Österreicher vermögender als vor der Krise

24. September 2013, 17:39
804 Postings

Aktien und Immobilien vermehrten global ihr Vermögen, kleine Sparer hatten das Nachsehen. Die Schere innerhalb Europas geht weiter auf

Wien - Fünf Jahre hat es gedauert, und sie waren verlorene, sagt Arne Holzhausen, Ökonom der Allianz. Nun sei es aber geglückt, zumindest im Privatbereich einen Strich unter die Verwerfungen der Krise zu ziehen. Das Geldvermögen der Haushalte in Industrieländern ist im Vorjahr international erstmals wieder über den Wert von 2007 gestiegen. Das geht aus einer aktuellen Studie des Versicherungskonzerns hervor, der dafür auf Statistiken der Zentralbanken, nationalen Geldinstitute, Fonds und weltweiten Versicherer zurückgriff.

Im Euroraum nennen Private demnach pro Kopf ein Vermögen von im Schnitt 38.800 Euro ihr Eigen. Im Jahr davor waren es noch 36.000 Euro. Weltweit ist ihr Bruttogeldvermögen um acht Prozent auf 111 Billionen Euro gestiegen. Die Österreicher kommen durchschnittlich auf 41.980 Euro netto - inflationsbereinigt ein Zuwachs von immerhin fünf Prozent.

Österreich rangiert damit in der Liste der weltweit reichsten Länder auf Platz 16 vor Deutschland. Zum Vergleich: Ein Schweizer besitzt nach Abzug allfälliger Schulden knapp 142.000 Euro, ein Amerikaner mehr als 100.000 Euro.

Beim kleinen Sparer kommt's nicht an

Kleine Sparer spüren vom Aufschwung des Geldadels allerdings wenig. Mit den anhaltend niedrigen Zinsen lässt sich über längere Zeit kaum Vermögen aufbauen. Es sind vor allem boomende Aktienmärkte und Immobiliengeschäfte, die private Kassen aufbessern. Das in Wertpapieren geparkte Vermögen etwa legte zuletzt um deutlich mehr als zehn Prozent zu.

Was die Verteilung des Vermögens betrifft, ortet Ökonom Holzhausen keine markante Verschiebung. Dass 2012 vor allem für Österreichs Millionäre ein gutes Jahr war, ist freilich unbestritten: Die Zahl der Reichen schoss um zehn Prozent nach oben, wie ein Report des Investmenthauses Valluga jüngst erhob. Sie sicherten sich damit mehr als ein Drittel des gesamten privaten Geldvermögens, pro Kopf im Schnitt drei Mio. Euro.

Weiter gewachsen ist auch das in Stiftungen geparkte Vermögen, sagt Christoph Kraus. Der Generalsekretär des Stiftungsverbands schätzt das entsprechende Volumen auf 80 bis 100 Milliarden Euro. Zwei Drittel des Geldes steckten in Unternehmensbeteiligungen. Ein Fünftel wurde in Immobilien angelegt, ein Zehntel sei Finanzvermögen. Und während Letzteres stagniert, halte die Lust, in reale Werte zu investieren, an.

Verschuldung unter der Lupe

Einen Musterknaben macht die Allianz in Österreich angesichts der Verschuldung der Privathaushalte aus. Diese ist - gemessen in Prozent der Wirtschaftsleistung - die geringste in Westeuropa: Ein Österreicher steht im Schnitt mit fast 20.000 Euro in der Kreide und damit um ein Fünftel weniger als die übrigen Haushalte der Region.

Für den Wiener Schuldnerberater Alexander Maly ist diese Statistik jedoch stark zu relativieren: Stark verschuldet seien vor allem Bezieher schmaler Einkommen - was unterm Strich wenig Gewicht habe, für einzelne Haushalte aber oft kaum zu bewältigen sei. Auch die Praxis der Wohnungsfinanzierung verfälsche das Bild. Während diese etwa in England privat über Kredite gestemmt werden müsse, sorgten in Österreich viele Wohnbauträger für eine Sozialisierung der Verbindlichkeiten.

Trotz des Aufwinds für privates Kapital vertiefen sich die Risse in den Vermögensbilanzen. Die Griechen besaßen vor der Krise mehr als halb so viel wie der Schnitt der Bevölkerung des Euroraums. Dieser Wert brach auf 28 Prozent ein. In Spanien rasselte er 2012 von 61 auf 44 Prozent. Allianz-Experten sprechen von einer beunruhigenden Kluft, die den Zusammenhalt in Europa untergraben könne. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 25.9.2013)

  • Zum Global Wealth Report 2013

    Download
  • Der Millionär hat's schwer: Mit ausreichend Vermögen kann man sich auch im Anzug in die Luxusbadewanne setzen.
    foto: epa/maxim shipenkov

    Der Millionär hat's schwer: Mit ausreichend Vermögen kann man sich auch im Anzug in die Luxusbadewanne setzen.

  • Artikelbild
    grafik: apa
Share if you care.