Wir wollen mitreden

Von Jugendlichen, denen die Politik nicht ganz egal ist

Wien - Dass die Jugend sich kaum mehr für Politik interessiert, hört man fast überall. Warum sind viele Jugendliche der Meinung, dass es nichts bringt, wählen zu gehen oder in irgendeiner Art und Weise politisch aktiv zu sein?

"Das liegt daran, dass die Politiker den Jugendlichen das Gefühl geben, kleine Kinder zu sein, die nicht wirklich etwas verändern können", meint der Schüler Rafael Schlager (15).

Auch der 29-jährige Patrick Glaser vom Liberalen Forum findet, dass viele junge Leute das Gefühl haben, "nicht ernst genommen" zu werden. Er sagt auch, dass meistens das Vertrauen zu den Politikern fehlt.

Weiterbilden in der Partei

Trotz alldem gibt es einige Jugendliche, die Politik ernst nehmen, sich davon nicht abschrecken lassen und aktiv bei einer Jugendorganisation einer Partei dabei sind.

Alexandra Stalzer (17) ist über eine Freundin in die Sozialistische Jugend gekommen. Sie findet es interessant, dass man dort aktuelle politische Themen diskutiert und analysiert. Ein Vorteil sei auch, dass man sich in der Partei weiterbilden könne, auch wenn man nicht so viel über Politik weiß. Den Grund für die Verdrossenheit der Jugendlichen, nicht am politischen Geschehen teilzunehmen, sieht die Schülerin darin, dass in der Politik, "vieles so kompliziert ausgedrückt wird".

Seit Sebastian Kurz Staatssekretär für Integration ist, merkt Stephan Mlczoch, Pressesprecher der Jungen ÖVP, dass sich ihnen mehr Jugendliche anschließen. "Die meisten wollen etwas verändern und sich einbringen", erzählt er. Trotzdem denkt er nicht, "dass wir Jungen prinzipiell weniger politikinteressiert sind als die Älteren". Im Moment sei es allgemein schwierig, "Leute für die Politik zu begeistern". Ein Schlüssel, um das zu ändern, sei laut Mlczoch die direkte Demokratie: "Je mehr man die Leute mitbestimmen lässt, desto höher ist auch das Engagement und das Interesse für die Politik."

"Alte Knacker" bestimmen

Doch ohnehin dürfen nicht alle hier lebenden Leute an der Demokratie teilnehmen: Da sie nicht die österreichische Staatsbürgerschaft hat, darf die Schülerin Dina Shukova (16) nicht wählen - sie engagiert sich dennoch. Dina will mehr Menschen in ihrem Bekanntenkreis dazu bewegen, die österreichische Politik kritisch zu hinterfragen, sich nicht allzu sehr beeinflussen zu lassen und sich stattdessen selbst eine eigene Meinung zu bilden.

Sie findet es wichtig, dass junge Leute wählen gehen, da ja sonst "die Gesamtstimme des Volkes nur aus einzelnen Stimmen, die von alten Knackern kommen", bestehen würde. (Nadine Dimmel*, DER STANDARD, 18.9.2013)

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