GmbH light verführt zu steuerfreier Auszahlung

19. September 2013, 13:17

Setzt ein bestehendes Unternehmen sein Kapital herab, behelligt das Finanzamt die Gesellschafter nicht

Wien - Unternehmen können durch eine Kapitalherabsetzung Geld steuerfrei an die Gesellschafter auszahlen. Diese Möglichkeit ergibt sich durch die seit Juli mögliche "GmbH light", die statt 35.000 nur 10.000 Euro Mindeststammkapital vorsieht. Setzt eine GmbH ihr Kapital herab, gilt das nämlich als "steuerneutrale Vermögensumschichtung", und nicht als Gewinnausschüttung, schreiben die Wirtschaftsprüfer von Moore Stephens in einer Aussendung. Wobei das Ergebnis das selbe bliebe: Geld für die Gesellschafter.

25 Prozent weniger für den Staat

Und weniger Substanz im Unternehmen. Das haben in der jüngeren Vergangenheit bereits die Kreditschützer kritisiert. Eine "Mogelpackung" nennt die GmbH light etwa der Kreditschutzverband 1870. Denn anstatt, wie bezweckt, junge Gründer anzulocken, nutzten aus Sicht der Kreditschützer vor allem alteingesessene Unternehmer die Vergünstigungen.

Anschaulich beschreibt Moore Stephens, warum sich die Bastelei auszahlen könnte. Bei einer Gewinnausschüttung von 25.000 Euro würden 6.250 Euro an Kapitalertragssteuer anfallen. Die erspare man sich durch eine Kapitalherabsetzung in gleicher Höhe. Die gelte nämlich als Reduktion der Anschaffungskosten und stelle dadurch eine steuerneutrale Vermögensumschichtung dar.

Sicherstellungenfür Gläubiger

Ganz so einfach ist der Steuertrick aber nicht. Denn dafür muss man - aus Gläubigerschutzgründen - ein Verfahren beschreiten, das Zeit und Geld kostet. Es gilt eine Generalversammlung einzuberufen und das (beglaubigte) Vorhaben beim Firmenbuchgericht anzumelden. Dann müssen die Gläubiger informiert und - wenn verlangt - deren Bedenken mit Sicherstellungen ausgeräumt werden. Als "nicht ganz einfach" bezeichnet das Thomas Eidher von Moore Stephens.

Leichter ginge es, wenn die Herabsetzung nicht ausgezahlt, sondern zur Verringerung eines Bilanzverlustes verwendet werde. Da erspare man sich den Sanktus der Gläubiger. (sos, derStandard.at, 19.9.2013)

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Wieder ein durchdachtes Konzept unserer Politiker

Es gäbe ganz andere Punkte, welche Jungunternehmer fördern würden, z.B. ein Verwaltungsabbau etc., aber davon will die Politik, trotz jahrelangen gegenteiligen Aussagen, ja nichts wissen, schließlich sind die Beamten die Hausmacht in den Ministerien und für manche Parteien (z.B. SPÖ in Wien etc.).
Auch die tlw. schlechte Infrastruktur in Wien, die Bevormundung der Menschen, Parkpickerl etc. hindern Jungunternehmer daran, wirklich wirtschaftlich vom Fleck zu kommen.

Wien ist sowieso nix mehr

Da werdens nur mehr "Energetiker", "Lebensberater", "Diätassistenten" etc. finden.
Wer ein richtiges Gewerbe betreiben will, der geht ins Umland, dort freuen sich die Gemeinden über Zuwachs und Steuereinnnahmen.
Bei einer Gründung in Wien kommt sofort eine ganze Karawane von Beamten verschienenster MAs die ihnen genau erklären das sie das nicht machen dürfen, aber keinesfalls sagen, was denn genehmigbar wäre.

Rechenbeispiel:

Angenommen, Sie haben eine GesmbH. Diese macht 30.000 Euro Gewinn vor Steuern.

Im alten System folgende Besteuerung:

25% Körperschaftssteuer: 7.500 Euro (KöSt)
verbleiben 22.500 Euro zur Ausschüttung

davon entfallen dann 25% Kapitalerstragssteuer beim Gesellschafter: 5.625 Euro

damit verbleiben von den 30.000 Euro Gewinn vor Steuern nur noch 16.875 Euro nach Steuern.

Steuerbelastung ist 7.500 + 5.625 = 13.125, entspricht 43,75%

Mit GmbH neu:

Nach KöSt verbleiben wieder 22.500 Euro.

Aber: Diesmal werden nicht die 22.500 Euro ausgeschüttet, sondern die Stammeinlage um 22.500 reduziert.

Die Auszahlung der 22.500 Euro bleibt dadurch steuerfrei.

Steuerbelastung: 7.500 Euro, entspricht 25% (statt 43,75%).

Scherzkeks.
Im einen Fall besitze ich nachher die Stammeinlage _und_ den Gewinn, bin also reicher geworden.
Im anderen Fall bekomme ich nur meine Stammeinlage zurück.

Sie besitzen in beiden Fällen die Stammeinlage und den Gewinn.

Im ersten Fall gehört Ihnen der Gewinn direkt, die Stammeinlage indirekt über die GmbH.

