Starke Premiere, fruchtloses Bemühen

Sigi Lützow
17. September 2013, 23:33
  • Portos Lucho Gonzalez bejubelt sein Tor im Wiener Happel-Stadion, Austria-Goalie Heinz Lindner hat das Zusehen. Vorher hatte er das Nachsehen.          
    foto: reuters/ebenbichler

    Portos Lucho Gonzalez bejubelt sein Tor im Wiener Happel-Stadion, Austria-Goalie Heinz Lindner hat das Zusehen. Vorher hatte er das Nachsehen.          

Die Austria verliert ihr erstes Spiel in der Champions League knapp und ehrenvoll, wie man so sagt. Der FC Porto, Favorit in Gruppe G, wäre zu erwischen gewesen, siegte aber im Wiener Happel-Stadion mit 1:0

Wien - Freundinnen und Freunde des gepflegten Fußballs, wie Austrias Sprecher die Fans zu begrüßen pflegt, durften am Mittwochabend anlässlich des Champions-League-Debüts der Wiener darauf hoffen, auf ihre Rechnung zu kommen. Der FC Porto ist nicht eine Weltauswahl im Sinne einer Ansammlung von Weltstars - noch nicht. Aber Portugals 24-facher Champion ist in puncto fußballerischem Vermögen seiner Spieler auf, nun ja, gut Wienerisch "wöd".

Dies zu beweisen sollte sich die Mannschaft von Coach Paolo Fonseca aber nicht herbeilassen. Austrias Trainer Trainer Nenad Bjelica versuchte ihr im gut besetzten Happel-Stadion zunächst mit der selben Elf Paroli zu bieten, die am vergangenen Samstag in der Generali Arena gegen Grödig begonnen hatte. Und die begann zur Freude der 37.500 durchaus ähnlich, willens, das Spiel zu gestalten. Gegen die Salzburger war das noch selbstverständlich gewesen, gegen Porto, den Gruppenfavoriten, war es der Versuch, dem Wunsch der sportlichen Führung zu entsprechen und sich vor Europas Augen etwas zu trauen.

Zu Beginn ein Chancenplus

Schon zeigten die Gäste den ersten Torschuss - Fernando scheiterte an Goalie Heinz Lindner (3.) - in der Folge erlief und erkämpfte sich die Austria aber ein offensives Übergewicht. Vor allem Daniel Royer und Philipp Hosiner stellten Portos Abwehr mit ihrer Schnelligkeit vor Probleme. Zu echten Chancen reichte es selten, oft aber zu Versuchen wie einem Weitschuss von Royer, den Fernando, vom schottischen Schiedsrichter Craig Thomson unbemerkt, ins Torout abfälschte (9.). Nach 25 Minuten hatte Porto zwar mehr Ballbesitz, aber nur zwei Torschüsse zu verzeichnen, die Austria dagegen sechs.

Die Nummer sieben, eine Direktabnahme Hosiners nach Vorlage des starken Fabian Koch, die nur knapp das Tor verfehlte, finalisierte die erste halbe Stunde. Bis Seitenwechsel rang Porto noch mehr mit der Überwindung der eigenen Lässigkeit, die Austria geriet aber doch nach und nach in defensiveres Fahrwasser.

Nach dem Rückstand fehlte Effizienz

Aus dem drohte es dann kein Entrinnen mehr zu geben, nachdem Kapitän Lucho Gonzalez Porto bald nach der Pause und perfektem Zuspiel von Danilo in Führung geschossen hatte (55.). Aber ein Kopfball von Stankovic nach Flanke von Florian Mader an die Stange (57.) und ein allerdings von Hosiner schwach abgeschlossener Konter hielt Porto in Reichweite. Mit einem Hosiner in der Form und mit dem Segen der Vorsaison wäre der erträumte Punkt, wären 500.000 Euro Prämie zu erwischen gewesen. Aber der Torjäger außer Dienst traf nicht mehr als das Außennetz (64.).

Bjelica bemühte in der Schlussphase mit Rubin Okotie und Roman Kienast noch zwei frische Stürmer und haderte ziemlich mit Referee Thomson, weil der ein Handspiel von Argentiniens Teamverteidiger Nicolas Otamendi im Strafraum nicht geahndet hatte (85.). Porto brachte den knappen Vorsprung über die Zeit. Die Freundinnen und Freunde des gepflegten Fußballs blieben leicht enttäuscht zurück. 

