Die Gagen der heimischen Aufsichtsräte

20. September 2013, 17:15
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Zu wenig aktiv, einseitig aus Männernetzwerken gespeist, insgesamt zu wenig professionell und transparent: Die Liste der Vorwürfe an Aufseher ist lang

In Österreich entscheiden nicht die Aktionäre über die Vergütungspolitik. Die Forderungen heimischer institutioneller Investoren (Fondsmanager) bei Hauptversammlungen nach mehr Diversität und Vergütungsreform (mehr Langfristigkeit) ist wenn, dann recht leise. Die Wohlverhaltensregeln (Corporate-Governance-Kodex) lassen viel Spielraum und zwingen nicht zu totaler Transparenz. Wie der Vergütungsbericht zu gestalten ist, darf auch relativ frei ausgelegt werden.

Das - gemeinsam mit kaum sichtbaren Fortschritten in puncto Abkehr vom "old boys network" - mag mit ein Grund dafür sein, warum sich heimische Aufseher eher in den Negativschlagzeilen finden und sich dem Anwurf ausgesetzt sehen, sie würden für wenig Arbeit viel verdienen. Dabei: Das sei nur ein Bild aus der heimischen Börsenszene, sagt Viktoria Kickinger, Gründerin der Aufsichtsplattform Inara. In mittelständischen Unternehmen habe sich der Zugang zu Aufsichtsräten nahezu radikal gewandelt - der Nutzen der einzelnen Mitglieder werde professionell hinterfragt, was zu ganz neuen Teamzusammensetzungen geführt habe. Auf dem Börsenparkett sieht Kickinger die sogenannten "Proxi Advisors" (Berater internationaler Fonds) als starke kritische Stimme und somit als Treiber eines Wandels.

Schlusslicht in Europa

Zurück zur Bezahlung: Österreichs Aufsichtsräte gelten bezüglich ihrer Bezahlung als Schlusslicht in Europa, was viele dazu motiviert zu sagen, dass mangelnde Professionalität eine Folge schlechter Bezahlung wäre. Angemessen, so Kickinger, sei der halbe Tagsatz des Vorstandes - davon sind die Aufseher in Österreich tatsächlich weit entfernt, wie die Erhebung des IVA (Interessenverband Anleger) zeigt. Untersucht wurde das Prime Segment der Wiener Börse (35 Unternehmen). Demgemäß sind die Kosten für das Gremium 2012 um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr von 211.000 auf durchschnittlich 228.000 Euro gestiegen.

"Spitzenreiter" ist wie in den Vorjahren das Aufsichtsgremium der Erste Bank (siehe Grafik) mit zwölf Eigentümervertretern und sechs Betriebsräten, gefolgt von Raiffeisenbank International mit zehn Eigentümervertretern und Wienerberger mit neun Eigentümervertretern und fünf Betriebsräten. Die höchsten Vergütungen erhalten die Aufsichtsratsvorsitzenden der Conwert (110.000 Euro), der Erste Group (100.000 Euro) und der Voestalpine (80.000 Euro).

30.000 Euro im Schnitt

Durchschnittlich erhält ein Aufsichtsrat etwa 30.000 Euro (plus sechs Prozent zu 2011). Dazu ein Blick auf die Vorstandsgremien: Weniger Einmalzahlungen und Abfindungen führen hier in der Erhebung zu minus 14 Prozent over all, gerechnet auf das Vorstandsmitglied heißt das statistisch: 880.000 Euro und minus zwei Prozent. Dabei erhalten die operativen Spitzenmanager ziemlich hohe Fixgagen, nämlich um rund 60 Prozent.

Wilhelm Rasinger, selbst Aufsichtsrat und Präsident des IVA, hält einerseits die Vergütung im europäischen Vergleich für zu niedrig. Andererseits sieht er Spielraum für die Verkleinerung der Gremien, konkret die Zahl der Kapitalvertreter auf maximal sechs bis acht. "Mehr Köpfe führen nicht automatisch zu besseren Ergebnissen", so Rasinger. Mehr Aufwand infolge einer Reduktion des Gremiums führe zu Platz für bessere Bezahlung. Kickinger stimmt zu, doch ärgert sich nach ihrer Durchsicht von Geschäftsberichten: "Es gibt Aufsichtsräte, die arbeiten ohne Bezahlung in Kapitalgesellschaften, das ist kontraproduktiv."

Dass aus den vorgelegten Vergütungsberichten nur teilweise schlau zu werden ist, sagen viele Beobachter des Kapitalmarktes. Rasinger will eine einheitlich verordnete Struktur der Vergütungsberichte, die variable und sonstige Leistungen, Ansprüche nach Beendigung des Mandats sowie sämtliche sonstige Ansprüche ausweist. (Karin Bauer, DER STANDARD, 21./22.9.2013)
  • Vergütung österreichischer Aufsichtsräte.
    grafik: standard

    Vergütung österreichischer Aufsichtsräte.

  • Detaillierte Angaben im Vergütungsbericht notwendig. Wilhelm Rasinger.
    foto: dapd

    Detaillierte Angaben im Vergütungsbericht notwendig. Wilhelm Rasinger.

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