US-Notenbank entfacht Kursfeuerwerk

19. September 2013, 10:50
  • Statement der US-Notenbank zur Geldpolitik

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Ben Bernanke überrascht mit der Entscheidung: Die US-Notenbank setzt ihre milliardenschweren Anleihekäufe fort, die Anleger jubilieren

Washington/Wien - Für eine Riesenüberraschung hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Mittwochabend gesorgt. Trotz anziehender Konjunktur wagt die Fed noch keine schrittweise Abkehr von der Politik des ultrabilligen Geldes. Gerechnet hat damit niemand. Monatelang hat die Zentralbank öffentlich angekündigt, dass sie wohl nach ihrem geldpolitischen Treffen im September damit anfangen würde, ihre bisherigen Anleihekäufe im Wert von 85 Milliarden US-Dollar monatlich langsam zurückzufahren.

Anleger feiern

An der Wall Street wurde die Entscheidung der Fed mit Begeisterung aufgenommen. Dow-Jones-Index und S&P-500 erklommen neue Rekordhochs. US-Staatsanleihen erlebten den stärksten Kursanstieg an einem Tag seit November 2011 – die Rendite zehnjähriger Treasurys, die sich gegenläufig zu den Kursen bewegt, lag zum Börsenschluss bei 2,706 Prozent. Auf dem Markt für hypothekenbesicherte Wertpapiere, wo die Fed ebenfalls kräftig einkauft, stiegen die Kurse noch stärker. Viele Rohstoffpreise stiegen nach der Entscheidung, der Goldpreis legte deutlich zu, während der US-Dollar gegenüber Euro und Yen kräftig sank. Auch im Asienhandel und in Europa setzte sich die Kursrally am Donnerstag fort. Die Leitbörsen in Europa tendieren einheitlich mit starken Gewinnen. Der Euro-Stoxx-50 stieg um 1,28 Prozent, der DAX in Frankfurt erklomm ein neues Rekordhoch.

Die US-Notenbank hatte das Programm – unter Fachleuten auch bekannt als QE3 – im vergangenen Jahr aufgelegt, um das Wirtschaftswachstum in den USA anzuregen und Unternehmen dazu zu bringen, mehr Mitarbeiter einzustellen. Niedrige Langfristzinsen sollten Haushalten und Unternehmen einen Anreiz geben, mehr Geld auszugeben und zu investieren. Dieses und ähnliche Programme der Vergangenheit haben die Wertpapierbestände der Fed inzwischen auf fast 4 Billionen Dollar erhöht. Der Umfang der monatlichen Ankäufe von langfristigen Staatsanleihen und Immobilienpapieren bleibt bei 85 Milliarden Dollar.

Damit haben sie die Erwartungen der Ökonomen nicht erfüllt. Die hatten damit gerechnet, dass die Fed ihre Konjunkturhilfen auf 80 bis 75 Milliarden Dollar pro Monat zurückstutzen würde. Mit den Bond-Käufen drückt die Notenbank die langfristigen Zinsen für Immobilienpapiere und Staatsanleihen. So werden unter anderem Hauskäufe lukrativer.

US-Wirtschaft nicht robust genug

Die Nachricht hinter der Nachricht: Die US-Notenbank hält die Wirtschaft noch nicht für robust genug, um ihre ultralockere Geldpolitik zu straffen. Vor einer Entscheidung für einen Kurswechsel der Geldpolitik müsse es "mehr Beweise geben, dass die Erholung der Konjunktur und des Arbeitsmarktes tatsächlich stabil" sei, teilte die Fed am Mittwoch in Washington denn auch mit. Als einen Grund für die Ungewissheit wurden die Ausgabenkürzungen im Staatshaushalt genannt.

Der Leitzins bleibt hingegen wie von Ökonomen erwartet auf dem historischen Niedrigstand zwischen null und 0,25 Prozent. Auf diesem Rekordtief liegt er seit Ende 2008, als die schwere Finanzkrise begonnen hat. Der faktische Nullzins sei angemessen, solange die US-Arbeitslosenquote höher sei als 6,5 Prozent, hieß es in der Fed-Mitteilung. Derzeit liegt die Rate bei 7,3 Prozent.

Nach Ansicht von zwölf der 17 Fed-Notenbanker wird 2015 der richtige Zeitpunkt sein, um die Zinszügel wieder anzuziehen. Die Notenbank blickt mittlerweile pessimistischer auf die Wirtschaft als noch vor drei Monaten: Die Fed erwartet für 2014 ein Wachstum von durchschnittlich drei Prozent. Im Juni hatte sie noch 3,25 Prozent veranschlagt.