Im zweiten Fall gehört Ihnen die Stammeinlage in Höhe von 22.500 Euro direkt, der Gewinn indirekt über die GmbH.

Natürlich ist der Gewinn irgendwann später zu verstehen _falls_ die GmbH irgendwann einmal aufgelöst wird. Aber dazu besteht erstens kein Grund, und zweitens haben sie dann immer noch den Zinsvorteil.

Sie besitzen die Stammeinlage, die kann was wert oder auch nix wert sein

Den Gewinn besitzt die GmbH. Sie als Gesellschafter können die Ausschüttung an Sie beschließen - nur Geld muss die GmbH schon haben. Kostet 25% KEST. Mit Schattenwirkung liegt eine gesamte Steuerbelastung von 43,75% vor.

Naja, das Geld hat man ja auch vorher reingesteckt. Das ist irgendwie ziemlich logisch, dass man das Geld, das ja keine Gewinnkomponente enthält, auch ohne Steuer wieder rausbekommt. Und eine ordentliche Kapitalherabsetzung kostet bald soviel an Beraterkosten, was man sich an KESt für die "Ausschüttung" (die eigentlich eine Eigenkapitalrückgewähr ist) erspart.

Somit: Aufregung völlig überflüssig, da gibts viel ärgere Sachen, über die man sich aufregen könnte (zB die fehlende Erbschaftssteuer).

Warum sollen auch Steuern auf etwas

fällig sein, dass vorher in gleicher Höhe eingezahlt wurde?
Wenn 15.000,- von einem Sparbuch behoben werden, ist auch keine Steuer fällig.

Abhebung vom Sparbuch bedeutet "Vermögensumschichtung"

Sie werden nicht ärmer und auch nicht reicher.
Sie haben jetzt keine Forderung an die Bank dafür aber € 15.000,00 bar.

Ein Großteil der Stammeinlagen wird gleich bevor ein Umsatz reinkommt mit Personalkosten und anderen Fixkosten verbraucht.
Kapitalherabsetzung nur möglich, wenn die Gesellschaft liquid ist!

???
Die Bank 'verbraucht' meine Sparbucheinlage aber auch, sie behält sie nicht im Tresor.

Die Bank "arbeitet" mit Ihrer Sparbucheinlage und macht damit Gewinn

Beispiel: Sie haben ein Sparbuch mit € 15.000,00 mit einer Verzinsung, die zu vernachlässigen ist. Die Bank gewährt mir mit genau Ihrem Sparbuch einen Kredit über € 15.000,00. Ich zahle Zinsen p.a. € 600,00, Bearbeitungsgebühr € 150,00 und sonstige Spesen € 50,00. Der Umsatz der Bank beträgt € 800,00.
Der Gewinn der Bank aus diesem Geschäftsfall ist € 350,00 (Umsatz € 800,00 abzüglich variable und fixe Kosten € 450,00)

???
Üblicherweise sollte ein Betrieb mit meiner Einlage auch arbeiten und Gewinn machen.

sollte man meinen!

Wenn eine GmbH Gewinn macht und liquid ist, bekommen Sie Geld nur als Gewinnausschüttung (25%KEST) oder als Geschäftsführerbezug (Einkommensteuer) raus.

Was irrelevant ist.
Es geht hier um das _eingezahlte_ Kapital, welches sie bei Rückzahlung besteuern wollen.
Den Deppen, der das tut, müssens aber erst suchen.

Wer will das versteuern? Ist ja nicht vorgesehen

Richtigstellung: Wer will das BEsteuern?

Hat der Standard noch immer keine Wirtschaftsjournalisten?

Denn der Artikel ist ja wohl ein Witz.

Rückzahlung von Eigenkapital ist immer Steuerfrei!

Bsp Gründe eine Firma mit 30 000 €.

Verkaufe die Firma um 60 000 €

ist das Grund/Eigen/Stamm Kapital steuerfrei und die restlichen 30 000. müssen versteuert werden. (glaube siebteln kann man es dann)

Siebteln müssen Sie einen Veräußerungsverlust oder eine Teilwertabschreibung, allerdings nur im Rahmen der KöSt. Gewinne müssen Sie sofort versteuern.

Sorry, bei Wechsel der Gewinnermittilungsart

Er oder sie spricht vom Verkauf der GmbH-Anteile

Wenn die Firma eine GmbH ist, wird nicht die GmbH verkauft, es ändert sich die Gesellschafterstruktur.

Nein es sind die 30.000 voll zu versteuern. Siebteln muss man Verluste bei Umgründungen.

Eigenartig formalistische Standpunkt

Wenn die Gesellschafter das Geld brauchen und dieses auch liquid vorhanden ist können sie sich genausogut ein Darlehen auszahlen oder eine Honorarnote für Geschäftsführung schreiben

Darlehen sehr gefährlich (Fremdvergleich)

die Zinsen unterliegen der Einkommensteuer. Wird das Darlehen "nie" zurückgezahlt, kann Geschäftsführerbezug angenommen werden und ist wie die erwähnte Honorarnote der Einkommensteuer zu unterziehen.

Geschäftsführerbezug? Wohl eher eine verdeckte Gewinnausschüttung samt 33% KESt.

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