Die "Herdprämie" macht Schule

23. September 2013, 20:20
420 Postings

Immer mehr Gemeinden zahlen Prämien, wenn Kinder in den ersten Lebensjahren daheim betreut werden

Salzburg/Linz - Bis zu 110 Euro zahlt die Flachgauer Gemeinde Berndorf jenen Eltern, die ihre Kinder die ersten drei Lebensjahre daheim betreuen. Ein Modell, das keinesfalls Schule machen soll, warnt ÖGB-VizepräsidentinSabine Oberhauser. Trotzdem beschloss der Gemeinderat von Großarl dieses Frühjahr, 2014 ebenfalls diese Förderung einzuführen. Das Land Oberösterreich geht noch einen Schritt weiter. Wer seine Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren lieber daheim lässt, als sie in einen Kindergarten zu geben, erhält dafür 700 Euro Bonus im Jahr.

Anstelle derartiger "Herdprämien" erwarten sich die Sozialpartner von der neuen Bundesregierung hingegen ganz anderes: ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr, Ausbau der Betreuungseinrichtungen für unter Dreijährige sowie "erwerbsfreundliche Öffnungszeiten und Ferienbetreuung in Kindergärten", forderten sie beim Sozialpartner-Dialog in Bad Ischl vor einer Woche. Der Wiedereinstieg in das Berufsleben nach der Babypause gehöre gefördert und nicht die Verlängerung des Ausfalls aus dem Erwerbsleben, argumentierte Oberhauser.

"Finanzielle Anerkennung der Elternarbeit"

Derartige Äußerungen ist der Berndorfer Bürgermeister Josef Guggenberger (ÖVP) bereits gewohnt. Weder das Land Salzburg noch der Bund tragen deshalb auch seine Idee der "finanziellen Anerkennung der Elternarbeit" mit. In dem 1650-Einwohner-Ort hingegen stieß sein Vorschlag bei allen Fraktionen auf Zustimmung. Werden Kleinkinder extern betreut, zahle die Gemeinde schließlich auch für diesen Betreuungsplatz. Und das nicht zu knapp, wie Guggenberger meint. Ab 31 Betreuungsstunden in der Woche kommen von der Gemeinde 320 Euro und vom Land Salzburg 480 Euro.

Wer jedoch die ersten drei Lebensjahre beim Kind daheimbleibe, erhalte nicht einmal so viel wie die Mindestsicherung. Diese "Schieflage" will der Bürgermeister mit der Prämie ausgleichen. Seine Rechnung: Den Differenzbetrag zwischen dem zweijährigen (ca. 632 Euro) beziehungsweise dreijährigen Kindergeld (ca. 441 Euro) und der Mindestsicherung (794 Euro) soll von der öffentlichen Hand beglichen werden. Der Verteilungsschlüssel: Je ein Drittel übernehmen Bund, Land und Gemeinde.

Bei Bund und Land blitzte Guggenberger damit ab, so zahlt seit 2013 nur Berndorf seinen Drittelanteil von 50 beziehungsweise 110 Euro im Monat. "Alle unsere Familien, die Anspruch auf diese Prämie haben, haben sie auch bereits beantragt", freut sich Guggenberger über den Erfolg. Dennoch, so betont er, die außerhäusliche Betreuung werde ebenfalls ausgebaut. So wurde im September die erste alterserweiterte Gruppe eröffnet.

"Im Innergebirge sehen wir das halt noch anders", lobt auch der Großarler Vizebürgermeister Johann Ganitzer den Vorstoß der Gemeinde Berndorf. "Wenn eine Mutter in den ersten Lebensjahren beim Kind bleiben kann, ist das sicher vernünftig", erklärt der SPÖ-Politiker, warum auch seine Gemeinde ab 2014 die Betreuung daheim (nach Berndorfer Vorbild) fördern will. Externe Betreuung gebe es ausreichend in dem 3700-Einwohner-Ort im Großarltal: zwei Krabbelgruppen und eine Kindergartengruppe, beide halbtags geführt. Für eine Nachmittagsöffnung bestehe kein Bedarf, ergab eine Elternbefragung.

In Oberösterreich erhalten Eltern, die ihr Kind bis zur Kindergartenpflicht daheim lassen eine "Familienförderung". Jene, die für den Nachwuchs keinen Kindergartenplatz "in Anspruch nehmen, können die Förderung mit dem dritten Geburtstag eines Kindes bis maximal zum Beginn des fünften Geburtstages" beantragen. Pro Jahr gewährt das Land durchschnittlich in 7000 Fällen den Kinderbetreuungsbonus. 2009 wurde der Betrag von 400 auf 700 Euro erhöht, um den Eltern eine "Wahlfreiheit" zu geben, wie Landeshauptmann Josef Pühringer (VP) meinte. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 23.9.2013)

  • Mehr Zeit für die Kleinkinder kann auch Probleme beim Wiedereinstieg ins Berufsleben zur Folge haben.
    foto: dpa/leonhardt

    Mehr Zeit für die Kleinkinder kann auch Probleme beim Wiedereinstieg ins Berufsleben zur Folge haben.

Share if you care.