Neue Steuerregelungen erzürnen bildende Künstler

19. September 2013, 12:32

Teure Arbeitsmaterialien künftig nur mehr bei Verkauf des Kunstwerks absetzbar

Wien - Für heftige Kritik sorgt eine Änderung im Einkommenssteuergesetz bei bildenden Künstlern in Österreich. Demnach können Arbeitsmaterialien, die mehr als 5.000 Euro kosten, nur noch dann von der Steuer abgesetzt werden, wenn das Kunstwerk auch verkauft wurde. Für Künstler mit hohen Anschaffungskosten - etwa für große Skulpturen oder bei der Arbeit mit teuren Materialien - ist die Regelung besonders gravierend, wie ORF III in der Sendung "Kultur Heute" am Mittwochabend berichtete. Mehrere Künstler, darunter Erwin Wurm, Eva Schlegel und Brigitte Kowanz, haben nun eine schriftliche Beschwerde bei Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) eingebracht. Die SPÖ forderte am Donnerstag eine Evaluierung der Situation.

Wurm erklärte in der ORF-Sendung, er habe jährliche Produktionskosten für Skulpturen von 600.000 bis 700.000 Euro. Diese würden nur zum Teil im gleichen Jahr, größtenteils erst Jahre später verkauft. Für ihn bedeute die "klamm und heimlich" umgesetzte Regelung, "entweder als Künstler aufzuhören, was nicht infrage kommt", oder ins Ausland zu gehen. "In diesem Land wird man als Künstler, Kreativer oder Freiberufler wie der letzte Dreck behandelt", so Wurm. Schlegel ergänzte, dass mit der neuen Regelung ein Experimentieren für Künstler so gut wie unmöglich gemacht werde.

Laut Ministerium "heiße Luft"

Das Finanzministerium hat sich am Donnerstag gegen Vorwürfe einer künstlerfeindlichen Gesetzesänderung gewehrt. "Künstler können das weiterzuverarbeitende Material immer als Betriebsausgabe absetzen", hieß es in Reaktion auf de ORF-Bericht. "Das gilt für alle Materialien", stellte ein Sprecher des Ministeriums klar, dass die Änderung keine Auswirkungen auf die künstlerische Tätigkeit habe. Zwischen Erwin Wurm und Ministerin Fekter habe es auch bereits ein klärendes Gespräch gegeben: "Die ganze Aufregung ist heiße Luft."

Das Finanzministerium hatte die Gesetzesänderung laut dem ORF-Bericht zuvor mit einem Verweis auf "gezieltes Ausnützen" der "Steuerlücke" in der Vergangenheit verteidigt. Die SPÖ-Staatssekretäre Josef Ostermayer und Andreas Schieder vermeldeten allerdings in einer Aussendung, es sei nicht im Interesse Österreichs, bildenden Künstlern das Schaffen von Kunstwerken zu erschweren oder gar zu verunmöglichen. "Gegebenenfalls werden wir uns für eine Neugestaltung dieser Regelung einsetzen." (APA, 19.9.2013)

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15 Postings
Einkommenssteuerrechner der SPÖ

ich bin auf den "SPÖ Mehr Im Börserl Rechner" gestoßen. Man kann hier berechnen, wie viel Steuer vom Einkommen abgeführt würde, wenn die von der SPÖ geforderte Steuerreform käme! Das nimmt vl einige zweifel, bzw veranschaulicht, dass va niedrige gehälter entlastet werden sollen!

https://wahl2013.spoe.at/steuerentlastung/

Wow - Womit eine Frage geklärt wäre die mich seit meiner Kindheit beschäftigt : Man kann das Grund Material von der Steuer absetzen

Was das Leben eines etabliertem Künstlers ja recht unkompliziert macht . Raunzen auf hohem Niveau anstatt Dankbarkeit für dieses privilegierte Leben . Ein typisches KünstlerInnenschicksal . Deswegen bin ich weiter für Raubkopien und illegale Downloads . KünstlerInnen sollen sich weiter in ihren Neurosen suhlen und Menschen ohne Geld sollen auch ruhig am kulturellem Leben teilnehmen können

einzeller

ich will auch künstler sein und nur mehr das kreieren, was mir gefällt, ohne mir gedanken darüber machen zu müssen, wie mein essen finanziert wird

Wenn Sie gut genug sind und es richtig anstellen, sollte das möglich sein. Oder drücken Sie eh nur Ihren Neid aus, ohne wirklich etwas von der Materie zu verstehen?

aahh, sorry ..

zu ungenau: wer aber keinen kommerziellen erfolg hat und keine steuern bezahlt kann nichts davon absetzen, auch kein grundmaterial

es gibt viele menschen, die "gut genug" sind, es aber "nicht richtig anstellen" .. so manche menschen, die "es richtig anstellen" sind aber leider nicht "gut genug" .. die einen sind mehr als sie scheinen, die anderen scheinen mehr als sie sind .. kommerzieller erfolg ist schön, aber wer keine steuern bezahlt kann auch nichts davon absetzen ..

"Die ganze Aufregung ist heiße Luft." naja, wieso gibts dann so ne regelung?

Wie ist denn die Regelung genau? Bedeutet die Regelung ein gravierende Veränderung der Rechtslage? Rechtfertigt die Regelung die Aufregung?

Die Regelung gilt nicht speziell für Künstler sondern für alle. Sie soll offenbar verhindern, dass jemand Wertgegenstände für den privaten Gebrauch kauft und von der Steuer absetzt mit der Ausrede, er würde sie irgendwann im Rahmen seiner betrieblichen Tätigkeit wiederverkaufen.

Lesen dazu in der Wiener Zeitung:
http://www.wienerzeitung.at/nachricht... -Glas.html

Wurm, Schlegel, Kowanz: wenn sich nur Vertreter aus dieser (Einkommens-)Liga über die neue Regelung beschweren find ich das beinahe schon wieder gut. Sehr schade, dass der Erwin weiterhin neben seiner Kunst auch noch Massen an heißer Luft produziert (das Faymann Interview war schon jenseitig).

wer sonst sollte (einzelne?) Arbeitsmaterialien haben, die mehr als 5.000,- € kosten?

schon etwas von Edelmetallen

wie Gold Silber etc. gehört?

Letzter Dreck

"In diesem Land wird man als Künstler, Kreativer oder Freiberufler wie der letzte Dreck behandelt"

Stimmt total.

Steht auch schon bei Thomas Bernhard.

Etwas wehleidig finde ich

Wie siehts zB mit Flüchtlingen und Bettlern aus ?

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