Skurriler Fehler vereitelte Rendezvous zwischen "Cygnus" und ISS

24. September 2013, 10:17
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Private Frachtkapsel verwendet andere Datenformate als die Raumstation - Andockmanöver auf frühestens Samstag verschoben

Washington - Die private Raumkapsel "Cygnus" muss auf ihrem Jungfernflug weiter auf das Andocken mit der Internationalen Raumstation ISS warten. Das für Dienstag geplante Manöver wurde auf vorerst Samstag verschoben, die NASA will lieber die Ankunft einer neuen ISS-Crew am Mittwoch abwarten, ehe sie einen neuen Versuch wagt. Die Frachtkapsel des Unternehmens Orbital Sciences war am vergangenen Mittwoch mit einer Antares-Rakete vom Weltraumbahnhof Wallops Island im US-Staat Virginia gestartet (wir berichteten). Am Sonntag sollte es zu einem Demonstrations-Rendezvous mit der ISS kommen, doch wegen unerwarteter Probleme mit der Software von "Cygnus" musste das Manöver aufgeschoben werden.

Mittlerweile hat man die Ursache des Softwareausfalls gefunden - und die wirkt auf den ersten Blick reichlich skurril: Die Probleme begannen, als sich "Cygnus" am Sonntag auf weniger als 30 Kilometer an die ISS annäherte. Ab diesem Moment treten Raumstation und die Kapsel in eine Kommunikationsverbindung und "Cygnus" erhält GPS-Daten, mit denen das Raumschiff seine relative Position zur Station bestimmt.

Zwei unterschiedliche Formate

Überraschenderweise konnte "Cygnus" die empfangenen Daten nicht lesen. Während die ISS für bestimmte Zählwerte das moderne 13-Bit-Format verwendet, arbeitet die "Cygnus"-Software noch mit einem veralteten 10-Bit-Format. Laut Orbital Sciences soll ein Software-Update für das GPS-System von "Cygnus" die Inkompatibilität beheben. Rätselhaft bleibt, wie es zu einem solchen schweren Fehler kommen konnte.

Die NASA hat jedenfalls nun gemeinsam mit Orbital Sciences entschieden, erst die Ankunft dreier Astronauten in einer russischen Sojus-Kapsel in dieser Woche abzuwarten. Die Kapsel soll am Mittwoch an der ISS andocken. Es sei "die richtige Entscheidung, die Annäherung und das Andocken von "Cygnus" zu verschieben, bis die Sojus-Operationen abgeschlossen sind", erklärte die NASA.

Reguläre "Cygnus"-Flüge binnen weniger Monate

An Bord des privaten Transporters befinden sich 590 Kilogramm Nahrungsmittel, Kleidung und andere Fracht für die ISS-Besatzung. Mit der Demonstrations-Mission soll getestet werden, ob "Cygnus" reibungslos an der ISS andocken kann. Drei weitere der zahlreichen Test-Manöver hat "Cygnus" bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Insgesamt soll die Raumkapsel einen Monat lang im All bleiben. Orbital Sciences ist überzeugt davon, dass "Cygnus" bei erfolgreichen Tests binnen weniger Monate reguläre Flüge zur Raumstation starten kann. Bis 2016 plant Orbital Sciences laut Vertrag mit der NASA acht Missionen zur ISS, bei denen insgesamt 20 Tonnen Fracht transportiert werden sollen.

Nach dem Ende der Shuttle-Ära sucht die NASA dringend nach einem alternativen Transportmittel für Menschen und Fracht zur ISS. Nach Space X ist Orbital Sciences das bereits zweite Privatunternehmen, das in der Lage ist, Material in den niedrigen Erdorbit zu bringen. Einen entscheidenden Unterschied haben die beiden Systeme: Während "Dragon" Fracht von der Raumstation auch wieder zurück zur Erde bringen kann, muss "Cygnus" beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühen.

SpaceX hatte im Mai 2012 Geschichte geschrieben, als seine unbemannte Raumkapsel "Dragon" als erstes privates Raumschiff an die ISS andockte. Mittlerweile hat die Transport-Kapsel von SpaceX drei Flüge zur ISS absolviert. Bis 2016 sind mindestens zwölf weitere "Dragon"-Missionen geplant. (tberg/red, derStandard.at, 24.9.2013)

  • So stellt sich das US-Unternehmen Orbital Sciences die Annäherung ihrer "Cygnus"-Kapsel an die Internationale Raumstation vor. Unterschiedliche Software-Formate verhinderten allerdings bisher ein Rendezvous zwischen den beiden.
    illustration: orbital sciences

    So stellt sich das US-Unternehmen Orbital Sciences die Annäherung ihrer "Cygnus"-Kapsel an die Internationale Raumstation vor. Unterschiedliche Software-Formate verhinderten allerdings bisher ein Rendezvous zwischen den beiden.

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