"Sein Alter darf man Stronach nicht vorwerfen"

Reportage23. September 2013, 18:24
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Jessi Lintl will in den Nationalrat einziehen und wirbt beim Straßenfest in Wien-Währing um Stimmen - Stronach ist nicht anwesend und trotzdem omnipräsent

Wien - "Darf ich Ihnen ein Prospekt mitgeben?" Die Währinger Straße im 18. Wiener Bezirk ist an diesem Nachmittag Wahlkampfzone. Sie ist für ein Straßenfest gesperrt, und nicht nur das Team Stronach, auch BZÖ, FPÖ und SPÖ nutzen die Gelegenheit, um wenige Tage vor der Nationalratswahl Flyer unter das Wahlvolk zu bringen.

Die 57-jährige Jessi Lintl ist Spitzenkandidatin des Teams Stronach in Wien, sie hält unter einem weißen Partyzelt die Stellung. Es regnet in Strömen, für den Wahlkampf keine optimalen Voraussetzungen. Doch Lintl ist überzeugt: "Die Leute finden uns auch so."

"Brauche keine Geschenke"

"Kann ich mit Ihrer Stimme rechnen?", ruft sie einem Mann zu, der sich für die Schnapskarten des Teams Stronach interessiert. "Ich bin Deutscher, ich darf gar nicht wählen", antwortet er. Dem nächsten Passanten will Lintl einen Kugelschreiber schenken. "Ich wähle ihn eh, aber ich brauche keine Geschenke."

Ihn? Das Team Stronach steht und fällt mit Spitzenkandidat Frank Stronach. Auch Lintl gerät ins Schwärmen, wenn sie vom Parteichef spricht. "Er ist eine wahnsinnig starke Persönlichkeit, und er ist total authentisch. Frank ist, wie er ist, und das kommt bei den Leuten gut an", sprudelt es aus ihr heraus.

Vormals ÖVP

Lintl war bis November Mitglied der ÖVP und stellvertretende Bezirkschefin in der Inneren Stadt. Warum sie gewechselt ist? "In der ÖVP geht es um Funktionen. Ich bin lieber mit Menschen zusammen, im direkten Kontakt kann man viel mehr bewegen."

Karin Hintermayr (65) lässt sich in ein längeres Gespräch verwickeln. Sie will am 29. September Stronach ihre Stimme geben: "Wir brauchen einen frischen Wind in der Politik." Dass er fast zwanzig Jahre älter als sie ist, stört die Pensionistin nicht: "Das darf man ihm nicht vorwerfen. Sterben kann jeder, ob jung oder alt."

"Wir brauchen jede Unterstützung", bedankt sich Lintl. Ihr Ziel ist es, in den Nationalrat einzuziehen. Dort will sie forcieren, dass wieder mehr Lehrabschlüsse gemacht werden, und den Werkunterricht ausbauen: "Man lernt nicht nur durch den Kopf, sondern auch durch den Bauch und die Hände."

Viele bunte Farben

Lintl greift zu einem Luftballon und reicht ihn einer jungen Mutter. Die hängt ihn zu den anderen, die schon am Kinderwagen befestigt sind, dazu. Es ist nicht der erste, den sie heute erhalten hat. (Rosa Winkler-Hermaden, DER STANDARD, 24.9.2013)

  • Luftballons stehen als Wahlkampf-Goodies noch immer hoch im Kurs, auch beim Team Stronach. 
    foto: der standard/christian fischer

    Luftballons stehen als Wahlkampf-Goodies noch immer hoch im Kurs, auch beim Team Stronach. 

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