Atletico erster Tabellenführer

Im Parallelspiel der Gruppe G setzte sich Atletico Madrid gegen Zenit St. Petersburg 3:1 (1:0) durch und ist der erste Tabellenführer. Atletico war gegen die tief stehenden Russen spielbestimmend, benötigte aber einen Corner, um durch Miranda per Kopf in Führung zu gehen (40.). Den zwischenzeitlichen Ausgleich durch Zenits Stürmerstar Hulk (58.) beantwortete der starke Arda Turan im Nachsetzen (64.) Der eingewechselte Baptistao sorgte für den Endstand (80.). In der nächsten Runde am 1. Oktober empfängt der FC Porto Atletico. Die Austria gastiert in St. Petersburg. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 19.9.2013)

Champions League, Gruppe G, Mittwoch

Austria Wien - FC Porto 0:1 (0:0)
Ernst-Happel-Stadion, 37.500 Zuschauer, SR Thomson (SCO)

Tor: 0:1 (55.) Lucho Gonzalez

Austria: Lindner - Koch, Rogulj, Ortlechner, Suttner - Stankovic, Holland (84. Okotie), Mader - Royer, Hosiner (84. Kienast), Jun (68. Simkovic)

FC Porto: Helton - Danilo, Otamendi, Mangala, Alex Sandro - Fernando, Lucho Gonzalez (87. Quintero) , Josue - Varela (79. Herrera), Jackson Martinez, Lica (68. Ismailow)

Gelbe Karten: Koch, Hosiner bzw. Alex Sandro, Varela

Weiters:

Atletico Madrid - Zenit St. Petersburg 3:1 (1:0)
Tore: Miranda (40.), Arda Turan (64.), Baptistao (80.) bzw. Hulk (58.)

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Tolle Leistung und es war schön zu sehen, das die Austria alles versucht hat, die Spieler voll dabei waren und so sogar der FC Porto nicht zu vielen großen Chancen gekommen ist.

Man muß ja selbst als Fan hier realistisch bleiben. Wir haben gegen den offiziell stärksten Gegner der Gruppe gut ausgesehen, obwohl wir totaler Außenseiter sind. Gut ausgesehen heißt in dem Fall, als natürlich schwächere Mannschaft paroli geboten, kaum Torchancen zu gelassen und im Endeffekt sogar unglücklich 0:1 verloren.
Ich hätte weit schlimmeres befürchtet. Freue mich schon auf die nächsten Spiele, wenn sie mit ähnlichem Einsatz bei der Sache sind könnte es ja vielleicht etwas werden mit einem Punkt.

Schade das derzeit Hosiner und Jun nicht in Topform sind.

"Es zählen nur Siege" .... "in x wochen fragt keiner mehr wie"

Ach ... Blödsinn.

Wer kennt Edgardo Bauza? ... Vizeweltmeister mit Argentinien 1990. Vergessen.
Zur selben Zeit zeigte Rene Higuita - Nationaltorwart von Kolumbien - den "Scorpion Save". Ausgeschieden, dennoch Unvergessen.

Wer war Torschützenkönig der WM 2006? Es war Klose. Weiß außerhalb Deutschland wahrscheinlich keiner mehr. Vergessen.
Kopfstoß von Zidane bei der Niederlage gegen Italien? Unvergessen!

... diese Liste ließe sich beliebig Fortsetzen.

und was hat das mit 3 punkten zu tun ob jemand noch weiss ob klose torschützenkönig war?

Es gibt Vereine...

... für die ist das Erreichen der CL und halbwegs mitspielen können schon ein großer Erfolg, auf den man stolz sein darf. So wie die Austria.

... dann gibt es welche, da ist das Überstehen der Gruppenphase der große Erfolg, und man darf stolz sein wenn man im Viertelfinale kapp ausscheidet. So wie z.B. FC Basel oder Galatasaray.

... dann gibt es welche, da ist das Erreichen des Finales ein großer Erfolg und man darf stolz sein wenn man dies knapp Verliert. Das sind die meisten anderen.

Und dann gibt es wenige, wo selbst beim 2. Platz Unmut herrscht. So wie Bayern, Barcelona, Real.

es gibt vereine...

...die haben ein budget von ca. 20 mio

... dann gibt es welche, die haben ein budget von ca. 50 mio.

... dann gibt es welche, die haben ein budget von 150 mio.

...Und dann gibt es wenige, die haben 500 mio.

was sagt uns also deine aufzählung?

Geld spielt keine rolex wenn du vor dem fussballgott stehst

Real..

...hat wann das letzte mal die CL gewonnen?....ach ja...das ist ja schon wieder 11 (ELF) Jahre her. Vergisst man ganz beim nörgeln ,dass man gegen eine 200 Millionen Truppe knapp verloren hat.

ansichtssache: Artikel könnte auch heissen: Schwacher FC Porto hat glück gehabt.

