Mehrwertsteuer-Lücke in EU bei fast 200 Milliarden

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Betrug, Insolvenzen und statistische Fehler bescherten den EU-Staaten 2011 eine Lücke von 193 Milliarden Euro

Brüssel - Die Lücke bei den Einnahmen aus der Mehrwertsteuer lag in der EU im Jahr 2011 bei insgesamt 193 Milliarden Euro. An der Spitze der absoluten Zahlen lag Italien mit 36,1 Milliarden Euro nicht bezahlter Mehrwertsteuer, Schlusslicht war Malta mit 21 Millionen Euro. Österreich lag in der Rangfolge von 26 EU-Staaten (ausgenommen Zypern und Kroatien) mit knapp 3,5 Milliarden Euro laut Kommissionsangaben vom Donnerstag an 13. Stelle.

Staaten zum Handeln aufgefordert

EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta nahm die Zahlen zum Anlass, neuerlich auf den Kampf gegen Mehrwertsteuer-Betrug und Steuerflucht zu drängen. "Die Summe von Mehrwertsteuer, die durch die Lappen geht, ist inakzeptabel. Vor allem wenn wir bedenken, dass damit die öffentlichen Finanzen gestärkt werden können." Jedenfalls "kennen wir das Problem, wir haben Lösungen erarbeitet, und nun liegt es an den EU-Staaten selbst, endlich zu handeln".

Die Kommission verweist allerdings darauf, dass die Lücke bei der Mehrwertsteuer nicht nur auf Betrug zurückzuführen sei. Die Gründe seien auch auf Insolvenzen, statistische Fehler, verzögerte Zahlungen und andere Dinge zurückzuführen.

Kommission für einfachere Systeme

Die EU-Kommission hat sich für einfachere Mehrwertsteuer-Systeme ausgesprochen. Semetas Sprecherin Emer Traynor erklärte am Donnerstag bei der Präsentation der Studie über die Lücke aus Mehrwertsteuer-Einnahmen, einfachere Systeme in den Staaten wären auch für die Unternehmen leichter. Es wäre gut, die Steuerbasis zu verbreitern.

Die Höhe der Mehrwertsteuer sei aber nationale Angelegenheit. "Wir haben nur den Fehlbetrag zwischen der Steuer, die eingehoben werden sollte, und dem Betrag, der tatsächlich abgeführt wurde, untersucht." Die nationalen Mehrwertsteuer-Systeme seien nicht unter die Lupe genommen worden.

Eine Vereinfachung bei der Mehrwertsteuer-Erhebung wäre auch die elektronische Erfassung, das "E-Invoicing". Jedenfalls werde Semeta nächstes Jahr einen neuen Vorschlag vorlegen. (APA, 19.9.2013)

Wissen: Mehrwertsteuer-Lücken in der EU

Mehrwertsteuer-Lücke in absoluten Zahlen

Italien 36,1 Mrd. Euro
Frankreich 32,23
Deutschland 26,91
Großbritannien 19,49
Spanien 15,2
Rumänien 10,39
Griechenland 9,76
Polen 5,41
Belgien 4,97
Tschechien 4,24
Niederlande 4,01
Ungarn 3,7
ÖSTERREICH 3,47
Finnland 2,83
Slowakei 2,77
Portugal 2,76
Dänemark 2,57
Litauen 1,35
Irland 1,11
Lettland 0,95
Schweden 0,93
Bulgarien 0,6
Luxemburg 0,55
Slowenien 0,33
Estland 0,3
Malta 0,02

Mehrwertsteuer-Lücke gemessen am BIP

Rumänien 7,9 Prozent
Griechenland, Lettland je 4,7
Litauen 4,4
Slowakei 4,0
Ungarn 3,7
Tschechien 2,7
Italien 2,3
Estland 1,9
Frankreich, Portugal, Bulgarien je 1,6
Finnland, Polen je 1,5
Spanien, Belgien, Luxemburg je 1,3
ÖSTERREICH 1,2
Dänemark, Großbritannien je 1,1
Deutschland 1,0
Slowenien 0,9
Niederlande, Irland je 0,7
Malta 0,3
Schweden 0,2

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Wertlose Heuchelei!

