Amazon droht Streik zu Weihnachten

  • Streik in Bad Hersfeld
    foto: apa/woitas

    Streik in Bad Hersfeld

Erneut haben 600 Mitarbeiter des deutschen Versandzentrums die Arbeit niedergelegt, sie fordern mehr Geld

Bad Hersfeld - Im Kampf um einen Tarifvertrag beim Internetkonzern Amazon sind am Donnerstag in Bad Hersfeld und Leipzig rund 600 Beschäftigte in den Streik getreten. Es war der Auftakt eines insgesamt dreitägigen Streiks, der auch als Vorwarnung für das anziehende Weihnachtsgeschäft gedacht ist. Allerdings zeigte sich die deutsche Gewerkschaft Verdi in Bad Hersfeld unzufrieden mit der Mobilisierung der Mitarbeiter.

Weniger ist mehr

Verdi fordert von Amazon eine Bezahlung, die dem Branchen-Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels entspricht. Das Amazon-Management lehnt Verhandlungen darüber ebenso wie eine Tarifbindung bisher ab. Das US-Unternehmen orientiert sich an der niedrigeren Bezahlung in der Logistikbranche.

Mit insgesamt 3.300 Mitarbeitern ist das hessische Bad Hersfeld der größte deutsche Amazon-Standort. Laut der dortigen Verdi-Streikleiterin Mechthild Middeke beteiligten sich an den beiden Standorten in Bad Hersfeld je 200 Beschäftigte der Frühschicht an den Arbeitsniederlegungen. Auch in Leipzig streikten gut 200 Menschen. Die zu erwartende Resonanz der Spätschicht am Streik müsse abgewartet werden, hieß es an beiden Standorten.

Middeke sagte, mit der Beteiligung sei sie zwar zufrieden. "Wir müssen aber kritisch feststellen, dass wir gegenüber den bisherigen Streiks die Anzahl der Streikenden nicht gesteigert haben. Wir registrieren, dass die Mehrheit der Beschäftigten weiter arbeiten geht."

Prekäre Beschäftigung stellt ruhig

Als Grund für die stockende Zahl der Streikenden sieht Middeke nicht das jüngste Entgegenkommen von Amazon, das etwa im Juli nach langer Weigerung erstmals eine Zahlung von Weihnachtsgeld in Aussicht gestellt hatte. Vielmehr liege die Zurückhaltung daran, dass bei Amazon viele ehemalige Arbeitslose oder aus noch prekäreren Beschäftigungsverhältnissen kommende Männer und Frauen arbeiten, die noch schwerer zu Streiks zu motivieren seien. "Wir arbeiten daran, den Druck zu verstärken", sagte Middeke. Sie mache aber ein Fragezeichen daran, ob der Druck schon groß genug sei, um Amazon zum Einlenken zu bewegen.

Hingegen sieht der Leipziger Verdi-Verantwortliche Jörg Lauenroth-Mago Bewegung. Die Weihnachtsgeld-Ankündigung von Amazon zeige, "da passiert etwas". Wenn das Unternehmen zu keinen Verhandlungen bereit sei, werde Verdi weitere Streiks für die kommenden Wochen und Monate planen. "Das Weihnachtsgeschäft beginnt ja gerade", sagte Lauenroth-Mago. Weitere Streiks würden Amazon dann im zunehmenden Weihnachtsgeschäft treffen.

Lauenroth-Mago sprach von einer "sehr stabilen Beteiligung" der Leipziger Amazon-Beschäftigten an den Streiks. Dies sei besonders deshalb bemerkenswert, weil die Unternehmensführung versucht habe, auf die Beschäftigten einzureden und sie so zum arbeiten zu bringen. Er sei deshalb guter Dinge für den nun begonnenen dreitägigen Streik. (APA, 19.9.2013)

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