Ederers Abgang: Die Siemens-Welt

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Und weg ist die "rote Gitti"

Als der Siemens-Konzern im Korruptionssumpf zu versinken drohte, waren unverbrauchte Gesichter willkommen. Je größer der Abstand zur früheren Managementriege, desto besser. Das war die Stunde des Peter Löscher und der Brigitte Ederer. Mit ihnen gelang es dem Konzern tatsächlich relativ rasch, den ruinierten Ruf aufzupolieren. Und weil die einst ehrwürdige Telegrafenanstalt besonders brav und vorbildhaft sein wollte, reüssierten sogar Frauen, wo früher ausschließlich (männliche) Techniker werkten oder Juristen, allenfalls Betriebswirte. Jedenfalls Siemensianer mussten es sein, die im Konzern die Ochsentour absolviert, das Klinkenputzen zur Perfektion gebracht und die entsprechenden Netzwerke innerhalb der Siemens-Welt geknüpft hatten.

Nach der Volte will der in dieser Welt an die Siemens-Spitze aufgestiegene Finanzer Joe Kaeser den Konzern mit seinen 370.000 Beschäftigten wieder zur Ruhe bringen, wie er im August sagte. Dazu gehört offenbar das traditionelle Geben und Nehmen. Der 71-jährige Aufsichtsratschef Gerhard Cromme darf den Elektromulti weiterhin kontrollieren, muss sich dafür aber mit der Gewerkschaft IG Metall arrangieren. Die lässt ihren starken Arm im Siemens-Betriebsrat spielen - und dessen Stimmen braucht der Präsident für seine teils heftig kritisierten Entscheidungen im Aufsichtsrat. Kaschiert wird alles durch Aufgabenverschiebungen im Vorstand - und weg ist die "rote Gitti". (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 19.9.2013)

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