Die Anleger an den Aktienmärkten in New York haben mit Erleichterung auf die heiß erwartete Fed-Entscheidung reagiert: Die Kurse legten kräftig zu, der Dollar fiel gegenüber dem Euro auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten.

Warnung vor neuer Blase

Bernanke hatte im Mai in Aussicht gestellt, die Konjunkturhilfen zu stutzen, sollte sich die US-Wirtschaft nachhaltig erholen. Mit ihren Geldspritzen hat die Notenbank in den vergangenen Jahren ihre Bilanz massiv aufgebläht - auf zuletzt 3,6 Billionen Dollar. Allein das im September 2012 aufgelegte Ankaufprogramm dürfte bei einer Laufzeit bis Ende 2014 Experten zufolge rund 1,3 Billionen Dollar verschlingen. Kritiker werfen der Fed vor, eine neue Preisblase - etwa am Immobilienmarkt - zu riskieren und der Inflation Vorschub zu leisten.

Bernanke ist noch bis Anfang 2014 im Amt. Seine Nachfolgerin wird vermutlich die Vize-Chefin Janet Yellen. Präsident Barack Obama will die Personalie im Herbst entscheiden. Ein Vertreter des US-Präsidialamts sagte am Mittwoch, Yellen sei die führende Kandidatin. Ex-Finanzminister Lawrence Summers hatte zuletzt, wie berichtet, seinen Verzicht auf eine Kandidatur erklärt. Yellen wäre in der fast 100-jährigen Geschichte der Zentralbank die erste Frau an der Spitze. Sie steht für eine Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik (APA/Reuters, 18.9.2013)

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kursfeuerwerk? was für kursfeuerwerk schon wieder?

die indizes haben 1% bis 1.5% im plus geschlossen. was ist daran ein feuerwerk? peinlich, aber typisch standard. übertreibungen, halbwarheiten und manipulation.

wo genau ist die überraschung...

...oder die gute neuigkeit?

wenn sich die geldmenge verdoppelt, dann verdoppelt sich auch der preis eines apfels bzw. dessen wert in geldeinheiten.

bei aktien ist es gleich also frage ich mich ob wir vera*** werden oder die wirtschaftsleute wirklich so unfassbar beschränkt sind...

BIZ: Die mächtigste Bank der Welt kündigt den Crash an

"...Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bezeichnet die aktuelle Lage auf den Finanzmärkten als noch schlechter als vor der Lehman-Insolvenz. Die Warnung der BIZ könnte der Grund sein, warum die US-Notenbank entschied, weiter unbegrenzt Geld zu drucken: Die Zentralbanken haben die Kontrolle über die Schulden-Flut verloren und geben auf..."

lehnt euch zurück und bewundert das kommende schauspiel des mit abstand größten crashes der geschichte der menschheit, denn der zug fährt nun zu schnell um noch gebremst zu werden... seht es mal so, ihr seid bei diesem monumentalen geschehen live dabei! :-)

also ich freu mich auch schon drauf, wenn auch die these, dass die fed

wegen der BIZ nichts gemacht hat, etwas weit hergeholt ist.

das Ende des Geldes...

...unseren täglichen Kursanstieg gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld..

Ja, mit Gelddrucken statt Sparen haben schon die alten Roemer ihr Imperium dem Untergang geweiht.

Man nennt das uebrigens nicht "Kursfeuerwerk", sondern Asset Inflation.
Und Umverteilung von Arm zu Reich.

Gratulation dem reichsten Perzentil Amerikas.

teilweise kommen mir die phrasen positiv formuliert vor. "feiern", "ralley", …
kann man das bitte ausbessern?

Keine Wunder, dafür bluten die Sparer ohne Ende!

vor dem fall ...

Jetzt wär's natürlich toll gewesen, wenn man das schon vorgestern gewusst hätte...

Ob es da jemanden gab, der den Ben oder seine Freunde etwas näher kennt und heute gerade im "Lotto" gewonnen hat?

Lottogewinn? pfff peanuts....

Der Euro steigt im Vergleich zum Dollar

Es ist zum Haareraufen. Die EZB muss schnellstens aufs Gas drücken, um den Euro nicht noch weiter durch die Decke gehen zu lassen. Das ist doch nur noch blöd, sich so einen Konjunkturklotz auch noch ans Bein zu binden!

