Sexy duschen

Ansichtssache |
foto: epa/jens kalaene

Im Winter des Jahres 2000 war die Welt wieder einmal trotzdem nicht untergegangen. Die erste Staffel des Reality-TV-Formats "Big Brother" endete aber trotzdem unter großem feuilletonistischen Klagegeschrei auch an dieser Stelle. "Der gläserne Mensch", Michel Foucaults Überwachen und Strafen - Die Geburt des Gefängnisses, dieses Spielniveau.

Die Welt drehte sich weiter. Die sexy Duschszenen, Diskussionen übers Abwaschen und endlose Stunden endloser Langeweile von und für Menschen, die sonst nichts mit sich anfangen können, sind geblieben.

Heute halten wir bei elf Staffeln "Big Brother" auf unterschiedlichen Privatkanälen, zweimal "Taxi Orange" im ORF, zweimal schwyzerdütschem Geprolle - und ganz frisch einem dieser Tage gestarteten "Promi Big Brother" auf Sat.1. Ach so, Dschungel-Camp war auch, aber wir wollen uns jetzt nicht weiter mit Details aufhalten.

Hey, David Hasselhoff ist gerade aus dem "Promi Big Brother" ausgezogen, weil es seinem Vater schlecht geht! Der war neben den anderen "Prominenten", deren Namen selbst langzeitarbeitslose Fernsehkonsumenten mit nicht allzu großer Literaturaffinität nur ansatzweise kennen, noch der berühmteste Langeweiler.

foto: epa/jens kalaene

Jenny Elvers kennt man eventuell noch aus den 1990er-Jahren, sie war damals Partyluder. Eine gewisse "Lucy" hat einmal in einer Girlband namens "Die drei Damen vom Grill" oder so gesungen. Das muss ungefähr in der Zeit gewesen sein, als sich die Beatles noch nicht getrennt hatten.

Seltsam, wie langweilig und unerheblich alles mit der Zeit wird. Nur die sexy Duschszenen sind immer noch aufregend. Körperpflege wird im Container großgeschrieben. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 19.9.2013)

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