Herausfordernd: Große Hoffnung ins Projekt setzen

19. September 2013, 10:49
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Der Projektmanager bringt verschiedene Rollen unter einen Hut: Manager, Innovator, Kommunikator oder einfach nur Hoffnungsträger

Eine Arbeitswelt ohne Projekt fällt mittlerweile schon in den Bereich des Unvorstellbaren. Unvorstellbar deshalb auch, dass in der vielzitierten arbeitsteiligen, globalisierten Welt die Projekte irgendwann weniger werden. Gut vorstellbar also, dass die Fähigkeit, Projekte zu leiten, weiterhin wichtiger werden wird, als sie ohnehin jetzt schon ist. Projektmanagement ist bereits seit längerem Teil unterschiedlicher Ausbildungen - in der IT etwa geht's ohne es gar nicht mehr.

In einem Projekt steckt aber auch immer ein Quäntchen Hoffnung - der Weg raus aus einer vertrackten Sackgasse, das Generieren neuer Ideen und womöglich sogar Märkte. Ein kleiner Mythos umgibt das Projekt immer. Groß ist deshalb auch die Enttäuschung, wenn ein Projekt nicht so gelingt oder gar andere Wege nimmt wie ursprünglich geplant.

Daniel Hendling, zurzeit selbst Projektmanager bei einem österreichischen Akustikunternehmen, meint dazu, dass man Auftraggeber nach wie vor darüber aufklären müsse, dass ein Projekt zu nahezu hundert Prozent in Fragen der Kosten, der Zeit und der Ressourcen nicht so abgeschlossen wird wie am ersten Projekttag angenommen. Das zeige sich bei großen Projekten, etwa bei Skylink in Schwechat oder dem Flughafen Berlin, drastisch, lasse aber auch bei vergleichsweise kleineren Projekten nicht weniger an Dramatik und Thrill vermissen. Es sei bekannt, könne aber nicht oft genug wiederholt werden: "Das Projekt gestaltet sich jeden Tag neu - mal mehr, mal weniger." Mit allen Konsequenzen für den Projektleiter. Als immer wiederkehrende Herausforderungen für Projektmanager nennt Hendling:

  • Mögliche Konflikte mit dem Linienmanagement. Nicht selten werden Projektmitarbeiter - plötzlich - aus Ressourcenmangel in andere Bereiche abgezogen.

Oder etwa die Entscheidung der Projektmitarbeiter, an wen sie berichten - an die Linie oder den Projektleiter. Bei mangelhafter Kommunikation, sagt Hendling, werde es dann schwierig.

  • Aber auch in Fragen der Teamkultur stecke viel Aufwand, so der Projektmanager: Norming, Forming, Storming muss bei einer begrenzten Projektdauer rascher vonstattengehen. Was aber ist, wenn man als Teamleiter seine Teammitglieder nicht selbst wählen durfte? Oder: Reicht die Zeit, um die entsprechende Rolle im Team zu finden?
  • Konfliktmanagement sei nicht zuletzt aus diesem Grund eine der wichtigsten Kompetenzen des Projektleiters - bei konzentrierter Arbeitsform und -dauer entstehen diese nämlich häufiger, sagt Hendling. "Man macht zum Beispiel die Dinge zum ersten Mal, man arbeitet mit neuen Kollegen, man steht dabei auch im Blickfeld der Geschäftsführung etc ... So baut sich Druck auf, mit dem der Projektmanager oder die Projektmanagerin umgehen muss", so Hendling weiter.

Wenn man es da nicht versteht, sich so oft wie möglich im Team selbst und mit den jeweiligen Umfeldern abzustimmen, wenn man diese zyklischen Veränderungen und Anforderungen an ein Projekt nicht permanent kommuniziert - an die Linie und die Stakeholder - und organisiert oder managt, wird das Projekt tendenziell scheitern, so Hendling sinngemäß. Flexibilität, Veränderungsbereitschaft, Zielorientierung und ein gerüttelt Maß an kommunikativen Fähigkeiten seien das Um und Auf. (Heidi Aichinger, Management STANDARD, 14./15.9.2013)

  • Zurzeit bei einem Akustiker: Daniel Hendling.
    foto: thomas steibl

    Zurzeit bei einem Akustiker: Daniel Hendling.

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