US-Notenbank entfacht Kursfeuerwerk

  • Statement der US-Notenbank zur Geldpolitik

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Ben Bernanke überrascht mit der Entscheidung: Die US-Notenbank setzt ihre milliardenschweren Anleihekäufe fort, die Anleger jubilieren

Washington/Wien - Für eine Riesenüberraschung hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Mittwochabend gesorgt. Trotz anziehender Konjunktur wagt die Fed noch keine schrittweise Abkehr von der Politik des ultrabilligen Geldes. Gerechnet hat damit niemand. Monatelang hat die Zentralbank öffentlich angekündigt, dass sie wohl nach ihrem geldpolitischen Treffen im September damit anfangen würde, ihre bisherigen Anleihekäufe im Wert von 85 Milliarden US-Dollar monatlich langsam zurückzufahren.

Anleger feiern

An der Wall Street wurde die Entscheidung der Fed mit Begeisterung aufgenommen. Dow-Jones-Index und S&P-500 erklommen neue Rekordhochs. US-Staatsanleihen erlebten den stärksten Kursanstieg an einem Tag seit November 2011 – die Rendite zehnjähriger Treasurys, die sich gegenläufig zu den Kursen bewegt, lag zum Börsenschluss bei 2,706 Prozent. Auf dem Markt für hypothekenbesicherte Wertpapiere, wo die Fed ebenfalls kräftig einkauft, stiegen die Kurse noch stärker. Viele Rohstoffpreise stiegen nach der Entscheidung, der Goldpreis legte deutlich zu, während der US-Dollar gegenüber Euro und Yen kräftig sank. Auch im Asienhandel und in Europa setzte sich die Kursrally am Donnerstag fort. Die Leitbörsen in Europa tendieren einheitlich mit starken Gewinnen. Der Euro-Stoxx-50 stieg um 1,28 Prozent, der DAX in Frankfurt erklomm ein neues Rekordhoch.

Die US-Notenbank hatte das Programm – unter Fachleuten auch bekannt als QE3 – im vergangenen Jahr aufgelegt, um das Wirtschaftswachstum in den USA anzuregen und Unternehmen dazu zu bringen, mehr Mitarbeiter einzustellen. Niedrige Langfristzinsen sollten Haushalten und Unternehmen einen Anreiz geben, mehr Geld auszugeben und zu investieren. Dieses und ähnliche Programme der Vergangenheit haben die Wertpapierbestände der Fed inzwischen auf fast 4 Billionen Dollar erhöht. Der Umfang der monatlichen Ankäufe von langfristigen Staatsanleihen und Immobilienpapieren bleibt bei 85 Milliarden Dollar.

Damit haben sie die Erwartungen der Ökonomen nicht erfüllt. Die hatten damit gerechnet, dass die Fed ihre Konjunkturhilfen auf 80 bis 75 Milliarden Dollar pro Monat zurückstutzen würde. Mit den Bond-Käufen drückt die Notenbank die langfristigen Zinsen für Immobilienpapiere und Staatsanleihen. So werden unter anderem Hauskäufe lukrativer.

US-Wirtschaft nicht robust genug

Die Nachricht hinter der Nachricht: Die US-Notenbank hält die Wirtschaft noch nicht für robust genug, um ihre ultralockere Geldpolitik zu straffen. Vor einer Entscheidung für einen Kurswechsel der Geldpolitik müsse es "mehr Beweise geben, dass die Erholung der Konjunktur und des Arbeitsmarktes tatsächlich stabil" sei, teilte die Fed am Mittwoch in Washington denn auch mit. Als einen Grund für die Ungewissheit wurden die Ausgabenkürzungen im Staatshaushalt genannt.

Der Leitzins bleibt hingegen wie von Ökonomen erwartet auf dem historischen Niedrigstand zwischen null und 0,25 Prozent. Auf diesem Rekordtief liegt er seit Ende 2008, als die schwere Finanzkrise begonnen hat. Der faktische Nullzins sei angemessen, solange die US-Arbeitslosenquote höher sei als 6,5 Prozent, hieß es in der Fed-Mitteilung. Derzeit liegt die Rate bei 7,3 Prozent.

Nach Ansicht von zwölf der 17 Fed-Notenbanker wird 2015 der richtige Zeitpunkt sein, um die Zinszügel wieder anzuziehen. Die Notenbank blickt mittlerweile pessimistischer auf die Wirtschaft als noch vor drei Monaten: Die Fed erwartet für 2014 ein Wachstum von durchschnittlich drei Prozent. Im Juni hatte sie noch 3,25 Prozent veranschlagt.

Die Anleger an den Aktienmärkten in New York haben mit Erleichterung auf die heiß erwartete Fed-Entscheidung reagiert: Die Kurse legten kräftig zu, der Dollar fiel gegenüber dem Euro auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten.

Warnung vor neuer Blase

Bernanke hatte im Mai in Aussicht gestellt, die Konjunkturhilfen zu stutzen, sollte sich die US-Wirtschaft nachhaltig erholen. Mit ihren Geldspritzen hat die Notenbank in den vergangenen Jahren ihre Bilanz massiv aufgebläht - auf zuletzt 3,6 Billionen Dollar. Allein das im September 2012 aufgelegte Ankaufprogramm dürfte bei einer Laufzeit bis Ende 2014 Experten zufolge rund 1,3 Billionen Dollar verschlingen. Kritiker werfen der Fed vor, eine neue Preisblase - etwa am Immobilienmarkt - zu riskieren und der Inflation Vorschub zu leisten.

Bernanke ist noch bis Anfang 2014 im Amt. Seine Nachfolgerin wird vermutlich die Vize-Chefin Janet Yellen. Präsident Barack Obama will die Personalie im Herbst entscheiden. Ein Vertreter des US-Präsidialamts sagte am Mittwoch, Yellen sei die führende Kandidatin. Ex-Finanzminister Lawrence Summers hatte zuletzt, wie berichtet, seinen Verzicht auf eine Kandidatur erklärt. Yellen wäre in der fast 100-jährigen Geschichte der Zentralbank die erste Frau an der Spitze. Sie steht für eine Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik (APA/Reuters, 18.9.2013)

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