Prozess gegen Pink-Panther-Bande in Wien gestartet

23. September 2013, 17:54
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Den acht Angeklagten werden fünf Überfälle auf Juweliere in Wien und Salzburg vorgeworfen

Wien – "Mein Mandant ist ein wenig ein Unglücksrabe", versucht Verteidigerin Heike Sporn Stimmung für Ivica B. zu machen. "Er war nur bei einem Überfall dabei und sollte ein Buch besorgen und das in die Tür klemmen, damit sie nicht zufällt. Nicht einmal das hat er geschafft." Was er jedoch geschafft hat, ist, die Schaukästen eines Wiener Juweliers einzuschlagen und Schmuck daraus zu stehlen. Denn B. soll ein Mitglied der "Pink-Panther-Bande" sein.

Acht Männer im Alter von 32 bis 45 Jahren sitzen vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Andrea Philipp und müssen sich wegen schweren Raubes verantworten. Seit 2009 sollen die Angeklagten in ganz Europa aktiv gewesen sein, wirft ihnen Staatsanwalt Markus Berghammer vor. Viermal davon in Wien, dazu kommt ein Versuch in Salzburg.

Der Ablauf glich sich jedes Mal. Die großteils teilgeständigen Täter kamen aus Serbien nach Österreich, spionierten Tatorte und Fluchtwege aus, stahlen ein Auto. Beim Überfall ging zunächst ein Bewaffneter in das Geschäft und zwang die Angestellten, sich niederzulegen, ehe Mittäter mit Äxten die Vitrinen einschlugen.

In einem Fall eskalierte die Situation: Zwei Juweliere, die Widerstand leisteten, wurden mit den Äxten attackiert. Einer erlitt einen Schädelbruch, der andere eine Bauchwunde, beide überlebten aber. In anderen Fällen ging es zu wie im Computerspiel Grand Theft Auto: Einmal kaperten Angeklagte bei einer roten Ampel ein Fahrzeug, indem sie den Lenker bedrohten. In der Mariahilfer Straße – damals noch keine Begegnungszone – fuhren sie auf der Flucht den Gehsteig entlang.

Die Organisation habe drei Ebenen, die Angeklagten gehörten zur untersten, argumentieren die Verteidiger. Zentrale sei das Lokal "Dukat" in Belgrad gewesen, glaubt Ankläger Berghammer. Gelegentlich lief es auch anders, wie Milos L. erzählt. "Ich war Autoverkäufer und wie immer in schlechter finanzieller Verfassung."

Dann sei ein Bekannter gekommen und habe ihm angeboten, Beute nach Serbien zu bringen. "Wie kann ich mir das vorstellen?", will Philipp wissen. "Er kommt zu Ihnen, sagt, er will Raubüberfälle begehen?" "Ja."

2000 Euro bekam L. für den Transport, musste aber Vignette und Verpflegung selbst zahlen. Die Bosse waren demnach knausrig: Alleine bei einem Überfall betrug der Wert der Beute knapp unter einer halben Million Euro.

Das Verfahren ist für fünf Tage anberaumt. (Michael Möseneder/DER STANDARD, 24.9.2013)

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