Nur keine sorge,wir haben noch genug esm Anwärter, dann kommen die "Euro im freien Fall" Schlagzeilen wieder.....

Wer sind diese Anleger,Spieler und Trinker?

Kann man bitte den bösartigen Tumor von der Menschheit entfernen!

Das wird nicht gut gehen.

Es wird das eine (Gelddrucken) sowie das andere (Sparen) nicht gut gehen. Es ist alles nur ein Spiel auf Zeit. Was passiert wenn die Blasen platzen, kann wohl niemand voraussehen, aber sicher nichts Gutes.

..während die restriktive Geldpolitik der Europäer ja glänzend gut geht. Siehe Wachstum, Arbeitslosigkeit.

Ah. Versucht ua GS deshalb seit Monaten mit unauffällig regelmäßig platzierten Meldungen den Goldpreis hinunter zu prügeln? Kontraindikationen sind ja deren Hauptgeschäft.

Das Faktische vs. Angst

1. Kursfeuerwerk? Dow Jones gestern +0,95% - würde das als normalen Tag bezeichnen

2. Geldflut? Die Notenbank kauft Anleihen um die Renditen zu drücken. In einem planwirtschafltichen Staat würde das durch Festsetzungen geschehen. Ein Land wie die USA muss sich natürlich an die Marktmechanismen halten. Das Geld flutet weder irgendwelche Märkten, noch kann es Inflation erzeugen.

3. Weltuntergang? Ich empfehle einigen Postern hier dringend psychologische Beratung, Bewegung an der frischen Luft und gutes Essen. Das Leben ist schön und es geht uns gut!

1. und 3. vollkommen richtig.
2. ist schon ein wenig komlizierter. Kann zu mehr Geld führen
USA begeben Anleihen 1Mrd -> Bank nimmt Anleihe 1Mrd
-> Bank schreibt USA Mrd gut(neues Geld) -> Bank schreibt sich selbst Anleihe gut
Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Bank legt Anleihe zur FED und bekommt quasi Bargeld. Das ist aber durch das Eigenkapital begrenzt(und kostet was).
Wenn die FED aber die Anleihen wieder aufkauft, ist ein genau um diesen Betrag höher Geldbetrag im Geldsystem MÖGLICH, noch dazu einer der je nach Anleihenpreis sogar "gratis" sein kann.
Hoffe das ist in der kurzen Form irgendwie verständlich.

Sie haben grundsätzlich recht, allerdings sind die Anleihen ja ohnehin begeben und nicht zu dem Zweck von der FED aufgekauft zu werden. Das Drücken der Renditen der FED funktioniert ja auch nur, weil die Marktteilnehmer immer noch den Verschuldungsgrad der USA als akzeptabel sehen (oder die meisten Hedgefondsmanager patriotisch und Amerikaner sind ;-) ). Nur wenn zu viele Anleihen begeben werden würden, also die angesprochene Geldflut erzeugt werden würde, wäre dies ein Inflationstreiber. Nicht die Käufe der FED per se.

Hoffe ebenfalls verständlich gewesen zu sein.

es ist mit geld fluten weil es über einen längeren zeitraum geschieht und prinzipiell erzeugt im normalfall mehr geld im umlauf inflation da das geld weniger wert wird, diese Inflation kann mit einem wirtschaftswachstum aber gering geahlten werden, sollte es solches geben, eng wirds wenn das bip sinkt und die geldmenge steigt

Fakten

Mit Punkt 1 haben Sie recht, die Börsen haben kaum auf die FED Entscheidung reagiert.

Was Punkt 2 angeht haben Sie allerdings unrecht. Ein Teil des QE ist der Aufkauf von Immobilienpapieren. Das führt zu billigen Krediten wodurch der Immobilienmarkt aufgeblasen wird. Was 2008 passiert ist wird wohl wieder passieren.
Der andere Teil geht in den Aufkauf von Staatsanleihen, was prinzipiell kein Problem wäre, allerdings ist das permanent wachsende Staatsdefizit eines, welches dadurch gefördert wird. Sollte die Stimmung in der Bevölkerung kippen und das Vertrauen in den US-Staat sinken, könnte das zu einer Krise wie in den 1930ern führen. Die Welt wird es überleben.

All das ist natürlich vermeidbar, wenn die Verantwortlichen nachhaltig agieren

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