Jäger hatte nur sechs Waffen angemeldet

  • Ein Blick auf das Gelände, auf dem sich der Mann verschanzt hatte.
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    foto: apa/paul plutsch

    Ein Blick auf das Gelände, auf dem sich der Mann verschanzt hatte.

Polizei: Arsenal übersteigt "jeden erlaubten Rahmen um ein Vielfaches" - Interne Kritik am Vorgehen der Cobra

Großpriel/Annaberg - Das Waffenarsenal des mutmaßlichen Vierfachmörders Alois H. (55) "übersteigt zweifelsohne jeden erlaubten Rahmen um ein Vielfaches", sagte Franz Polzer, Chef des niederösterreichischen Landeskriminalamts, am Donnerstag. Eine solche Anhäufung sei nur als offiziell angemeldete Sammlung rechtens. Der Wilderer soll jedoch nur sechs seiner Waffen legal besessen haben, in erster Linie soll es sich bei dem Arsenal um funktionstüchtige Langfeuerwaffen handeln.

Der Mann habe laut "Kurier" (Freitag-Ausgabe) nach der Tat noch mit seinem Jugendfreund telefoniert und darin neben der Tötung von vier Menschen auch Brandstiftungen gebeichtet. "Ich bin da Wilderer, den's schon so lange suchen, und die Hütt'n hab' i a angezündet", soll der 55-Jährige im Gespräch gesagt haben, so die Zeitung. Für den Freund sei es unvorstellbar, dass der Wilderer einer Bande angehört habe, die Forstvillen geplündert habe: "Wenn, dann war er das alleine. Er war ein Einzelgänger durch und durch."

Ermittler: Klassischer Einzeltäter

Den Informationen zufolge besaß der Mann einen Waffenpass und eine Waffenbesitzkarte. Alle bisher gesichteten Schusswaffen sollen blitzblank geputzt und gepflegt gewesen sein. Die Ermittler schätzen den Mann als klassischen Einzeltäter ein, Hinweise auf einen Waffenring gebe es jedenfalls nicht. Einen Mittäter in dem einen oder anderen Fall könne er noch nicht ausschließen, sagte Polzer.

"Es kann schon sein, dass man damals geglaubt hat, da steckt eine ganze Kohorte dahinter, und in Wahrheit war es nur einer", beantwortete er eine Frage nach einer umfangreichen Serie von Einbrüchen und Diebstählen, teilweise mit anschließender Brandstiftung, in Jagdhütten, -häuser und -schlösser im südlichen Niederösterreich bis in die Steiermark. Diese beschäftigen schon seit Ende der 90er Jahre die Polizei und wurden nicht nur von den Medien meist einer "Bande" zugeschrieben.

"Unmenge von Schüssen"

Der Kriminalist betonte, dass die Aufarbeitung der - teilweise viele Jahre - "zurückliegenden Aktivitäten" des Mannes für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung wichtig sein könnte. Beim Verdacht auf Diebstahl, Einbruch und Wilderei "geht es zum Teil um bedeutende Straftaten. In der betroffenen Bevölkerung führt das dazu, dass keiner mehr dem anderen traut. Außerdem können vielleicht damals unschuldig in Verdacht Geratene entlastet werden. Andererseits darf man jetzt nicht alle Verdachtsfälle ohneweiteres dem Verdächtigen zuschreiben".

Vordringlich sei für die Ermittler aber jetzt, den Ablauf der Tat aufzuarbeiten. Der Täter habe "eine Unmenge von Schüssen abgegeben", noch ungezählte Munitionsteile werden analysiert und die involvierten Fahrzeuge untersucht. Die Aufarbeitung des Inneren des Wohnhauses, und was darin gefunden wurde, stehe da hinten an. "Die Waffen wurden bisher nicht einmal gezählt. Es sind weit mehr als hundert, aber das ist eine Schätzung."

