Der Trug mit dem Trunk

Ansichtssache20. September 2013, 19:34
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foto: orf/milenko badzic

Die ORF-Konfrontation zwischen Eva Glawischnig und Frank Stronach brachte eine Ungeheuerlichkeit ans Licht. Glawischnig hat in unbeschwerten Jugendtagen in der elterlichen Ausschank gearbeitet. Die braven Kärntner Wirte kredenzten damals den Rebensaft aus Doppelliterflaschen.

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foto: orf/milenko badzic

Klein Eva, schon damals ein äußerst aufgewecktes Wesen, ließ sich einen Unterschleif zuschulden kommen. Besaß ein Weinbeißer die Stirn und beschwerte sich über die Qualität des gereichten Tropfens, leerte ihn die spätere "Bundeserziehungsbeauftragte" (Copyright Spindelegger) in ein anderes Glas um und verkaufte ihn weiter. In den 1980er-Jahren, kurz vor dem säuerlichen Hochkochen des Glykolskandals, wurde Wein (vulgo: Sauerampfer) grob in vier Kategorien eingeteilt: Weiß, Rot, Schädelweh und kein Schädelweh. Stronach aber, der ein äußerst eng beschriebenes Täfelchen zum Thema zückte, sah seine Kontrahentin in die Enge getrieben. Es grenzt an ein Wunder, dass die Grünen-Vorsitzende nicht sofort vom TV-Tisch weg verhaftet wurde.

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foto: orf/milenko badzic

Nun hat Glawischnig die jugendliche Hinters-Licht-Führung ehrlicher Zecher in einem vorangegangenen Gespräch mit Josef Bucher selbst einbekannt. Bucher ist seinerseits Kärntner (aus Friesach), ihn wird das höchst peinliche Geständnis der geriebenen Exservierkraft nicht weiter verwundert haben.

Hingegen durfte man gespannt sein, was die Motivforscher aus Glawischnigs Weinskandal herauslesen würden. War Stronach der entscheidende Coup gelungen? Zieht er ins Bundeskanzleramt ein? Sophie Karmasin: "Ein Teenagerstreich wurde skizziert, ein charmantes Spiel mit Gästen." Eine herbe Enttäuschung. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 21.9.2013)

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