"Keine Sorgen um Datenschutz bei Open Data"

Interview21. September 2013, 10:27
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Immer mehr Gemeinden geben ihre Datensätze zur allgemeinen Verwendung frei

Wien/Linz - Öffentliche Datenbestände zur freien Nutzung bereitzustellen, ist eine der Schwerpunktmaßnahmen der Digitalen Agenda für Europa. Eine Studie im Auftrag der EU-Kommission hat ergeben, dass der Open-Data-Ansatz in Europa ein Wirtschaftswachstum in Höhe von 40 Milliarden Euro pro Jahr und hunderttausende zusätzliche Jobs schaffen könnte.

In Österreich hat sich bereits eine lebendige Open-Data-Community entwickelt. Etliche Gemeinden öffnen bereits aktiv ihre Datenschätze, allen voran Wien und Linz. Dies ermöglicht auch vielen jungen Unternehmen, mit der Entwicklung von mobilen Anwendungen (Apps) bei guter Umsetzung Referenzen zu sammeln, und so neue Kundenaufträge zu akquirieren.

Das rohstoffarme Österreich könnte nach Auffassung von Experten in diesem Sektor mit Innovationen punkten. Ein Beispiel dafür ist das Linzer Start-up Codepool.

STANDARD: Was lässt sich mit Open Data anfangen?

Svitil: Das hängt immer von den zur Verfügung gestellten Daten ab. Der Rest ergibt sich aus der Kreativität, wie die Daten verwendet werden. Im Regelfall entstehen für die Bürger nützliche Anwendungen wie die von uns entwickelte Linzer Fahrplanauskunft Öffliner oder die 48er App der Wiener Abfallwirtschaft.

STANDARD: Springt da für die Entwickler auch ein Geschäft heraus?

Svitil: Unter Umständen ja. Wir wollen unsere Kunden nicht zwingen, Geld für unsere auf öffentlichen Daten basierenden Apps auszugeben. Daher integrieren wir Werbung und setzen auf freiwillige Unterstützung. Es gibt aber auch Modelle, die eine höhere Ausbeute erlauben. Ein exklusiver Werbevertrag mit einem regionalen Unternehmen bringt für regionale Apps mehr Geld als Googles Werbedienst. Da die Entwicklungskosten aber vom Unternehmen getragen werden müssen, kann dieses Geschäft nur über einen längeren Zeitraum Gewinn abwerfen.

STANDARD: Wo sind die Grenzen bei der Verwendung von Open Data?

Svitil: Die Grenzen liegen bei den verfügbaren Datensätzen. Manche Konzepte würden sich noch besser umsetzen lassen, wenn noch mehr Daten verfügbar wären. Dann können Datensätze besser kombiniert werden, um einen höheren Mehrwert zu erreichen.

STANDARD: Wie sieht es bei Open Data mit dem Datenschutz aus?

Svitil: In puncto Datenschutz mache ich mir in diesem Bereich keine Sorgen. Hier wird im Vorfeld dafür gesorgt, dass keine personenbezogenen Daten unrechtmäßig veröffentlicht werden. Bei Apps, die Open Data verwenden, hängt es vom Unternehmen selber ab, wie gut der Datenschutz eingehalten wird. Wir verwenden ausschließlich anonymisierte Nutzerdaten, um die Qualität der Anwendung verbessern zu können.

STANDARD: Handelt es sich bei der Open-Data-Bewegung nur um einen Hype oder um eine ständige Weiterentwicklung?

Svitil: Trotz der Popularität, die dieses Thema derzeit hat, würde ich es nicht als Hype bezeichnen. Es hängt natürlich davon ab, ob auch in Zukunft weitere Daten veröffentlicht werden. Ich schätze das Interesse der Öffentlichkeit so ein, dass es eine ständige Weiterentwicklung geben wird. Viele Institutionen beginnen ja gerade erst, ihre Daten zu veröffentlichen. Eine Idealvorstellung für uns wäre der konsequente Schritt, alle lokalen Daten in maschinenleserbarer Form frei zugänglich zu machen. Bürger haben somit einen Zugriff auf die Rohdaten und können diese wie andere Institutionen nutzen. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, 21.09.2013)

  • THOMAS SVITIL ist Geschäftsführer der Linzer Codepool, einer Softwareentwicklungsfirma, die er mit seinen Kommilitonen Florian Rath und Wolfgang Reisinger gegründet hat. Zu ihren Open-Data-Entwicklungen zählt der Linzer Öffiliner.
    foto: zvg

    THOMAS SVITIL ist Geschäftsführer der Linzer Codepool, einer Softwareentwicklungsfirma, die er mit seinen Kommilitonen Florian Rath und Wolfgang Reisinger gegründet hat. Zu ihren Open-Data-Entwicklungen zählt der Linzer Öffiliner.

  • Open Data: Öffentliche Daten gehören allen Bürgern und sollten daher frei zugänglich sein.
    foto: istockphoto.com

    Open Data: Öffentliche Daten gehören allen Bürgern und sollten daher frei zugänglich sein.

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