Sparmaßnahmen bei der Cobra

Aufgrund von Sparmaßnahmen, so Kritiker, wären lediglich drei statt der ursprünglich vorgesehenen 13 Beamten zum Einsatz gekommen. Die Cobra wies die Vorwürfe zurück. Bereits im Sommer sei von "Cobra-Taktikern" auf die Mängel des geänderten Einsatzplanes hingewiesen worden. Dadurch sei ein "unkalkuliertes Risiko entstanden", hieß es in einem an die APA gerichteten Mail. Diese "Gefährdung" sei von der Cobra-Führung "bewusst in Kauf genommen worden und die Rückänderung auf den ursprünglichen Einsatzplan wegen der zu erwartenden Kosten verweigert" worden.

Aus diesen Gründen habe der Wilderer nach dem Schusswechsel "nicht verfolgt werden können, da eine optimale Nachtkampftauglichkeit auf Grund von fehlenden und veralteten Nachtsichtgeräten/Gewehroptiken nicht gegeben" gewesen sei. Zusätzlich prangerte der anonyme Verfasser an, dass "auf den Cobra-Standorten nicht die entsprechende Mannschutzausrüstung vorhanden" sei, um "sich ausreichend gegen Jagdwaffen zu schützen.

Einschubplatten als Schutz gegen Langwaffen sind lediglich für einige wenige Einsatzbeamte verfügbar und müssen, so wie auch in Kollapriel, unter Gefährdung vor Ort, also im unmittelbaren Gefahrenbereich, von Mann zu Mann weitergegeben werden." Die Einschubplatten für Kurzwaffen (z. B. Pistolen) seien "teilweise seit Jahren abgelaufen, jedoch in Verwendung".

Detlev Polay, Sprecher des EKO Cobra, wies die Vorwürfe zurück: "Durch die Kaltblütigkeit des Täters und sein überaus brutales und rücksichtsloses Vorgehen haben die angesprochenen Themen keinerlei Relevanz für die Auswirkungen. Es lag im vorliegenden Fall ein gemeinsam entwickeltes Einsatzkonzept vor, das allen eingesetzten Bediensteten bekannt war. Dieses basierte auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Aufgrund der äußeren Gegebenheiten, also Umgebung, Uhrzeit und Witterung, lag der Fokus der Ermittlungen auf dem Fahrzeug."

Mikl-Leitner weist Kritik an Polizei zurück: "Unerträgliche Besserwisserei"

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) wies am Mittwoch geäußerte Kritik am Verhalten der Polizei bei dem Einsatz zurück. "Angesichts der kaltblütigen Ermordung von vier Einsatzkräften halte ich diese Besserwisserei für unerträglich", sagte sie am Donnerstag bei der Angelobung beziehungsweise Ausmusterung von 187 Polizeischülern in Wien.

Mikl-Leitner hat am Mittwoch die Familien der getöteten Polizisten besucht. "Nach diesen Besuchen kann ich Ihnen ausrichten: Die Familien sehen es als respektlos und pietätlos an, wie versucht wird, die Schuld bei den Polizisten zu suchen", sagte die Innenministerin bei der Zeremonie, die mit einer Schweigeminute eröffnet wurde. Die erschossenen Polizisten im Alter von 38, 44 und 51 Jahren hinterlassen insgesamt sechs Kinder. Der 38-Jährige gehörte der Cobra an und war der erste Beamte der Spezialeinheit, der bei einem Einsatz ums Leben kam.

"Das Wichtigste derzeit ist es, den Hinterbliebenen und auch den Kollegen Mitgefühl zu zeigen, mit Hochdruck zu ermitteln und den Einsatz exakt zu evaluieren", sagte Mikl-Leitner. "Diese Stunden und Tage gehören auch für mich zu den schwersten." Sie wurde nach eigenen Angaben am Dienstag um 4 Uhr von der Tötung der Polizisten und eines Rettungssanitäters informiert und stand ab diesem Zeitpunkt permanent in Kontakt mit dem Einsatzkommando. (APA, 19.9.2013)

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