Wahlkampf per Post: Eine Stimme für ein Herz oder für ein Kondom

20. September 2013, 14:56
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Strache und Stronach verschicken Briefe, die Grünen wählen den elektronischen Weg

"Geben Sie mir Ihre Stimme. Ich gebe Ihnen mein Herz und mein Versprechen ..." endet der Brief, den Pensionistinnen und Pensionisten in Österreich dieser Tage im Postkasten finden. Darin wirbt ein rüstiger alter Herr mit weißgrauem Haar um sie. Einer, der "völlig unabhängig" sei und es als Privileg sehe, "dass ich unserem Land dienen kann". Richtig geraten: Post von Onkel Frank.

Frank Stronach und sein Team sprechen in dem Brief an "Bestagers", wie betagte Kundschaft auch bezeichnet wird, gezielt Themen an, die ältere Menschen interessieren könnten.

Dabei gibt es auch Milchmädchen- und Milchbubenrechnungen: "Wären wir nicht so verschuldet, hätten wir viel mehr Geld für die Pflege älterer Menschen." Schuld an der Verschuldung seien ÖVP, SPÖ und Grüne, die anderen Ländern aus der Milliarden-Patsche helfen.

Auch die Pensionen der "Aufbaugeneration" will Stronach retten und dafür sorgen, dass ältere Semester steuerfrei etwas dazuverdienen könnten.

Doch auch die Enkelgeneration bekam dieser Tage eine Nachricht. Für die Facebook- und Whats-App-Generation auf recht ungewöhnlichem Weg: Ein Brief mit der Post.  "HC-Strache"  lacht da vom Deckblatt und macht auf Uncle Sam mit frontal nach vorne gestreckten Zeigfinger: I want you.

Strache weiß im Begleittext zu berichten, dass in den Schulen das Chaos herrsche und dass "man in vielen Teilen unserer eigene Heimat schon angefeindet wird, weil man Österreicher ist".  Wenn Griechenland "oder andere-Pleiten-Staaten Milliarden brauchen, geht alles blitzschnell. Bei den eigenen Leuten heißt es immer: bitte warten". Strache verspricht alles besser zu machen, schließt mit einem amikalen "Dein HC Strache" und verweist noch auf die mitgeschickte Beilage, eine Broschüre über die "Sagen in Österreich", wo sich eine Strache ähnelnde Cartoonfigur als Lonesome Fighter gegen den Islamismus in Szene setzt.  Und da ist noch die Geschichte vom "Purbacher Türken", in dem sich ein kleines Dorf ("Hilfe schon wieder diese Islamisten! Bringt's euch in Sicherheit") gegen "die Ostbanden" wehrt. Zurück bleibt ein Türke - weil ihm der Burgenländische Wein so gut schmeckte.

Die Grünen versuchten die Erstwähler lieber auf virtuellem Weg zu erreichen: Mit einem Mail mit dem leicht schlüpfrigen Betreff "Das erste Mal". Darin ist ein Link zu einem Video, in dem Opa Sascha von seinem "ersten Mal" erzählt. Immerhin ohne Angstmache und Anbiederung an die Jugend. Alexander Van der Bellen bleibt mit den Jungwählern per Sie und bittet sie, diesmal Grün zu probieren. Sollte es Ihnen nachher leid tun, könnten sie ja das nächste Mal jemand anderen wählen. Statt einem Sagen-Comic gibt es dann noch ein Gewinnspiel, bei dem man ein WG-Paket, unter anderem mit Biobier, Kondomen und Kräutersalz gefüllt, oder ein Radlpaket mit Trinkflasche, Radlpumpe und Ähnlichem gewinnen kann. Die Radlpumpe könnte ja vielleicht auch der Opa gut gebrauchen. (cms, mue, derStandard.at, 20.9.2013)

  • Stronach will die "Aufbaugeneration" retten.
    foto: derstandard.at

    Stronach will die "Aufbaugeneration" retten.

  • Strache wendet sich amikal an die Erstwähler.
    foto: derstandard.at

    Strache wendet sich amikal an die Erstwähler.

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    foto: derstandard.at
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