Hätte, wäre, könnte, müsste etc.pp.
Ewiges Schönreden einer Niederlage, aufbauen auf einem verlorenen Spiel, Freude über die ach so tolle Leistung bei einem 0:1!
Kann man auf Null Punkte wirklich stolz sein?

sie haben recht, der österreichische meister hat im ersten cl spiel überhaupt knapp gegen einen der besten vereine europas verloren (der international schon so ziemlich alles gewonnen hat). geben wir's auf, das kicken in österreich, und konzentrieren wir uns aufs schifahren.

yes,.. we can :)

Ja kann man! Vergleiche es mit einem Iron Man - da ist das bloße erreichen des Ziels für viele schon ein Erfolg. Ganz egal welchen Platz man belegt.

Die Austria hat nicht bloß "nur" 0:1 verloren. Das hätt man auch erreichen können, wenn man nur hinten drin steht und der Gegner lauter Chancen vernebelt. Man hat sie geärgert. Man konnte ihnen gefährlich werden. Man konnte sich immer wieder aus der Umklammerung lösen und den Gegner selbst auch mal in die Defensive treiben. Und das gegen die Mannschaft aus dem 1. Topf!

Das war Championsleague-REIF. Eine bestandene Feuertaufe.

ironmanvergleich

da gibts auch welche,die beim marathon schon zwischenzeitlich gehen-die guttrainierten und die sieganwärter laufen aber die ganze strecke!der austria ist ja auch nach 65.70 minuten das laufvermögen abhanden gekommen(vielleicht weil sie gegen grödig so gas gegeben haben???)

Sport und ein Fußballspiel sind nicht nur das Endresultat, sondern auch die Leistung und Stimmug und die waren gestern super!
Natürlich kann man mit einer Leistung zufrieden sein, auch wenn man mit dem Resultat unglücklich ist, genauso wie man über eine Leistung unzufrieden sein kann, sich aber über einen unverdienten glücklichen Sieg freuen kann.
Sport hat nicht nur das Ergebnis als Ziel, denn sonst würden ja die Fans nicht auch zu solchen Vereinen wie Ried, Mattersburg aber auch Nürnberg, Cincinnati Bengals, usw. gehen, die verlieren viel mehr als sie gewinnen und einen Titel holen die nie.

Stimme 100%ig zu! Perfekt formuliert, danke dafür!

Aber unter dem Motto "dabei sein ist alles" werden in Zukunft nicht viele Blumentöpfe zu holen sein! Der österr. Fußball muss weg von dieser Mentalität, gute Leistungen sind kein zählbares Ergebnis.

Trotzdem Realist bleiben.....

PS: über einen gewonnen Blumentopf in höhe von 10 Mio. Euro würde ich mich auch sehr freuen ;-)

Du nicht?

Sorry, aber allein schon das Erreichen der CL beruht auf zählbaren Ergebnissen. Bei österr. Vereinen kann man das: "auf die gute Leistung kann man nicht stolz sein wenn man verliert" vielleicht bei Misslungener Quali bringen.

In der Gruppenphase dürfen wir uns auch über bloße gute Leistungen freuen und zumindest als Fan darf man sagen: dabei sein ist alles.

Nicht auf die null Punkte aber auf die gezeigte Leistung. Ich hatte von der Austria weit weniger erwartet und befürchtet, dass die nur in der eigenen Hälfte eingesperrt sein werden. Aber es kam anders. Hat zwar nicht für zählbares gereicht, dennoch anerkenne ich, dass sie sich im Elite-Bewerb gut verkauft haben. Die Leistung bis zum Abschluss waren ja auch durchaus brauchbar.

Und was bringt es jetzt zu sagen "ihr habt verloren, ihr seid zu schlecht"? Wen motiviert das?

Dann lieber "ihr habt gekämpft und knapp verloren. Nächstes Mal probieren wir es besser."

Ich anerkenne die gute Leistung der Austria!
Ich freue mich schon auf die Schlagzeile:
gut gespielt und gewonnen!

In einer Quali zählen halt nur Punkte - da bleibt nicht viel Zeit, auf Niederlagen "aufzubauen"!

Auf die Schlagzeile freue ich mich auch. Am liebsten gleich in 2 Wochen. ;)

Passt!
Werde wieder die Daumen drücken!
So wie heute meinen Grünen ;)

Der Schinkels ist schon schlimmer als der Prohaska

Ein paar Auszüge gestern:

"da Hummus, da Hummus muss sich nach hinten verlagern...."

"So wie die Basler muss die Austria auswärts spielen, in Petersburg, in Madrid,
in "Lissabon" :D

Er vergas auch dass die Basler wohl weniger mit der Austria auf eine Stufe zu stellen sind.....

und er hat den fk austria immer mit österreich verglichen.

ich bin österreicher und will mich NICHT mit dem FK Austria Club identifizieren.

und ich will mich nicht mit dir identifizieren...

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