Wo ein Wille, da (k)ein Weg

Analyse |
  • War leider nur 45 Minuten der quirligste Mann am Platz: Daniel Royer (li.).
    foto: reuters/bader

    War leider nur 45 Minuten der quirligste Mann am Platz: Daniel Royer (li.).

Die Austria spielte gegen Porto brav Chancen heraus, am Ende gewann aber die raffiniertere Mannschaft

Heinz Lindner: Sah sofort einen Strich von Fernando auf sich zukommen, den er von seinem Gehäuse wegbugsierte. Einziger Makel des Ruhepols in Halbzeit eins: hatte einmal Probleme in der Rückwärtsbewegung, die Frucht nach einem Rückpass stramm bis über die gegnerischen Sturmlinien zu befördern. Erst nach Wiederanpfiff wieder aktiv, als er eine Flanke aus der Luft unter sich begrub. Austrias Einser hätte an diesem Abend vielleicht auch ohne Hände spielen können, so wenig Ernsthaftes hatte er zu tun. Beim Tor von Lucho Gonzalez machtlos, da gegen die Laufrichtung ausmanövriert.

Markus Suttner: Der Mann auf der linken Abwehrseite zeigte sich begierig, sich ins Offensivspiel einzuschalten. Mit James Holland und auch mit Philipp Hosiner fand er Verbindung, sein defensives Hoheitsgebiet vernachlässigte er zu Beginn aber nicht. Pflügte den Flügel bis in die Nähe der Porto-Eckfahne, seine Flanken legten aber kein Feuer im portugiesischen Strafraum. Leitete das verhängnisvolle 0:1 durch einen Stellungsfehler und ein spekulatives Tackling gegen Vorbereiter Danilo ein. Fiel in der zweiten Hälfte deutlich zurück.

Manuel Ortlechner: Rutschte in 90 Minuten nur an einem Stanglpass vorbei. Ein solider Stopper, weder Schnitzer noch Impulse. Nur in Sprintduellen mit dem wuchtigen Porto-Sturmtank Jackson Martinez musste er die Rettung in Person von Suttner oder Rogulj rufen. Schlug kurz vor der Pause per Kopf ein Luftloch, das aber keine Konsequenzen für den Kapitän hatte. Musste beim 0:1 in Richtung des durchbrechenden Danilo aushelfen, sein vakant gewordener Posten in der Mitte wurde von Jun/Royer nicht nachbesetzt, was wiederum Torschütze Lucho Gonzalez berauschte. Warf sich kurz vor Ende in den Schuss von Jackson Martinez, der das 0:2 markieren hätte können.

Kaja Rogulj: Die Unauffälligkeit in Person. Ging mit Jackson Martinez liebend gern auf Tuchfühlung. Darf sich nach dem Gegentor ebenfalls nicht den Schwarzen Peter zuspielen lassen. Ließ durch die Mitte praktisch nichts zu. Gutes Timing, gute Athletik.

Fabian Koch: Konzentrierte sich auf sein Handwerk. Hielt seine rechte Seite gegen die rotierenden Lica und Varela lange dicht und überraschte durch einen Ausritt und servierte Hosiner den Ball am 16er als echtes Leckerli. Natürlich wurde es nichts mit einem Assist für Koch, dafür mit einer Gelben und in der Folge zu Beginn der zweiten Hälfte fast mit einer Roten. Ihm ging wie all seinen Kollegen spätestens ab der 60. Minute ordentlich die Pumpe, was den Portugiesen mehr Freiheiten verschaffte.

James Holland: Biss sich defensiv ordentlich fest an Josue, Lucho und Co. Verschlief gegen Ende der ersten Halbzeit jedoch den Doppelpass zwischen Jackson und Varela, der eine Porto-Chance am Austria-Fünfer ermöglichte. Harmonierte nicht unbedingt mit Stankovic. Stand sehr tief und teilweise auf Höhe der Innenverteidigung. War mit Fortdauer der Partie zunehmend machtlos, als er nur mehr Ball und Portugiesen nachlief, weil die Austria mehr Risiko nahm und Räume aufgeben musste.

Florian Mader: Zwei entschlossene Fehlschüsse in der Anfangsphase, danach zweikampfstark, aber wirkungslos. Wollte Porto-Keeper Helton als Schlitzohr bei einer Standardsituation überlisten. Seinen kurzerhand aufs kurze Eck angetragenen Freistoß entschärfte Helton, wenn auch mit Mühe. Musste mit Fortdauer des Spiels Josue und Lucho das Kommando im Mittelfeld überlassen.

Marko Stankovic: Ein Irrlicht, dessen unvorhersehbares und kurzzeitiges Auftreten die systematische Erforschung erheblich erschwert. Inszenierte sich praktisch als zweiten Sechser neben Holland, was sein Gefahrenpotenzial erheblich nach unten nivellierte. Obwohl teilweise unsichtbar, tauchte er kurz nach dem Gegentor plötzlich auf und wuchtete eine Flanke per Kopf an die Stange. Bemüht, aber glücklos.

Daniel Royer: Der Steirer war der Mann der ersten 45 Minuten. Lieferte sich mit Alex Sandro ein sehenswertes Duell auf der rechten Seite. Seine gewonnenen Eins-gegen-eins-Situationen ließen den Brasilianer so richtig in die Luft gehen, was nach einem wiederholt verlorenen Zweikampf unausweichlich Gelb für Sandro zur Folge hatte. Ordnete sich in der zweiten Halbzeit einem generellen Trend unter, der an diesem Abend nach Wiederanpfiff Violett befiel: zurückrudern.

Tomas Jun: Leider der wohl schwächste Austrianer dieses Abends. War die ersten 20 Minuten unsichtbar, ließ dann aber immerhin eine Suttner-Flanke für Royer passieren, der scheiterte jedoch auf bedauernswerte Weise. Fehler beim Dribbling, Fehler beim Passen. Nix. Nach 68. Minuten eindeutig zu spät vom Feld genommen.

Philipp Hosiner: Hatte die Portugiesen in Halbzeit eins quasi im Alleingang im Reindl. Fast alle Chancen der Austria vergab die Solospitze. Presste Otamendi den Ball bei der Mittelline ab und verfehlte im Konter nur knapp (Außennetz). Stellte das bemerkenswerte Können zur Schau, genug Luft zu haben, um mit dem Schiedsrichter leidenschaftlich zu keppeln (Gelb in der 68. Minute) und gleichzeitig volles Rohr zu rennen. Keiner ging weitere Wege als er. Die Portugiesen hätten sich sicherlich einen längeren und weniger quirligen violetten Stürmer gewünscht, der nicht so viel Ärger gemacht hätte. Hosiner durfte trotz leeren Torkontos erhobenen Hauptes in der 84. Minute vom Feld.

Simkovic: Im Agieren leider nicht so tadellos wie im Reagieren (ab der 68. Minute im Geschehen). Lieferte keine großen Impulse.

Kienast und Okotie: Zwei frische Stürmer ab der 84. Minute. Siehe Simkovic. (Florian Vetter, derStandard.at, 19.9.2013) 

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