Wo ein Wille, da (k)ein Weg

Analyse | Florian Vetter
19. September 2013, 01:47
  • War leider nur 45 Minuten der quirligste Mann am Platz: Daniel Royer (li.).
    foto: reuters/bader

    War leider nur 45 Minuten der quirligste Mann am Platz: Daniel Royer (li.).

Die Austria spielte gegen Porto brav Chancen heraus, am Ende gewann aber die raffiniertere Mannschaft

Heinz Lindner: Sah sofort einen Strich von Fernando auf sich zukommen, den er von seinem Gehäuse wegbugsierte. Einziger Makel des Ruhepols in Halbzeit eins: hatte einmal Probleme in der Rückwärtsbewegung, die Frucht nach einem Rückpass stramm bis über die gegnerischen Sturmlinien zu befördern. Erst nach Wiederanpfiff wieder aktiv, als er eine Flanke aus der Luft unter sich begrub. Austrias Einser hätte an diesem Abend vielleicht auch ohne Hände spielen können, so wenig Ernsthaftes hatte er zu tun. Beim Tor von Lucho Gonzalez machtlos, da gegen die Laufrichtung ausmanövriert.

Markus Suttner: Der Mann auf der linken Abwehrseite zeigte sich begierig, sich ins Offensivspiel einzuschalten. Mit James Holland und auch mit Philipp Hosiner fand er Verbindung, sein defensives Hoheitsgebiet vernachlässigte er zu Beginn aber nicht. Pflügte den Flügel bis in die Nähe der Porto-Eckfahne, seine Flanken legten aber kein Feuer im portugiesischen Strafraum. Leitete das verhängnisvolle 0:1 durch einen Stellungsfehler und ein spekulatives Tackling gegen Vorbereiter Danilo ein. Fiel in der zweiten Hälfte deutlich zurück.

Manuel Ortlechner: Rutschte in 90 Minuten nur an einem Stanglpass vorbei. Ein solider Stopper, weder Schnitzer noch Impulse. Nur in Sprintduellen mit dem wuchtigen Porto-Sturmtank Jackson Martinez musste er die Rettung in Person von Suttner oder Rogulj rufen. Schlug kurz vor der Pause per Kopf ein Luftloch, das aber keine Konsequenzen für den Kapitän hatte. Musste beim 0:1 in Richtung des durchbrechenden Danilo aushelfen, sein vakant gewordener Posten in der Mitte wurde von Jun/Royer nicht nachbesetzt, was wiederum Torschütze Lucho Gonzalez berauschte. Warf sich kurz vor Ende in den Schuss von Jackson Martinez, der das 0:2 markieren hätte können.

Kaja Rogulj: Die Unauffälligkeit in Person. Ging mit Jackson Martinez liebend gern auf Tuchfühlung. Darf sich nach dem Gegentor ebenfalls nicht den Schwarzen Peter zuspielen lassen. Ließ durch die Mitte praktisch nichts zu. Gutes Timing, gute Athletik.

Fabian Koch: Konzentrierte sich auf sein Handwerk. Hielt seine rechte Seite gegen die rotierenden Lica und Varela lange dicht und überraschte durch einen Ausritt und servierte Hosiner den Ball am 16er als echtes Leckerli. Natürlich wurde es nichts mit einem Assist für Koch, dafür mit einer Gelben und in der Folge zu Beginn der zweiten Hälfte fast mit einer Roten. Ihm ging wie all seinen Kollegen spätestens ab der 60. Minute ordentlich die Pumpe, was den Portugiesen mehr Freiheiten verschaffte.

James Holland: Biss sich defensiv ordentlich fest an Josue, Lucho und Co. Verschlief gegen Ende der ersten Halbzeit jedoch den Doppelpass zwischen Jackson und Varela, der eine Porto-Chance am Austria-Fünfer ermöglichte. Harmonierte nicht unbedingt mit Stankovic. Stand sehr tief und teilweise auf Höhe der Innenverteidigung. War mit Fortdauer der Partie zunehmend machtlos, als er nur mehr Ball und Portugiesen nachlief, weil die Austria mehr Risiko nahm und Räume aufgeben musste.