Naheliegende Lösungen werden seit Jahren ausdrücklich vermieden. Offenbar finanzieren die größten Betrüger nicht nur viele Parteien, sondern auch sehr gute Lobbyisten in Brüssel!

Liebe Standardleserinnen und -leser, wenn Sie zur Zeit in Österreich leben und 10 Minuten Zeit haben wäre es sehr nett, wenn Sie dem angegebenen Link folgen und einen Fragebogen zum Thema finanzielle Entscheidungen ausfüllen würden.

http://ww3.unipark.de/uc/Wirtsc... ogie/83cc/

Vielen Dank.

Meine erste Frage ist, warum nehmt ihr einen deutschen Hostingprovider?

Ist das eine Kooperation?`

Ist Österreich zu teuer?

Oder andere Gründe?

Ich habe selbst schon solche Fragebögentools zig mal erstellt.
Inzwischen gibt es die schon OpenSource und Gratis en masse!

Die IP Identifizierung und auch die weitere Überwachung

der Antwortenden ist im Ausland, in Deutschland, viel effektiver und zusätzlich kann man in Österreich sagen "das waren nicht wir, sondern die Deutschen" wenn da was auffliegen sollte.

na dann würde ja eine Steuer auf Finanztransaktionen die Lücke locker schließen

die stellen ja auch Waren dar

dann wäre die ganze Diskussion überflüssig

Das würde schon wieder voll und ganz zu Lasten der

normalen Staatssklaven gehen und die wirklich Wichtigen gehen einfach woanders hin oder die Gescheiten machen ihre verschlüsselten Transaktionen per Tastatur außerhalb der EU.

Steuerbetrug dadurch zu legitimieren, dass das Geld eh aus anderen Quellen kommen könnte, halte ich für nicht richtig.

." Jedenfalls "kennen wir das Problem, wir haben Lösungen erarbeitet, und nun liegt es an den EU-Staaten selbst, endlich zu handeln".

Unendliche Floskeln, das Problem ist seit vielen Jahren bekannt, und keiner tut was.
Abschaffung der MWSt in der Unternehmerkette, und ein Großteil des Betruges könnte vermieden werden - außerdem fiele eine Unmenge Aufwand für die Unternehmen weg - siehe das gesamte ZM-System!
Aber das würde ja auch die Bürokratie entlasten, und womöglich will man das gar nicht!

Bullshit!

Zum Teil ist das künstlich hinaufgerechnet, ähnlich wie bei der Musikindustrie, die anhand illegaler Downloads ihre Verluste beziffern (als ob sie die gleichen Mengen jemals auch nur annähernd für 10 EUR pro Scheibe verkauft hätten)

Beispiel: mein slowakischer Fliesenleger natürlich brutto für netto, aber auf der Heimfahrt trifft er sich mit seiner Frau in Parndorf und nur Stunden später kommt der Staat sowieso zu seinem Obulus. Und für das Material im Baumarkt wird ebenfals MwSt bezahlt.

Eher wohl Vermögenssteuer-Lücke - oder ?

Wahlkampfslogan

Hab noch nie von einer Partei gehört, die sich (im Wahlkampf) den Kampf gegen Steuerbetrug auf die Fahnen geheftet hätte, aber wenn's gegen den "Sozialmissbrauch" und die "soziale Hängematte" geht, reißt schnell wer die Pappn auf und der Stammtisch prostet zu.
Ist schon ein paar Jahre her, da haben's in Deutschland mal ausgerechnet, dass dem Staat durch "gewerbsmäßige" Steuerhinterziehung 20x so viel Geld fehlt/abgeknöpft wird wie durch zu Unrecht bezogene Sozialleistungen.

SInd sie nicht süß, unsere Pleitestaaten?

Jetzt suchen sie panisch nach den letzten paar Netsch, um die unentrinnbare Pleite noch ein klein wenig hinaus zu zögern.

