Amoklauf in Niederösterreich: Leider nutzloser Polizeiplan

Kommentar | Michael Möseneder
18. September 2013, 18:47

Mit einem Waffennarren im völligen psychischen Ausnahmezustand war in der Situation nicht zu rechnen

Tödliches Polizeidebakel wegen ein paar toter Hirsche? Überforderte Kottans, die einen Einzelnen nicht stoppen können? Schießwütige Djangos? Wenn im Heimatort des mutmaßlichen Amokläufers jetzt der Polizeieinsatz kritisiert wird, ist das nach derzeitigem Wissensstand vor allem eines: ungerecht. Keine Frage, man kann diskutieren, ob der "schwere Eingriff in fremdes Jagd- oder Fischereirecht", wie Wilderei juristisch heißt, Sonderstreifen und -kommissionen rechtfertigt. Mag durchaus sein, dass die lokale Jägerschaft da Druck gemacht hat.

Nur: Im Gegensatz zu den tödlichen Polizeischüssen in einem Kremser Supermarkt, durch die 2009 ein 14-Jähriger starb, scheint die Lage diesmal anders. Die Suche nach dem Unbekannten war im Voraus geplant, die Sondereinsatzeinheit Cobra schon vorab eingebunden. Was soll die Exekutive außer einer Straßensperre machen, wenn sie ein verdächtiges Fahrzeug entdeckt? Eine heimliche Verfolgung auf einer menschenleeren nächtlichen Waldstraße funktioniert nur im Fernsehen.

Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass die ersten Schüsse von der Polizei kamen: Der Verdächtige war nicht einfach ein Flüchtiger, sondern er hatte Waffen dabei und setzte sie von Beginn an ein. Und das muss man der Polizei zugestehen: Mit einem Waffennarren im völligen psychischen Ausnahmezustand war in der Situation nicht zu rechnen. Da nützt dann leider der beste Plan nichts mehr. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 19.9.2013)

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"Eine heimliche Verfolgung auf einer menschenleeren nächtlichen Waldstraße funktioniert nur im Fernsehen."

Und in jedem Staat der sich Polizeihubschrauber mit Wärmebildkameras leisten kann.

Wenn es für eine nutzlose Staffel Abfangjäger reicht, sollte auch das drin sein.

Der Täter hat bewiesen, dass die Polizei zu Recht nach ihm gesucht hat.

> Mag durchaus sein
> dass die lokale Jägerschaft da Druck gemacht hat

Wenn es denn stimmt - und was in der BezirksRundschau so alles steht, dafür lege ich nicht die Hand ins Feuer - dann hat niemand geringerer als der nö. Landesjägermeister Christian Konrad (ja genau der ehem. Raiffeisen Boss) eine Soko - und da scheiden sich wieder die Geister - angeregt / dafür lobbyiert /sich gewunschen / bestellt

Und dieses Detail erinnert mich wieder an den Prozess gegen die militanten Tierschützer...

Schwierige Fragen

Jede Kritik an allfälligen Fehlern ist schwierig, weil - sofern etwas falsch gemacht wurde - einige dafür selbst mit ihrem Leben bezahlt haben.
Dennoch stört mich, wenn der Kommandant der Cobra gleich 100% sicher ist, dass alles bestens organisiert war - bei 5 Toten könnte man wenigstens einmal nachfragen.
Verhindern ließen sich Tote wie bei der ersten Sperre nur, wenn die Polizei bei uns wie in den USA vorginge - und zwar bei jeder Kontrolle: ein Beamter hat die Hand an der Waffe und sichert den zweiten, der nach den Papieren fragt. Hände des Fahrers auf das Lenkrad; eine ungeschickte Bewegung, ein zu rascher Griff in die Hosentasche kann schon tödlich sein.
Da stellt sich die Frage - wollen wir das in Österreich? Ich derzeit (noch?) nicht

Wie wahr, wie wahr !

Der beste Polizeiplan hilft nichts, wenn sich der Täter nicht daran hält.

Die Besserwisserparade ist eröffnet.

"Scharfe interne Kritik am Cobra-Vorgehen"

Na so was! Jetzt schließen sich sogar schon die echten Experten der Kritik der Standard-Experten am dilettantischen Vorgehen der Polizei an. Die haben zwar zwei Tage länger gebraucht das Offensichtliche zu erkennen - aber immerhin scheinen auch für die "echten" Experten fünf Tote kein optimales Ergebnis bei der versuchten Verhaftung eines Wilderers zu sein.

Vorschlaege habens

auch, oder wie ?

Gegen Bezahlung

jederzeit.

also keine,

danke

Wenn Sie glauben,

dass man ein in seinen Grundzügen professionelles System mit ein paar aus dem Ärmel geschüttelten Vorschlägen nachhaltig und ernsthaft verbessern kann, haben Sie nicht einmal ansatzweise kapiert, worum es geht.

ich schon, sie

nicht, das ist der Unterschied

Experten

Naja, hier scheint es sich wieder einmal um einen echten Experten zu handeln!
Schade, dass solche Leute nicht an den richtigen Posten sitzen. Wir wären, wie bei allen andern "Expertenkommentaren" ein Land ohne Probleme!

Fünf Tote!

Noch viel schlechter hätten das auch die "Experten" aus dem Standard-Forum nicht hinbekommen.

hier scheint es sich wieder einmal um

hier, wo ?

Wie wär's

mit einer Straßensperre, die nicht so einfach durchbrochen werden kann - der Wagen des Verdächtigen war der Polizei ja bekannt.

Da ist man einem gewerbsmäßigen Wilderer auf der Spur und rechnet nicht damit, dass es sich um einen Waffennarren handeln könnte - na wer dann sonst?

Und dann schießt die Polizei auf ihn und ist verwundert, dass sich der Beschossene in einem psychischen Ausnahmezustand befindet?

Dilettanten, schlecht ausgebildet, schlecht ausgerüstet, chaotisch organisiert.

Ja genau! Bruce Willis hätte das perfekt gelöst!

Andere pauschal per Ferndiagnose runtermachen, um sich selbst zu erhöhen?

)C:

Der Amokläufer, der zum Zeitpunkt der Strassensperre noch als Verdächtigter Wilderer galt, hätte ja auch anhalten und sich überprüfen lassen können.
Da müsste man ja bei jeder Verkehrskontrolle solche Sperren errichten.
Erst die durchbrochene Strassensperre machte ihn zum Verbrecher.

Sie und andere Standard-Poster hier hätten das natürlich besser gemacht.
Wieder mal lauter Spezialisten hier im Forum...

Nein,

ich hätte das vermutlich nicht besser gemacht. Ich bin dafür weder ausgebildet und werde dafür auch nicht bezahlt. Den Einsatz der Polizei und einer Polizei-Sondereinheit messe ich allerdings nicht an meinem eigenen Vorgehen sondern am Resultat - fünf Tote! Da stellt sich eher die Frage: Was hätte man noch schlechter machen können?

ehrlich gesagt

das wundert mich auch immer. Ist es wirklich so schwer eine vernünftige Strassensperre zu machen? Da gibt es doch diese "Nagelbretter". Dazu kommt sicher noch das unsere Polizei eben einen derart massiven Widerstand (fast müsste man sagen Gottseidank) nicht gewohnt ist.

Im Heimatort zeigt gerade der kranke Rest der Halali-Bande auf

Sofort einkassieren und "gründlich befragen".
Nächtliche Autokontrollen sind nichts, wofür die Polizei sich rechtfertigen muss.

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