Florian Mader: Zwei entschlossene Fehlschüsse in der Anfangsphase, danach zweikampfstark, aber wirkungslos. Wollte Porto-Keeper Helton als Schlitzohr bei einer Standardsituation überlisten. Seinen kurzerhand aufs kurze Eck angetragenen Freistoß entschärfte Helton, wenn auch mit Mühe. Musste mit Fortdauer des Spiels Josue und Lucho das Kommando im Mittelfeld überlassen.

Marko Stankovic: Ein Irrlicht, dessen unvorhersehbares und kurzzeitiges Auftreten die systematische Erforschung erheblich erschwert. Inszenierte sich praktisch als zweiten Sechser neben Holland, was sein Gefahrenpotenzial erheblich nach unten nivellierte. Obwohl teilweise unsichtbar, tauchte er kurz nach dem Gegentor plötzlich auf und wuchtete eine Flanke per Kopf an die Stange. Bemüht, aber glücklos.

Daniel Royer: Der Steirer war der Mann der ersten 45 Minuten. Lieferte sich mit Alex Sandro ein sehenswertes Duell auf der rechten Seite. Seine gewonnenen Eins-gegen-eins-Situationen ließen den Brasilianer so richtig in die Luft gehen, was nach einem wiederholt verlorenen Zweikampf unausweichlich Gelb für Sandro zur Folge hatte. Ordnete sich in der zweiten Halbzeit einem generellen Trend unter, der an diesem Abend nach Wiederanpfiff Violett befiel: zurückrudern.

Tomas Jun: Leider der wohl schwächste Austrianer dieses Abends. War die ersten 20 Minuten unsichtbar, ließ dann aber immerhin eine Suttner-Flanke für Royer passieren, der scheiterte jedoch auf bedauernswerte Weise. Fehler beim Dribbling, Fehler beim Passen. Nix. Nach 68. Minuten eindeutig zu spät vom Feld genommen.

Philipp Hosiner: Hatte die Portugiesen in Halbzeit eins quasi im Alleingang im Reindl. Fast alle Chancen der Austria vergab die Solospitze. Presste Otamendi den Ball bei der Mittelline ab und verfehlte im Konter nur knapp (Außennetz). Stellte das bemerkenswerte Können zur Schau, genug Luft zu haben, um mit dem Schiedsrichter leidenschaftlich zu keppeln (Gelb in der 68. Minute) und gleichzeitig volles Rohr zu rennen. Keiner ging weitere Wege als er. Die Portugiesen hätten sich sicherlich einen längeren und weniger quirligen violetten Stürmer gewünscht, der nicht so viel Ärger gemacht hätte. Hosiner durfte trotz leeren Torkontos erhobenen Hauptes in der 84. Minute vom Feld.

Simkovic: Im Agieren leider nicht so tadellos wie im Reagieren (ab der 68. Minute im Geschehen). Lieferte keine großen Impulse.

Kienast und Okotie: Zwei frische Stürmer ab der 84. Minute. Siehe Simkovic. (Florian Vetter, derStandard.at, 19.9.2013) 

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Gratulation.gut gespielt.unterm strich.0 Punkte.der Rest ist Makulatur

der Unterschied ist...,
dass Porto nur mit 25% ihres Leistungspotenzial clever und gut genug ist zu gewinnen

dass die Austria bei 100% nicht clever und versiert genug ist zu gewinnen

Die Austria Wien ist mit der Champions League da wo sie hingehört

Jetzt heißts Erfahrung sammeln und kämpfen.
Gut daß wir 3 mal in einer gefüllten Hütte spielen. Das mit den 3er Abos war eine gute idee.

