London Fashion Week: Englische Rosen für Fortgeschrittene

  • Cara Delevingne ist das derzeit gefragteste Model auf dem Laufsteg: Hier bei Burberry und...
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    Cara Delevingne ist das derzeit gefragteste Model auf dem Laufsteg: Hier bei Burberry und...

  • ...bei Mulberry.
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    ...bei Mulberry.

  • Vorne kurz, hinten lang: Der Tiroler Peter Pilotto setzt in seiner jüngsten Kollektion auf ein Prinzip, das er auch aus seiner Heimat kennt. Dort betrifft es eher Frisuren.
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    foto: reuters/keogh

    Vorne kurz, hinten lang: Der Tiroler Peter Pilotto setzt in seiner jüngsten Kollektion auf ein Prinzip, das er auch aus seiner Heimat kennt. Dort betrifft es eher Frisuren.

  • Bei Tom Ford kamen dagegen andere Models zum Zug.
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    foto: reuters/plunkett

    Bei Tom Ford kamen dagegen andere Models zum Zug.

London ist die Hauptstadt der Straßenmode - das merkt man auch auf den Laufstegen. Neben Traditionsmarken wie Burberry oder Mulberry gaben junge Designer wie Christopher Kane oder Peter Pilotto bei den jüngsten Modeschauen den Takt vor


Laufsteg-Events sind als elitär und exklusiv verrufen. Das ist in Mailand nicht anders als in Paris oder in New York. In London steuert man jetzt aber dagegen. Der British Fashion Council, Organisator der Londoner Shows, kündigte im Vorfeld der Fashion Week an, die Schauen einem breiten Publikum zugänglich machen zu wollen. Und zwar nicht nur mit den schon alltäglichen Livestreams und den endlosen Tweets, Vines und Instagramfotos von Redakteuren und Amateur-Paparazzi, sondern mit einer Reihe von Mode- und Musikevents.

Das Ganze sollte dann auch gleich (ähnlich wie die "Cool Britannia" -Initiative der New Labour Regierung in den späten 1990er-Jahren) die Rolle Großbritanniens als coole Modedestination unterstreichen.

Eine ganze Reihe von Marken gab sich, unabhängig davon, entsprechend britisch. Bei Mulberry im Claridge's Ballroom zelebrierte man für das kommende Frühjahr nicht nur Swinging-Sixties-Silhouetten und die "Kensal", eine nigelnagelneue Handtasche, sondern auch eine britische Bulldogge auf dem Laufsteg. Burberrys Christopher Bailey entschied sich für die ikonische English Rose als Druckmotiv, die er in pudrigen Pastelltönen in Szene setzte und mit englischer Spitze und schottischem Kaschmir verfeinerte.

Wunderkind Kane

Jungstar Christopher Kane konzentrierte sich auch auf Blumenmotive, seine Interpretation war allerdings weniger lieblich. In einer fulminanten Show verwandelte der 31-jährige Schotte Blütenblätter, Fotosynthese und botanische Kosenamen in sehr tragbare Kleiderkunst. Wunderkind Kane wird Ende 2014 übrigens seinen ersten Flagship-Store in London eröffnen.

Zur Demokratisierung der Modeschauen trägt aber kein Label so stark bei wie Topshop. Die englische Billigmodekette ist einer der Großsponsoren der Fashion Week. Die Topshop-Location im zentral gelegenen Regent's Park bietet zudem Unterschlupf für eine ganze Reihe gehypter jüngerer Designer. An ihrer Spitze: der Gräkoösterreicher Marios Schwab, der sich für seine figurbetonten, drapierten, mit Spitzen unterlegten Kreationen von Konturen und Airbrushing inspirieren ließ. Keine Frage: Der Laufsteg des britischen Massenwareproduzenten ist jener mit dem größten Zuschauerzuspruch.

Das wissen auch die Street-Style-Blogger, die vor dem Eingang zur Topshop Unique Show zu Hunderten nach einem mehr oder weniger einzigartigen Motiv suchen. Die erste Reihe, immer ein wichtiger Indikator für die modische oder finanzielle Anziehungskraft einer Marke, war mit Anna Wintour, Kate Moss und Co denn auch bei Topshop Unique so hochkarätig besetzt wie sonst nur bei Burberry. Im Vergleich zu den Gästen verblassten die gezeigten Outfits allerdings ein wenig. Cool, trendy, mit luxuriöser 90er-Rave-Optik, aber doch hauptsächlich massentauglich.

Der Rest der Shows fand großteils wieder am British-Fashion-Council-Hauptstandort, dem Somerset House zwischen Covent Garden und Themse, statt. Der wichtigste Name unter den Jungtalenten: J. W. Anderson, der schon früh seinen eigenen, verspielt minimalistischen Stil entwickelt hat und diesmal mit ungewohnt strukturierten Textiloberflächen experimentierte. Nicht weniger erfolgreich ist das Label Peter Pilotto des dem aus dem Tiroler Peter Pilotto und seinem Kompagnon Christopher De Vos bestehenden Designduos. Sie setzten auf Vulkane als Inspiration und Krinolinen als neue Silhouette und mischten virtuos Spitze mit bedruckten Stoffen.

Kane, Anderson oder Pilotto sind Beispiele für junge Labels, die es geschafft haben, im sich immer schneller drehenden Modekarussell eine eigene Handschrift zu entwickeln. Das ist heute so wichtig wie noch nie: Der Endkonsument hat mittlerweile problemlos und in Echtzeit Zugang zu Mode, die erst ein halbes Jahr später in ausgesuchten Luxusboutiquen hängen wird. Wer sich da auf simple Trends verlässt, die innerhalb von Wochen von Billigketten kopiert, produziert und verkauft werden, schaut Monate später alt aus.

Luxus bei Tom Ford

Tom Ford hat dieses Problem nicht. Dazu waren die Lederjacken im ersten Teil seiner erwartungsgemäß glamourösen Show zu zeitlos, der mit Spiegeln applizierte Catsuit in Teil zwei dagegen zu kompliziert für Billigkettenimitationen.

Eine andere Strategie hatte dagegen Giles anzubieten: Der Designer suchte sich mit 1990er-Jahre-Nostalgie einfach einen Trend aus, der anscheinend nie alt wird. Gleich mehrere Looks bedruckte er mit dem Konterfei von Kate Moss: High Fashion mit Massenappeal. So könnte man auch die neue Londoner Marketingstrategie auf den Punkt bringen. (Britta Burger aus London, DER STANDARD, 19.9.2013)

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