Flugausfall wegen Streiks: Iberia muss Umbuchung zahlen

19. September 2013, 13:17

Passagiere hatten selbstständig umgebucht, Fluglinie wollte Mehrkosten nicht übernehmen

Wien/Madrid - Mitten in einem Streit mit der EU-Kommission über umstrittene Änderungen von Passagierrechten gab es in Wien nach einem Musterprozess beim Handelsgericht ein bemerkenswertes Urteil gegen die spanische Iberia: Die Airline kann sich bei einem Streik nicht automatisch auf außergewöhnliche Umstände berufen. Sie kann sich daher auch nicht ihrer Pflicht entledigen, betroffenen Passagieren einen Ausgleich für einen gestrichenen Flug zu zahlen. Die Iberia hatte den Kurs Madrid-Wien annulliert. Zwei betroffene Passagiere buchten selber um und stritten wegen ihrer Auslagen vor dem Kadi.

Konsumentenschutzminister Rudolf Hundstorfer begrüßte die Gerichtsentscheidung. Es handelte sich nach Angaben der Konsumentenschützer bereits um ein Urteil beim Berufungsgericht, das noch nicht rechtskräftig ist. Die beklagte Fluggesellschaft kann sich noch an den Obersten Gerichtshof wenden. Eine ordentliche Revision ist nicht zulässig, wohl aber eine außerordentliche.

Das ändere nichts an der Zahlungspflicht, sagte ein Sprecher des Handelsgerichts Wien. Das Urteil sei vollstreckbar. In Summe hat die beklagte Fluggesellschaft jetzt die Passagieransprüche samt Zinsen (1.421 Euro), die Kosten des Verfahrens erster Instanz (2.251 Euro) und des Berufungsverfahrens (1.170 Euro) zu zahlen.

Fluglinie verweigerte Zahlung der Mehrkosten

Hintergrund war der Fall zweier Passagiere, die wegen eines streikbedingten Flugausfalls ihrer Maschine von Madrid nach Wien umbuchen mussten. Weil den Passagieren keine adäquate Umbuchung angeboten wurde, buchten sie selbständig einen Rückflug nach Wien. Die Fluglinie verweigerte die Zahlung der Mehrkosten für den Ersatzflug und lehnte die Zahlung der Ausgleichsleistung in Höhe von 400 Euro pro Person ab. Der Verein für Konsumenteninformation nahm sich im Auftrag des Konsumentenschutzministeriums der Sache an und bekam jetzt in der Berufung recht. (APA, 19.9.2013)

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12 Postings
Iberia ist leider zur Katastrophen Airline geworden

Früher bin ich gerne mit IB nach Südamerika geflogen, da sie ein großes Netz dorthin hat, aber jetzt muss ich um nach Santo Domingo zu gelangen in Amerika umsteigen, da sie SDQ aufgegeben haben. Wie letzte weihnachten als ich die Wahl hatte zwischen Umsteigen in NewYork und Miami mit American oder Ubernachtung in Atlanta mit Delta

Letztes Jahr mit Iberia nach Brasilien geflogen, Abflugszeit in Wien hat sich schon um 5,5 Stunden verzögert (wegen technischem Gebrechen). Fluglinie wollte erst nicht zahlen. Erst nach Kontaktaufnahme mit dem bmvit haben sie dann doch gezahlt.

Die Streikenden sollten natürlich zahlen müssen, nicht die Fluglinie.

streik ist eine errungenschaft der demokratie, kein konsumierbares produkt!

lol

Das ist doch der Sinn des Streikens... wenn einem Unternehmen ein Streik nichts kosten würde gäbe es auch keine... hätte die Fluglinie ihre Arbeitnehmer zufrieden gestellt wäre das nie passiert. Für die allgemein schlechte Wirtschaftslage ist die Fluglinie jedoch nicht verantworlich :)

endlich mal. Die Fluglinien sind wirklich Meister beim Abschieben von Verantwortung.

ob die dann auch zahlen, wenn sie verurteilt sind. Eine Exekution in Spanien wird wohl ohne Erfolg sein. Vielleicht haben sie eine Niederlassung in Wien, dann kann man ja die Büroeinrichtung exekutieren. Aber das wird auch nicht zulässig sein.

Es gibt sie noch die Gerechtigkeit!

Naja, nur weil 2 Manager auf Ihrer Dienstreise mit der angeboten Option nicht zufrieden waren und selber nen neuen Flug gebucht haben...

gut zu wissen, dass sowas durchgeht. Werde ich zukünftig auch machen, wenn ich bei einem Streik mal betroffen sein sollte.

Privat wohl eher nicht, da hätte ich zuviel Angst auf dem Geld sitzen zu bleiben. Bei 400 Euro wär mir das Risiko zu groß.

Was ist daran "gerecht" wenn die Fluglinie für den Egoismus der Gewerkschaftsbonzen zahlen muss?!

Ich denke es gibt da Gesetze wie so ein Streik abzulaufen hat. Wurden diese eingehalten halte ich die Entscheidung für gerecht. Ansonsten kann die Fluglinie ja regressieren. Die Gewerkschaft hat nur unzufriedenen Arbeitnehmern eine legale Möglichkeit des Protestes vorgeschlagen.

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