EULEX-Mitarbeiter im Nordkosovo erschossen

Wagen der EU-Rechtsstaatsmission geriet in Dorf unter Beschuss - Zwei Mitarbeiter verletzt

Mitrovica  - Ein litauischer Angehöriger der EU-Rechtsstaatsmission im Kosovo, EULEX, ist am Donnerstag in der Früh bei einem Angriff im Norden des Landes erschossen worden. Der Überfall erfolgte gegen 7.30 Uhr unweit der Ortschaft Zvecan, als sechs EULEX-Angehörige im Laufe des regelmäßigen Personalaustausches in zwei Wagen von ihrem Dienst am nord-kosovarischen Grenzübergang Jarinja zurückkehrten. Eine Task Force sperrte sogleich den Tatort ab, die von der kosovarischen Polizei und der EULEX geführten Ermittlungen waren am frühen Nachmittag weiterhin im Gange. Über den oder die Angreifer war vorerst nichts bekannt. Serbischen Medien zufolge wurden in der Nähe des Tatorts Patronenhülsen sichergestellt.

Zwei Schusswunden

Der erschossene Zöllner hieß Audrius Senavicius und war 35 Jahre alt, berichtete die EULEX. Er war im Krankenhaus von Nord-Mitrovica nach Angaben des Krankenhausleiters Milan Ivanovic mit zwei Schusswunden - in der linken Brust und im Unterschenkel - im bewusstlosen Zustand eingeliefert worden. Ersten Annahmen zufolge sei er seinen schweren Blutungen erlegen, wurde Ivanovic von serbischen Medien zitiert. Auch konnte man den Verletzten trotz fast einstündiger Wiederbelebungsversuche nicht retten. Laut kosovarischen Medien hatte das EULEX-Personal erst vor wenigen Tagen die für die Anreise zu den Grenzübergängen im Nord-Kosovo verwendeten gepanzerten Wagen durch normale Autos ersetzt.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zeigte sich "zutiefst traurig" über den Tod des Litauers. "Ich verurteile auf das Schärfste den Angriff, der zu dem Tod des Mitglieds der Mission geführt hat. Die Schuldigen müssen vor Gericht gebracht werden", betonte sie am Donnerstag in Brüssel. "Die Europäische Union ist entschlossen, ihr Engagement und ihre Verpflichtungen im Kosovo fortzusetzen. Sie wird diese Arbeit im Kontext des von der EU geführten Dialogs (zwischen Serbien und Kosovo) weiter vorantreiben."

Missionschef "tief geschockt"

Der EU-Missionschef, der deutsche Diplomat Bernd Borchardt, zeigte sich über den Heckenschützen-Angriff und die "feige Gewalt" "tief geschockt". Der getötete EULEX-Angehörige hinterlasse Frau und Familie. "Der Angriff auf die EULEX-Mission ist ein Angriff auf die Europäische Union und all das, was die Europäische Union anstrebt - den Frieden, die Sicherheit und die Rechtsordnung", sagte der EU-Sonderbeauftragte in Prishtina, Samuel Zbogar. Die Kosovo-Berichterstatterin des Europaparlaments und Vizepräsidentin der Grünen im Europaparlament, Ulrike Lunacek, zeigte sich bestürzt. "Ich fordere die Bevölkerung im Kosovo auf, Ruhe zu bewahren und Polizei als auch Justiz in ihren Ermittlungen zu unterstützen", so Lunacek.

Aufs Schärfste wurde der Überfall auch von der kosovarischen Staats- und Regierungsspitze wie auch vom offiziellen Belgrad verurteilt. Die Angriffe auf internationale Vertreter im Kosovo seien Versuche, ein Klima der Unsicherheit und Angst vor den Lokalwahlen am 3. November zu schaffen, meinte die kosovarische Präsidentin Atifete Jahjaga in einer Aussendung. Für den kosovarischen Premierminister Hashim Thaci handelte es sich um einen "hässlichen und schändlichen" Akt.

Serbien verurteilt Angriff

Der Überfall, "extremistischer Wahnsinn", habe "großen Schaden den Interessen Serbiens, allem voran des serbischen Volkes im Kosovo" zugefügt, bewertete Serbiens Premier Ivica Dacic den Anschlag. "Dies waren nicht Schüsse auf die EULEX, sondern auf die Zukunft des serbischen Volkes im Kosovo, auf die Zukunft Serbiens und seiner Bürger". Belgrad habe der EULEX-Mission seine Hilfe bei der Fahndung nach den Tätern angeboten.

Belgrad und Prishtina hatten im April die Bildung einer Gemeinschaft der serbischen Gemeinden im Kosovo, eine Art Autonomie für die dortigen Serben, vereinbart. Einen wichtigen Schritt dazu stellen die für 3. November ausgeschriebenen Lokalwahlen dar. Führende serbische Politiker im Nord-Kosovo widersetzen sich der Wahlteilnahme. Durch die Gemeinschaft der serbischen Gemeinden sollen nämlich die derzeitigen serbischen Parallelinstitutionen in diesem Landesteil ersetzt werden. (red/APA, 19.9.2013)

Links

B92: EULEX member killed in northern Kosovo

Eulex: EULEX staff member dies after Incident near Zveçan/Zvečan

Hintergrund

Die im Kosovo, dem jüngsten Staat Europas, seit Februar 2008 wirkende EU-Rechtsstaatsmission EULEX hat derzeit 2.250 internationale und lokale Mitarbeiter. Sie besteht aus Polizisten, Richtern, Gefängnisaufsehern und Zollbeamten und soll dem Land beim Aufbau der Polizei, der Justiz und der Verwaltung helfen. Das österreichische EULEX-Kontingent umfasst derzeit laut Innenministerium 17 Polizisten.

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