Dating-Plattform warb mit Foto von Suizidopfer auf Facebook

  • Eine der Anzeigen, die mit dem Bild der Verstorbenen für eine Datingplattform warben.
    foto: andrew ennals via twitter

    Eine der Anzeigen, die mit dem Bild der Verstorbenen für eine Datingplattform warben.

Mutmaßliches Vergewaltigungsopfer hatte im April Suizid begangen - Social Network stoppt Kampagne

Werbung für eine Dating-Seite auf Facebook, dem weltweit größten Social Network, hat jüngst für Aufregung gesorgt. Die Plattform "ionechat.com" hat in ihren Einschaltungen das Foto einer jungen Kanadierin verwendet, die sich im April das Leben genommen hat, wie die New York Times berichtet.

Suizidmordopfer zierte Werbepostings

Es handelt sich bei der Abgebildeten um die 17-jährige Rehtaeh Parsons. Die junge Frau wurde 2011 mutmaßlich Opfer einer Gruppenvergewaltigung. Fotos, die nach der Tat entstanden sein sollen, kursierten danach online und führten dazu, dass Parsons von anderen Jugendlichen gemobbt wurde. Der Fall erhielt große öffentliche Aufmerksamkeit in Kanada, die Erstuntersuchung der Geschehnisse soll laut Kritikern von der Polizei nur unzureichend durchgeführt worden sein. Die Behörden haben nun erneut Ermittlungen eingeleitet.

Facebook löscht Betreiberkonto

"Dies ist ein extrem bedauernswertes Beispiel eines Werbers, der sich ein Bild aus dem Internet holt und in seiner Werbekampagne verwendet", gab Facebook in einer Stellungnahme zu Protokoll. "Es handelt sich um eine schwere Verletzung unserer Werbe-Richtlinien." Laut dem Netzwerk wurden die Werbeeinblendungen von ionechat.com entfernt und der Account des Betreibers gelöscht und permanent vom Werbeprogramm ausgeschlossen.

Der Besitzer von ionechat.com hat sich gegenüber der Toronto Sun zu dem Vorfall geäußert. Er gibt an, das Foto über die Google-Bildersuche bezogen und nicht über das Schicksal von Parsons Bescheid gewusst zu haben. Die Datingseite ist mittlerweile geschlossen worden. Screenshots der Einschaltungen wurden vom Twitter-User Andrew Ennals verbreitet und sorgten auch dort für Empörung.

Einschaltungen werden nur automatisch geprüft

Während die US-Handelskommission aktuell herausfinden möchte, ob Facebooks neue Privacy-Richtlinien gegen ein Abkommen von 2011 verstoßen, wirft die Angelegenheit nun Licht auf potenzielle Schwächen von Facebooks Werbesystem.

Neue Einschaltungen werden automatisch auf etwaige Verstöße kontrolliert. Die Systeme sind beispielsweise in der Lage, Nacktheit oder die Abbildung von Waffen zu erkennen, versagen aber bei Fällen wie diesen, wie Facebook selbst eingesteht. Die automatisierte Kontrolle sei notwendig, da aufgrund der Menge an Einschaltungen eine manuelle Prüfung nicht praktikabel sei. Das Unternehmen von Mark Zuckerberg verlässt sich nach eigenen Angaben auf seine User, um auf nicht erkannte Verstöße aufmerksam gemacht zu werden.

Facebook-Nutzer können Werbeeinschaltungen üblicherweise einfach schließen. In einer Auswahlliste können sie anschließend angeben, wieso sie die Werbung ausblenden und nötigenfalls auch als Verstoß melden. (red, derStandard.at, 19.09.2013)

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