"Dauerbaustelle" Journalismus

20. September 2013, 14:32
2 Postings

"SZ-"Onlinechef Stefan Plöchinger macht sich auf einer Bahnfahrt Gedanken zur Zukunft des Journalismus

Texte und Thesen zur Zukunft des Journalismus gibt es zuhauf, jene, die Stefan Plöchinger, Onlinechef der "Süddeutschen Zeitung", für das Jahrbuch des Bundesverbands deutscher Zeitungsverleger zusammengestellt hat, machen nun die Runde. "Must read!", empfiehlt "Bild"-Chef Kai Diekmann den Text auf Twitter, "Brillant!", lobt "ZiB2"-Anchorman Armin Wolf, "Stoff zum Nachdenken", twittert STANDARD-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid. Nur vereinzelt ein "ich kann einfach nicht mehr" eines Onliners wie Lenz Jacobsen von "Zeit Online".

Acht Thesen

"Wie wir nach vorne denken sollten - acht Thesen zur Zukunft", schreibt Plöchinger im Zug, auf einer "Entschleunigungsachse des deutschen Fernverkehrs, auf der ICE zu Panoramabummelzügen werden". Der Onliner fordert eine Qualitätsdebatte. Das streben nach Qualität sei essentiell für die Zukunft, sie komme aber "nicht von selbst oder per Akklamation". Und ohne mehr über das Publikum zu wissen, könne die Qualitätsdebatte nicht geführt werden. Gerade in Zeiten von Paid Content müssten "Leserverweigerer" ihr Publikum kennen lernen, herausfinden, was Kernleser suchen.

Premium und Ramsch

Jahre habe man verloren, mit der "noch oft geführten Argumentation", Print sei Premiumjournalismus, Online "nur die Ramschversion davon". Und die obendrein Kollegen Günde liefere, "am digitalen Journalismus nicht mitzuwirken".

Plöchinger fordert, "aufhören, über Print versus Online zu reden". Und: Nicht lamentieren, sondern tun. "Man muss einfach im Arbeitsalltag beginnen, Konvergenz statt Differenz zu leben." Statt mit "ideologischen Borniertheiten" die Branchendebatte dominieren.

Journalismus digitalisieren

Und wie sieht der Arbeitsalltag mit Zukunft nun aus? "Es geht nicht darum, unsere existierenden Inhalte zu digitalisieren, also Text aus der Zeitung technisch in ein digitales Produkt zu bekommen und damit letztlich 'Zeitung im Netz' zu machen – sondern darum, den Journalismus an sich zu digitalisieren."

Man müsse "Veränderung als Dauerzustand" akzeptieren und kultivieren. In einem Mediensystem, das sich permanent ändert, sei eben auch Journalismus eine "Dauerbaustelle". (sb, derStandard.at, 20.9.2013)

  • Hat "acht Thesen zur Zukunft" niedergeschrieben: Stefan Plöchinger
    foto: sueddeutsche.de

    Hat "acht Thesen zur Zukunft" niedergeschrieben: Stefan Plöchinger

Share if you care.