Ex-Boxweltmeister Ken Norton gestorben

  • 10. September 1973: Ken Norton (li.) und Muhammad Ali ließen ihre Fäuste sprechen.
    foto: ap

    10. September 1973: Ken Norton (li.) und Muhammad Ali ließen ihre Fäuste sprechen.

Er war der einzige Weltmeister im Schwergewicht, der nie einen Titelkampf gewann, vor allem aber der Mann, der Alis Kiefer brach

Las Vegas - Als Kenneth Howard Norton aus Jacksonville (Illinois) Weltmeister wurde, war seine Karriere fast schon vorbei. Im März 1978 entzog das World Boxing Council (WBC) Leon Spinks den nach Punkten gegen Muhammad Ali gewonnenen Gürtel, weil dieser lieber nochmals den alternden "Größten" treffen wollte, als sich einem weniger lukrativen, für härter erachteten Match gegen die Nummer eins auf der Liste der Herausforderer zu stellen.

Diese Position hatte sich Norton kurz davor gegen Jimmy Young verdient, in einem Fight über 15 Runden, den das WBC nachträglich zum Titelkampf erklärte. Nach nicht einmal drei Monaten auf dem Schild unterlag Norton im Caesars Palace zu Las Vegas in einem der spektakulärsten Gefechte der Boxgeschichte nach Punkten Larry Holmes.

Männer des Olymps

Holmes war ein Sparringpartner von Muhammad Ali gewesen, Norton stand unzählige Runden mit Joe Frazier im Ring, weil beide von Eddy Futch trainiert wurden. Im Gegensatz zu Holmes, der Ali, wenn auch unwillig, die vorletzte, aber für dessen weiteres Leben wohl folgenschwerste Niederlage beibrachte, maß sich Norton mit Frazier nie offiziell im Ring. Der "schwarze Herkules" wurde wie "Smokin' Joe" durch drei Kämpfe gegen Muhammad Ali auf ewig in Erinnerung gerufen.

Am 31. März 1973, als Ali nach der Niederlage gegen Frazier in New York seinen Ruf wiederherzustellen trachtete, traf er Norton in San Diego und verließ nach zwölf Runden mit gebrochenem Unterkiefer, schmerzgepeinigt als Verlierer den Ring.

Niemals wieder wollte Ali gegen Norton kämpfen, dennoch gab es zwei Neuauflagen - eine ein halbes Jahr später, eine Ende 1976 -, die Norton jeweils (die zweite höchst umstritten) nach Punkten verlor. Dazwischen lag ein Knockout in Runde zwei in Caracas (Venezuela) gegen den mächtigen George Foreman, der auf dem Weg zum "Rumble in the Jungle" war, seiner Nemesis namens Muhammad Ali entgegen.

Vielseitiger Sportler

Norton, der 42 seiner 50 Profikämpfe gewann, davon 33 vorzeitig, hätte in vielen Sportarten reüssieren können. Der Sohn eines Polizisten und einer Krankenschwester glänzte in seiner Schulzeit als Leichtathlet und Footballspieler. Als Angehöriger der US-Marines erlernte er das Boxen. Nach einem Einsatz in Vietnam wechselte der dreimalige Marinemeister zu den Profis.

Als seinen größten Titel bezeichnete der 1,91-Meter-Mann, der seinen modellhaften Körper auch in etlichen Spielfilmen zeigte, wie zum Beispiel dem berühmt-berüchtigten Mandingo (1975), die Auszeichnung zum Vater des Jahres 1977 durch die Los Angeles Times. Ken Junior, der ältere seiner beiden dankbaren Söhne, gewann als Linebacker der Dallas Cowboys (1993, 1994) und der San Francisco 49ers (1995) dreimal en suite die Super Bowl im American Football und wirkt als Coach.

