Übergewicht: Grazer Mediziner suchen Alternativen zum BMI

19. September 2013, 14:58
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Nicht immer liefert der Body-Mass-Index verlässliche Informationen über Übergewicht - die Lipometrie ist aussagekräftiger

Bei der Einschätzung des Risikos, durch Übergewicht beziehungsweise Adipositas an einer Störung des Stoffwechsels zu erkranken, wird im klinischen Alltag vor allem der Body-Mass-Index (BMI) herangezogen. Weil dieser Wert aber nicht immer aussagekräftig ist, suchen Forscher der MedUni Graz nach Alternativen.

Alternativen zum BMI

Der BMI galt jahrelang als das Maß aller Dinge. Demnach gelten Menschen mit einem BMI über 30 als adipös und besonders gefährdet für kardiovaskuläre Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen. "Bei der Ermittlung des BMI werden lediglich die Parameter Körpergewicht und -größe berücksichtigt. Dadurch ist der BMI ein grober Richtwert, da weder Alter oder Geschlecht, noch der Anteil des Muskelgewebes in die Ermittlung einfließen", sagt die Grazer Pathophysiologin und Ernährungswissenschafterin Sandra Wallner-Liebman.

Wesentlich aussagekräftiger wäre etwa die Verteilung der körpereigenen Fettmasse, so Wallner-Liebman. In einer bereits abgeschlossenen und jüngst im Fachmagazin PLoS One veröffentlichten Studie habe sich gezeigt, dass der BMI-Index speziell bei der Gruppe jüngerer Menschen (18 bis 30 Jahre) nicht spezifisch genug ist, um die ungesunde Speicherung von Fett anzuzeigen.

Dazu wurden 106 Personen - davon die Hälfte Athleten - getestet. "Der BMI als weitverbreitetes Messinstrument für Fettleibigkeit konnte nicht zwischen den Sportlern und den nicht sportlich aktiven Testpersonen unterscheiden: Durch die BMI-Werte wurden nur 64 Prozent der sportlichen Männer und 52 Prozent der sportlichen Frauen richtig zugeordnet, so die Expertin.

Lipometrie wesentlich präziser

Mittels Lipometrie - eine nichtinvasive Fettmessung mittels Lichtdioden an 15 definierten Stellen des Körpers - konnten die Probanden wesentlich exakter den beiden Test- und damit Risikogruppen zugeordnet werden: Über die Zuordnung der gemessenen Fettmasse, die bei den Sportlern durchschnittlich rund 50 Prozent geringer war, ergab sich eine richtige Bestimmung von 89 Prozent der Athleten.

Zur Feststellung der tatsächlichen Fettleibigkeit und dem damit in Zusammenhang stehenden Risiko für Stoffwechselerkrankungen erweise sich daher bei jungen Menschen das Lipometer als bessere Messmethode, so Wallner-Liebmann. Sie will in den kommenden Jahren die zielgruppenorientierte Risikoabschätzung durch eine differenzierte Methodenanwendung weiter vorantreiben. (APA/red, derStandard.at, 19.9.2013) 

  • Nicht immer liefert der BMI verlässliche Ergebnisse - auch bei Kraftsportlern kommen oft viel zu hohe Werte heraus, obwohl sie eigentlich kein Übergewicht haben.
    foto: oliver stratmann/ddp/ap

    Nicht immer liefert der BMI verlässliche Ergebnisse - auch bei Kraftsportlern kommen oft viel zu hohe Werte heraus, obwohl sie eigentlich kein Übergewicht haben.

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