Nun mit Sonne: Neues Tageszentrum der Wiener "Gruft" eröffnet

19. September 2013, 13:43
  • Das Caritas Betreuungszentrum "Zubau der Gruft - neues Tageszentrum" im sechsten Wiener Gemeindebezirk.
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    foto: apa/herbert neubauer

    Das Caritas Betreuungszentrum "Zubau der Gruft - neues Tageszentrum" im sechsten Wiener Gemeindebezirk.

Unterkunft für Obdachlose wurde ausgebaut - Bund, Stadt Wien und private Spender finanzierten 3,6 Millionen Euro teures Projekt

Wien - Bereits seit 27 Jahren finden obdachlose Männer und Frauen in der "Gruft" im Kellergewölbe der Barnabitenkirche im 6. Wiener Gemeindebezirk Zuflucht, eine warme Mahlzeit und einen Schlafplatz. Am Donnerstag wurde das neue Tageszentrum, ein Zubau im nahe gelegenen Pfarrhof, feierlich eröffnet. "In der 'Gruft' scheint jetzt endlich die Sonne", freute sich Caritasdirektor Michael Landau über die Fertigstellung des neuen Gebäudes.

"Die 'Gruft' ist nun ein ganzes Stück heller und freundlicher. Ansonsten bleibt aber alles beim Alten. Sie wird weiterhin 365 Tage im Jahr geöffnet sein, die Gäste bekommen warme Mahlzeiten und erhalten ärztliche und psychologische Betreuung", erklärte Landau. Im neuen Tageszentrum befindet sich neben einem Aufenthaltsraum auch eine Küche. Zudem gibt es Büros und eigene Bereiche für Therapiegespräche sowie die Möglichkeit, Wäsche zu waschen.

Das Gewölbe unterhalb der Kirche dient weiterhin als Schlafplatz. Die alten Räumlichkeiten werden jedoch auch ab 2014 saniert. Statt auf Isomatten soll künftig in Bett geschlafen werden, so Landau. Bis jetzt diente ein einziger Raum ohne Fenster als Speisesaal, Schlafstätte und Aufenthaltsraum. "Tag für Tag fanden im Gewölbe Therapiegespräche auf engstem Raum statt. Abend für Abend mussten Tische und Stühle zur Seite geschoben werden, um dem Schlaflager Platz zu machen. Damit ist es jetzt glücklicherweise vorbei", zeigte sich der Caritasdirektor zufrieden.

100.000 warme Mahlzeiten 2012 ausgegeben

"Es ist unsere Pflicht, diejenigen, die am Rand der Gesellschaft stehen, wieder in die Mitte zu bringen. Dieses Gebäude hilft dabei", sagte Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) bei der Eröffnung. Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) ergänzte: "Wien bietet ein sehr engmaschiges Netz an sozialer Hilfe an. Trotzdem gibt es Menschen, die noch mehr Hilfe benötigen. Dafür ist die 'Gruft' da." Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) bedankte sich bei den Mitarbeitern, die "mit viel Engagement jenen Menschen, die oft schuldlos in die Armut geschlittert sind, Wärme, Menschlichkeit und Würde geben". Pater Albert Gabriel, Gründer der "Gruft", segnete anschließend die neuen Räumlichkeiten.

Wie hoch der Bedarf ist, zeigen folgende Zahlen: 97.285 warme Mahlzeiten wurden im Vorjahr ausgegeben, 19.453 Nächtigungen verzeichnet. Rund 1.700 Klienten wurden sozialarbeiterisch betreut, insgesamt wurden etwa 19.000 Beratungsgespräche geführt. Zudem konnten 2012 über 400 Personen aus der "Gruft" in Unterkünfte wie Betreutes Wohnen, Übergangswohnen oder in Gemeindewohnungen vermittelt werden. Sozialarbeiter der Caritas schätzen, dass in Wien einige hundert Menschen von akuter Obdachlosigkeit betroffen sind.

