Obduktion des Vierfachmörders abgeschlossen: Streifschuss am Bauch

19. September 2013, 11:31
  • Im Hof des Täters wurden Waffen und Jagdtrophäen gefunden.
    foto: apa/paul plutsch

    Im Hof des Täters wurden Waffen und Jagdtrophäen gefunden.

55-Jähriger erlitt nicht lebensgefährlichen Bauchschuss - Untersuchung der sichergestellten Waffen wird Wochen in Anspruch nehmen - Staatsspitze wird bei Trauerfeier aufmarschieren

Großpriel/Wien - Der Vierfachmörder von Annaberg dürfte auf seiner Flucht einen Streifschuss durch die Polizei erlitten haben. Laut Michaela Schnell, Leiterin der Staatsanwaltschaft St. Pölten, ergab die Obduktion, dass der Täter im Bauchbereich nicht lebensgefährlich verletzt worden war. In seinem Haus bei Großpriel (Bezirk Melk) nahm er sich schlussendlich mit einem Kopfschuss das Leben. Die Obduktion der Leiche des Schützen sei abgeschlossen, aber noch nicht schriftlich ausgefolgt, so Schnell.

Groß angelegter Spurenvergleich

Die niederösterreichischen Kriminalisten arbeiten nunmehr das umfangreiche und teils recht makabre Inventar aus dem Wohnhaus des Vierfachmörders auf. Die in dem Geheimraum sichergestellten Waffen würden nun genau begutachtet, sagte der niederösterreichische Polizeisprecher Johann Baumschlager: "Die individuellen Seriennummern werden mit jenen abgeglichen, die in den vergangenen Jahren bei mehreren Einbrüchen und Brandlegungen in Jagdschlössern und -häusern entwendet wurden."

Mögliche Komplizen bei anderen Delikten

Außerdem werden im Landeskriminalamt Spuren verglichen und Schussbilder analysiert. Das riesige Arsenal aus dem Besitz des 55-Jährigen umfasste laut dem vor allem Lang- und Kurzwaffen für die Jagd. Die Analyse werde noch Wochen in Anspruch nehmen, sagte die Staatsanwältin. 

Untersucht wird noch, mit welchen Waffen der Wilderer die Schüsse abgegeben hat. Ob der Mann auch Polizeiwaffen entwendet hatte, ist bisher unklar. Die Obduktionen der Opfer, die noch nicht abgeschlossen sind, sollen dazu Klarheit bringen. An den verstreuten Tatorten des Blutbades sind nach Angaben des Sprechers Hülsen sowohl von Gewehren als auch von Pistolen sichergestellt worden.

Sichergestellt wurden weiters Jagdtrophäen, darunter auch exotische. Details dazu wollte Schnell nicht sagen, etwa ob ein bei einem Einbruch in Gutenstein entwendeter ausgestopfter Puma darunter ist. Auch über andere Ermittlungsfortschritte könne er nicht sprechen, betonte Baumschlager. "Aus kriminaltaktischen Gründen. Wir wissen nicht, ob er Komplizen (bei den im Raum stehenden Einbruchsdiebstählen, Anm.) gehabt haben könnte."

Obduktion der Opfer noch nicht abgeschlossen

Im Raum steht laut der Staatsanwältin die Frage, ob der 55-Jährige für die der sogenannten Halali-Bande zugeschriebenen Einbrüche verantwortlich sein könnte. Seit etwa 2002 sind unbekannte Täter in Jagdhäuser in Niederösterreich eingestiegen, ehe schlussendlich Feuer gelegt wurde. Es könnte sein, dass die Vorfälle nicht von einer Bande verübt worden sind. Diese Straftaten seien durchaus auch von einem Einzeltäter durchführbar, so Schnell. Dass der Mann Komplizen gehabt hätte, dazu gebe es bisher keine Hinweise. "Es ist noch unheimlich viel aufzuarbeiten", sagte Schnell. "Da steckt viel Arbeit dahinter."

Trauerfeier im Steffl

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner lud indessen für 1. Oktober zu einem Trauergottesdienst in den Stephansdom ein, um den bei Annaberg getöteten drei Polizisten und des Sanitäters zu gedenken. Die Messe wird abends (19.00 Uhr) von Kardinal Christoph Schönborn zelebriert. Die Einladung richtet sich an die Angehörigen, die Blaulichtorganisationen sowie die gesamte Staatsspitze.

Am Freitag findet in Annaberg eine Trauermesse statt. Das Gedenken ist ausschließlich für die Angehörigen gedacht, Medien sind ausdrücklich nicht erwünscht

Der 55-Jährige hat in der Nacht auf Dienstag bei Annaberg im Bezirk Lilienfeld drei Polizisten und einen Rotkreuz-Sanitäter erschossen, nach stundenlanger Polizeibelagerung seines Wohnhauses bei Melk dort in einem Geheimbunker Feuer gelegt und sich erschossen. (APA/red, derStandard.at, 19.9.2013)

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8 Postings
und warum die trauerfeier im stephansdom?

wäre es nicht naheliegender den offiziellen trauerakt im st. pöltner dom durchzuführen. immerhin waren es niederösterreichische polizisten/ rettungsfahrer die hier ums leben gekommen sind...

Der St. Pöltner Dom wurde durch einen gewissen Herrn Krenn entweiht, ...

... weil er ihn im Fasching als Rollschinken verkleidet besucht und in diesem Aufzug sogar eine Messe zelebriert haben soll!

Ekelhaft,

wie Mikl-Leitner die Opfer der Schießerei ohne Wimpernzucker sofort wahlkampftaktisch ausschlachtet indem sie strategisch perfekt eine Trauerfeier genau nach der Wahl ansetzt. Den Alois H Punkt hat ihr ja wirklich der liebe Gott geschickt.

ich bin jetzt sicher kein Mikl-Leitner Fan, aber was würde dir denn besser passen?
Keine Trauerfeier?
Trauerfeier vor der Wahl?

Ja natürlich keine Trauerfeier im Stephansdom. Der Verlust mag für die Angehörigen schmerzlich sein, aber schlussendlich ist das nun mal das Berufsrisiko eines Polizisten. Bei Dachdeckern gibts auch keinen Staatsauflauf, wenn einer gelegentlich abstürzt.

Und die Waffengegner erst ... der fall bringt so richtig Wasser auf die Mühlen. Wie bestellt.

Das sind erstmals zwei neue Nachrichten
Erstens kein Amokläufer zweitens Streifschuss
damit ist das SMS authentisch damit ist der Selbstmord
erklärt und es ist ausgeschlossen das die Polizei etwas
damit zu tun hat.

Das ist je genauso wie in den USA

Wo kommen dort viele Waffen her, die von Verbrechern benutzt werden? Aus den Häusern von Waffennarren. Wenn bekannt ist, dass du Waffen besitzt, ist die Chance gleich einmal größer, dass bei dir eingebrochen wird. Wobei ich nicht glaube, dass diese Vorgehenswiese in Österreich jetzt "normal" ist. Aber für den Herren passt sie genau.
Sehr bezeichnen sind ja die Wortmeldungen diverser Jagdkollegen und Bekannten, die behaupten, dass er so eine Art Recht aufs Auszucken hatte, weil die Polizei aktiv nach ihm gesucht hat. Ich kann ja nur hoffen, dass alle Jäger, die solche Meldungen lesen, sich fürchterlich für diese Menschen schämen.

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