Anlageklasse Volatilität: Die attraktive Angst

  • Was Zinsen und Währungen betrifft, hat sich die Angst der Investoren erhöht, an den Aktienmärkten herrscht Ruhe.
    foto: reuters/russia

    Was Zinsen und Währungen betrifft, hat sich die Angst der Investoren erhöht, an den Aktienmärkten herrscht Ruhe.

An den Aktienmärkten regiert aktuell die Ruhe. Für Fondsmanager macht das die Anlageklasse Volatilität interessant

An den Aktienmärkten geht es aktuell sehr ruhig zu. Die Volatilitätsindizes, auch Angstindizes genannt, zeigen, dass Händler und Investoren nur mit geringen Schwankungen an den wichtigsten Börsen rechnen. Der US-Index Vix und der deutsche VDax notieren aktuell recht niedrig (siehe Grafik). "Auch die realisierte Volatilität in den USA und Europa zeigt, dass der Aktienmarkt aktuell recht ruhig ist", sagt Gilbert Keskin, Leiter des Teams für Volatilität bei dem französischen Vermögensverwalter Amundi. Das Haus ist einer der größten Anbieter von Volatilitätsstrategien und verwaltet aktuell 4,2 Milliarden Euro.

Die aktuelle Ruhe komme aber nicht von ungefähr, so Keskin. "QE1, QE2 und QE3 haben die Volatilität auf sehr niedrige Niveaus gedrückt." Wenn die US-Notenbank im Laufe der kommenden Monate aber ihre unkonventionellen Maßnahmen drosselt, könnte die Volatilität wieder auf normale, historische Werte steigen, ist Keskin überzeugt. Denn bei Zinsen und Währungen hat sich die Angst der Investoren bereits erhöht, lediglich die Aktienmärkte haben sich der Unruhe entzogen.

Schwierige Anlageklasse

Doch die Volatilität ist keine einfache Anlageklasse (siehe Wenn Krisengewinnler draufzahlen). Der Grund ist die Struktur des Marktes. Weil Anleger nicht direkt in die Volatilität investieren können, müssen sie auf Derivate wie Futures oder Optionen zurückgreifen. Doch gerade die beliebten Futures bringen hohe Rollverluste mit sich. Das bedeutet: selbst wenn die Volatilität gleich bleibt, verliert der Anleger Geld. Diese Rollverluste wirken enorm. So ist die Volatilität seit Jahresbeginn 2009 um 60 Prozent gefallen, gleichzeitig haben passive Fonds, die oft in neue Futures-Kontrakte rollen müssen, aber 99 Prozent an Wert verloren.

Bei Amundi hingegen fahren die Fondsmanager eine Absolute Return Strategie. Sie versuchen die Märkte nicht passiv abzubilden, weil die Kosten schlicht zu hoch sind. Stattdessen setzen sie auf fallende Volatilität, wenn die Angst am Markt gerade hoch ist, und auf steigende, wenn gerade Ruhe eingesetzt hat. Das kann funktionieren, wenn die Märkte zurück zu ihrer historischen Normalität kommen. Wenn aber die Notenbanken etwa die Aktienmärkte länger stützen, kann auch diese Strategie Verluste erleiden.

Unsicherheit, aber kaum Schwankungen

In der aktuellen Ruhephase jedenfalls hält Keskin Volatilität für "billig". Er hofft daher auf eine besonders attraktive Einstiegschance. Weil die Angstindizes schon lange nicht mehr so niedrig standen, sind weitere Verluste unwahrscheinlicher. Gleichzeitig gebe es genug mögliche Krisenherde, vom Syrienkonflikt bis hin zum Zinsanstieg in den USA und dem langsameren Wachstum in den Schwellenländern. Wenn Keskin daher von einem "asymmetischen Risikoprofil" spricht, meint er, dass Volatilität als Anlageklasse derzeit vor allem eines bietet: Schutz, wenn wieder etwas in der Weltwirtschaft schief gehen sollte. (Lukas Sustala, derstandard.at, 19.9.2013)

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