Die Kosten für den Zubau, der innerhalb eines Jahres fertiggestellt wurde, betrugen 3,6 Mio. Euro. Der Bund unterstützte das Projekt mit einer Million Euro. Die Stadt Wien förderte die "Gruft" der Caritas heuer mit 721.000 Euro, so Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ). Auch private Spender trugen zur Umsetzung des neuen Tageszentrums bei. (APA, 19.9.2013)

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15 Postings
erst gestern

Ich hab gestern ein paar Kleidungsstücke hingebracht, die Stimmung ist freilich bedrückend, wobei die engagierten Leut in diesem Fall nicht die Caritasianer waren, sondern die Klienten. Ohne die Unterstützung eines Bewohners hätte ich nicht gewußt, wo ich die Jacken und Pullover deponieren sollte. Aber im Endeffekt ist es einfach: Helfen kann man soooo leicht, wenn man es nur will.
Besser eine Jacke in die Gruft, als zu weit hinten im Kasten...

nächster verstoss gegen meine regel, mich vor der wahl nicht mehr mit nationalen befindlichkeiten auseinanderzusetzen, aber

3,5 mio...waren vor etwas mehr als einem jahrzehnt mal 50 mio schilling....für 250 tagesgäste (NUR INLÄNDISCHE in der gruft bytheway) macht 200.000sch, oder wieder ca. 15.000 € pro platz?! hoffe doch, auch duschen gibts, die nirgends erwähnt werden. wie gross ist bitte das teil?

und wenn hier vor der caritas "der hut gezogen" wird, gruselts mich, weil ich den alltag in deren einrichtungen kenne: zahlen am miesesten und haben dadurch die miesesten zustände (ein paar bessere heime gibts, aber dafür ganz, ganz schlimme). sämtliche sozialberufe werden in deren schulen ausgebildet, was jetzt noch nicht so schlimm wäre, wenn sich dadurch nicht ein österreichisches bild zeichnete, dass der staat da der kirche das feld überlässt, nichts leistet!

sämtliche Sozialberufe werden in deren Schulen ausgebildet? mag ja sein, aber es gibt jede Menge Möglichkeiten, Sozialberufe anderswo zu lernen, z.B. in den Fachhochschulen für Sozialarbeit (=öffentlich), Krankenpflege in Krankenhäusern inkl. dazugehör. Schulen (=öffentlich), uvm.

Ist eine sehr gute Einrichtung.
Ich würde mir hier aber auch vom Staat mehr Unterstützung wünschen.
Denn niemand soll auf der Straße schlafen müssen und ewig außerhalb der Gesellschaft stehen müssen, außer er entscheidet sich aus freien Stücken für so ein Leben.
Bekämpft gehören die aggressiven Bettler, dafür gibt es ja mittlerweile auch ein Gesetz.

Allein die Bezeichnung "Gruft" ist eine Erniedrigung von Obdachlosen !

Nur mit Sonne

Besonders in der Nacht.

TAGeszentrum!

Das ist doch eine Computergrafik...

Nein, das schaut so aus - aber extremer Weitwinkel.

alles im grünen bereich

wenn das kameras sind, dann nur um die armen läute vor gaffern und anderen zu schützen und ihnen freiraum zu schaffen, da hat es nicht immer so friedlich ausgeschaut wie auf dem bild, da waren welche dagegen, die ihre sicht auf die caritas bäume und die darunter befindlichen schattigen parkplätze gefährdet sahen und die kampfradler von der fuzo mahü sollen auch fern bleiben, insgesamt ein gutes projekt für jeden öffentlichen - weil steuer - und privaten - caritas - spenden euro

die caritas zeigt vor, wie kirche sein sollte!!!

Vor der Caritas ziehe ich respektvoll meinen Hut .

und spende auch immer wieder.
Da hatte ich auch noch nie daen Eindruck dass das Geld irgendwie verschludert wird.

Grossartig. Danke.

warum befinden sich da Kameras auf der Häuserfassade???? Nimmt der Überwachungswahn kein Ende???

...überwachungswahn ist leider so heute, keinen störts und andererseits gehts auch kaum mehr ohne, leider.

wo sind da kameras? das an der ecke können lampen auch sein

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