörte Wilfried dann zur Musikkabaretttruppe EAV.

Es folgten weitere Solohits wie Lauf Hase, lauf, Orange, Highdelbeeren oder das Kufsteinlied bei denen er in allen möglichen Stilen, von Disco über New Wave bis Hardrock, wilderte. Ein Edel(weiß)rocker in rustikal-urigem Gewand. In letzter Zeit singt er in der A-cappella-Gruppe 4Xang, wo der vielseitige Goiserer musikalische Vorlieben von Gstanzl bis Jazz pflegen kann. Bei Wilfried Forever wird er am Donnerstag ein Best-of-Programm samt Stargästen auf die Bühne bringen. Einmal Urviech, immer Urviech. (dog, DER STANDARD, 25.9.2013)

26. 9., Szene Wien, 20.00

  • Wilfried Scheutz, einst musikalischer Provo, immer noch wild.
    foto: manfred werner

    Wilfried Scheutz, einst musikalischer Provo, immer noch wild.

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