Tja, wer kanns den Menschen verübeln? Wenn ihre Steuereinnahmen zur Rettung von Banken, Finanzierung von Korruption und Amtsmissbrauch oder staatlicher Misswirtschaft am Kapitalmarkt verwendet werden muss man sich nicht wundern, wenn diese zu Steuerflüchtlingen werden. Diese Art der öffentlichen Finanzierung ist inakzeptabel und ein Steuerboykott die logische Konsequenz. Die eigentliche Frage müsste lauten: Geschieht das gewollt wegen Unwilligkeit oder gezwungen wegen Unfähigkeit zur Steuerleistung?

Wer die Mehrwertsteuer von seinen Kunden einnimmt und die Zahllast nicht an den Fiskus abführt, sondern sie für sich behält, ist ein Betrüger.
Ein anderes Kapitel sind natürlich ausgestellte Rechnungen, die schon vor der Bezahlung durch den Kunden die Steuerpflicht auslösen. Gemildert wird das allerdings durch die paradiesisch lange Frist bis zur Abführung der Umsatzsteuerzahllast in Österreich (am 15. des zweitfolgenden Monats, also durchschnittlich ~acht Wochen - in Deutschland am 10. des Folgemonats, also durchschnittlich ~vier Wochen).

Der Verkäufer ist da aber eh nicht das Problem.
Das Problem ist, dass die Rechnung beim Kunden eine Gutschrift beim Finanzamt auslöst, ohne dass der die Rechnung bezahlt, und der dann untertaucht.

".. wenn diese zu Steuerflüchtlingen werden .."

DAS kann jedoch nur ein kleiner Teil der Steuerzahler. Dem überwiegenden Teil (weitgehend auch mir* ;-) ist diese Steuerkreativität verwehrt. DIE müssen sogar den (von Ihnen akzeptierten ?) Ausfall kompensieren.

O.K. ?
Richtig ?

* Ich bekomm' so zwqischen 500.- und 1.000.- Euro zurück. OBWOHL ich total grantig bin, WIE meine Steuern "verwendet" werden. (Inserate, Subventionen, ..).

Strassenbau, Infrastruktur, Bildung.... klar wird vieles unklug verwendet aber dieses
dämliche, undifferenzierte nachgeplappert " Mein Steuergeld wird für Inserate verschwendet" kann ich schon garnichtmehr hören. Demokratie muss uns auch was wert sein. Nicht jeder hat ein Steuerschonendes Konto in der Schweiz wie der Daddy Gagaga (Stohnach...)

nein, nicht

ok, wer sich rasieren laeszt ist selber schuld

Die Summe von Mehrwertsteuer, die durch die Lappen geht, ist inakzeptabel.

Absolute Peanuts gegen die Steuer-Umgehungs-Konstrukte der Konzerne.

Stimmt genau... Da müssen Europas Regierungen ansetzen. Die scheinheiligen Konservativen werden aus Klientelschutz Gründen natürlich niemals zustimmen. Daher : Abwahl dieser konservativen Bremser !

Genau - da könnte ja "Mrs. Mizzi Finance" ...

ja etwas tun - schon damit wir nicht noch weiter "absandeln"! :-)

Den Teufel durch Beelzebub austreiben?

Das sind keine "Peanuts", sondern Steuerbetrug in volkswirtschftlicher Dimension.

Im Prinzip, In absoluten Beträgen, hams' aber recht, ...

... d'rum grün von mir.

Daß Beides eine Sauerei ist ...

... hams' auch schon angedacht ?!

Ein Vergehen / Verbrechen damit zu begründen / entschuldigen, daß andere noch schlimmer agieren würde schnell in die Anarchie führen.

Natürlich

Aber ist ja bezeichnend, das man bei der Mehrwertsteuer wo eher "die Kleineren" schummeln aufs Gas steigt und dort wo die dicken Fische schwimmen hält man die Goschen.

Klientelpolitik, sonst nix....

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