Der Claqueur schlägt sich aufs Gehör

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  • Die Wahlwerber setzen bei der Auswahl des Publikums allesamt auf eingefleischte Fans.
    foto: orf/milenko badzic

    Die Wahlwerber setzen bei der Auswahl des Publikums allesamt auf eingefleischte Fans.

Klatscht laut und oft: der Gast bei den ORF-Duellen

Der Claqueur hat viele Gesichter. Als ständiger Gast bei den ORF-Konfrontationen beklatscht er den von ihm favorisierten Spitzenkandidaten bei jeder Gelegenheit wie besessen oder lacht bei jedem müden Witzchen bereitwillig auf, sodass Moderatorin Ingrid Thurnher schon einige Male mehr Ruhe und Disziplin einfordern musste. Fehlt nur noch, dass der Claqueur demnächst das Geschehen zwischen den Duellanten auch noch mit spitzen Begeisterungsschreien und dumpfen Buhrufen stört.

Wer sind all diese Euphorisierten, deren Beifallsbekundungen den Zusehern vor den Fernsehschirmen derart aufs Gehör schlagen, dass sie mitunter am liebsten wegzappen würden? Laut ORF dürfen die Parteien das 90-köpfige Publikum bei jeder Runde selbst mitbringen, das dann, in zwei Sektoren geteilt, jeweils hinter Werner Faymann, Michael Spindelegger & Co Platz nimmt.

Eingefleischte Fans

Kein Wunder, dass die Wahlwerber bei ihrer Auswahl allesamt auf eingefleischte Fans setzen, das heißt: Der urban geprägte Bobo etwa reist gern zu Eva Glawischnigs Auftritten an. Der kleine Mann, der sich einen starken Mann fürs Land wünscht, eher zu den Infights von Heinz-Christian Strache oder Frank Stronach. Selbst das Umfeld Josef Buchers, dessen Zukunftsbund bald aus dem Parlament fliegen könnte, versichert, dass es keinerlei Probleme mit dem Rekrutieren von Anhängern fürs Fernsehen habe, denn: "Es melden sich von selbst viele Mitglieder, bei jedem Auftritt sind wir überbucht!"

Auflagen

Auf dem Küniglberg wiederum betont man, dass der Claqueur, bevor er ins Studio darf, sich gewissen Auflagen unterwerfen muss: Transparente mitzubringen gilt als streng verboten, ebenso wie sich ein Leiberl mit Parteilogo überzustreifen. Und: Gejohlt und gegrölt darf während der Sendezeit auch nicht werden. "Wir wollen, dass sich jeder entsprechend benimmt", erklärt ein ORFler, "das Ganze soll ja nicht aussehen wie bei einem Fansektor im Fußballstadion." Bevor es dann tatsächlich losgeht, übt ein dafür Zuständiger des Öffentlich-Rechtlichen mit dem Claqueur übrigens noch das korrekte Applaudieren.

Ob das lärmende Spektakel den Parteichefs wirklich nützt? Peter Filzmaier, Politologe und ORF-Analyst, dazu diplomatisch: "Bis jetzt ist nicht ausgetestet, wie das bei den Leuten ankommt. Also tragen die Verantwortung für Ausmaß und Wirkung des inszenierten Beifalls allein die Parteien selbst." (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 19.9.2013)

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