Ken Norton Senior, der 1986 einen schweren Autounfall nur knapp und mit motorischen wie sprachlichen Einschränkungen überlebt hatte, erlitt im Vorjahr einen Schlaganfall. Am Mittwoch ist der Mann, der Alis Kiefer brach, in einem Pflegeheim einer Herzattacke erlegen. "Er war der fairste Boxer unserer Zeit", rief ihm Foreman nach, ein Kollege Nortons in der Hall of Fame des Faustkampfes. (lü, DER STANDARD, 20.9.2013)

Share if you care
16 Postings

Er hat mit den Größten seiner Kunst gekämpft und sie alle ganz schön in Bedrängnis gebracht. Wer kann das schon von sich sagen.

The Bayonne Bleeder

der kann das auch von sich behaupten hat Ali mal von den Beinen geholt.
Aber Norton war schon sehr leiwand.

Sein Problem war, daß er ja ursprünglich aus dem Halbschwergewicht kam.

D.h. er mußte Gewicht zulegen, was zulastn der beweglichkeit ging. und es fehlten den schlägen die härte.
und joe frazier als sparringpartner, wenn es gegen larry holmes geht, war auch keine weise entscheidung.

Die artige Kunst

von A. J. Liebling

Wunderbares Buch über das Boxen und New York.

kleine kritik: beim ersten mal lesen kriegt man (besser:ich) nur schwer mit, wer wann gegen wen wie geboxt hat. in den ersten drei absätzen werden 7 verschiedene boxer samt kämpfen im schnelldurchlauf runtergespult.

was heisst übrigens: der "schwarze herkules" wurde wie "smokin joe" durch drei kämpfe gegen Muhammed Ali ewig in erinnerung gerufen ?

ich gehe davon aus, dass foremen norton ausgeknockt hat; beim drüberlesen war mir das auch nicht sofort klar.

Sporteinträge in Wiki sind oft echt gut.

Zum Schmökern kann ich http://de.wikipedia.org/wiki/Larry_Holmes (Larry Holmes) empfehlen, und dann gleich
http://de.wikipedia.org/wiki/Rocky_Marciano (Rocky Marciano),
ganz beeindruckende Karrieren!
Norten natürlich auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Ken_Norton
"Er wurde Schauspieler - er spielte den Sklaven Ganymede in dem Film Mandingo -, hatte aber dann einen schweren Autounfall, der ihm zeitweilige psychische und permanente körperliche Schäden eintrug. Norton ist in der International Boxing Hall of Fame. Sein Sohn Ken Norton Jr. spielte American Football in der NFL. Dreimal konnte Jr. den Super Bowl mit den Dallas Cowboys und den San Francisco 49ers gewinnen."
(Mandingo von Richard Fleischer, s.a. Django Unchainend.)

In der Tat war diese Zeit der Höhepunkt an Qualität und Quantität im Schwergewicht.Diese Dichte an exellenten Schwergewichtlern gabs nie wieder.
Einige Jahre später entstand eine vergleichbare Situation im Welter,Superwelter,Mittel und Supermittel und wieder einige Jahre später in den noch leichteren Gewichtsklassen(vom Leichtgewicht abwärts).
Im Augenblick ist Flaute.Schade

Pacman, Mayweather...Hallo?

Ist Norton jetzt gestorben oder was? Aus diesem dürftigen Artikel geht das jedenfalls nicht hervor!

einfach lesen

"am mittwoch ist der mann, der alis kiefer brach, in einem pflegeheim einer herzattacke erlegen"....also dürfte er tot sein, nicht genügend - setzen...!!!!!

Einfach nachdenken. Das stand zu dem Zeitpunkt vor 18 Stunden noch nicht dort.
Ebenfalls "nicht genügend" Herr Oberlehrer.

Ken Norton 1943 - 2013

Er ist entweder gestorben oder 70 geworden.
Das darf man sich in diesem Artikel derzeit noch aussuchen.

Herzattacke erlegen

(DER STANDARD, 20.9.2013)

Das alles passiert erst morgen, der Standard ist mit seinem Artikel schon einen Tag voraus.

RIP!

Hatte die Ehre, ihn vor 2 1/2 Jahren persönlich zu treffen und kurz mit ihm zu plaudern. Er war echt einer der Größten und ein wirklich netter Kerl.

Schön für Sie,aber können Sie uns auch bitte sagen wie es zu dieser Ehre kam,danke

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.