Als der Schuß vom Hosi ins Netz ging dachte ich ich zuck aus, hab den schon drinn gesehen. Beim nächsten mal 20cm weiter links und nachm Spiel gibts Champagner.. ;)

Na, hoffentlich weiß der Ho-Ho-Hosiner was 20 cm sind .............

wieviel punkte bekommt eigentlich der tormann von porto, der musste ja überhaupt nix halten? der hat 90min nasengebohrt

weiß nicht. er musste 4 bälle halten. ich glaub beim fantasyfoonball bekommt man ab 5 einen zusatzpunkt. lindner hielt leider nur 2 von 3 schüssen.

Gratulation.gut gespielt.unterm strich.0 Punkte.der Rest ist Makulatur

"Ein Irrlicht, dessen unvorhersehbares und kurzzeitiges Auftreten die systematische Erforschung erheblich erschwert."
Seit Stunden frage ich mich, was das bedeuten soll?

des haßt so viel wie: war der am Platz? ;)

Einzelkritik?
Gehts euch noch gut?
Sorry, das finde ich echt etwas lächerlich, noch dazu da es in dem Format (derStandard) wie eine "Nachricht" präsentiert wird die zB. von nem Trainer kommen könnte durch ein Interview. Aber so ist es ja nicht, es ist von nem Journalisten / Reporter?

Damit soll wieder nur die Nörgelei unterstützt werden, und das unterstütze ich nicht.

Austria war toll. So toll hat seit Sturm Graz keine österreichische Mannschaft mehr gespielt in der Champions League. Die haben ein Tolles Team, ich wünsche Ihnen viel Glück.
Auch Chelsea verlor daheim gegen den FC Basel. Bekommt dort auch jeder nun eine Einzelkritik von der Presse?

die erregung versteh ich nicht. die süddeutsche mach auch nach jedem bayern spiel eine einzelkritik. halt meistens humoristisch.

mir gefällts irgendwie nicht.

Kritik darf man ja auch nicht sofort negativ sehen.
In der Theatersprache gibts auch die positive Kritik.

Hat jemand das Spiel gesehen

die Portugieser spielten ca. 60%. Mehr ist nicht zu sagen.

bis 30 meter vors tor dann warens bedient wie Rapid heute ;-)

eher 20% mehr war nicht nötig

naja

aber davon gefühlte 80% in die breite. ist doch klar dass die austria mit dem auf schnelle vorstösse angelegten spiel weniger ballbesitz hat.
was mir taugt: porto als kollektiv echt stark (spiel ohne ball, ballberrschung von allen etc); atletico und zenit seh ich ähnlich: da lernt man, selbst schnell und möglichst fehlerfrei zu spielen; hoffe, die mannschaft nimmt da viel mit für die nahe zukunft (salzburg, nächste jahr euroleague

champions league....österreichische mannschaft....

die mehrheit der österreicher denkt nicht positiv....
tolles spiel gestern....
die austria könnte aufsteigen....

also im Stadion gabs 90 Minuten lang positive Vibrations. Das war geile Athmosphäre und wir haben gewusst daß wir gegen einen FC Porto eine Chance haben.

hahaha genau

War trotzdem eine gute Leistung der Austria. Beim Abschluss hats gehapert, die Chancen waren da.

Schad eigentlich, ich fand Porto gestern über weite Strecken nicht wirklich stark überlegen.

Jetzt bin ich mal auf meine Rapid gespannt.

Tolles Spiel, leider war das Stadion nicht voll dann wäre die Stimmung noch besser gewesen.
Aber bei 35€ für Kurven-Einzeltickets, werdens in den kommenden Spielen auch nicht viel mehr!!

da verdient der verein allein durch die teilnahme genug

aber dass die austria für die stadionmiete ordentlich hinblättern muss, daran denkt niemand. Leute es is CL, geile Gegner, super Stimmung, ein (hoffentlich nicht) einmaliges Erlebnis und vielleicht Emotions, wenn ma Glück haben.

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