Der Einsatz in Großpriel: Mit Cobra, Panzern und Verhandlern

18. September 2013, 18:29
  • Die Ermittlungen im Haus begannen sofort, nachdem der mutmaßliche Täter tot aufgefunden worden war. Sie dürften noch tagelang andauern.
    foto: apa/robert jaeger

    Die Ermittlungen im Haus begannen sofort, nachdem der mutmaßliche Täter tot aufgefunden worden war. Sie dürften noch tagelang andauern.

Warum hielt die Polizei nach dem Amoklauf Informationen zurück? In welchen Fällen ruft die Exekutive das Bundesheer zur Hilfe? Fragen, die sich nach der Bluttat von Dienstag stellen

Frage: In welchen Fällen wird die Cobra angefordert?

Antwort: Sondereinsätze mit "mittlerem und höherem Gefährdungsgrad" sind die Kernaufgabe der Cobra – von Terrorbekämpfung über Flugzeugentführungen bis zu Einsätzen gegen Bewaffnete. Ob das Einsatzkommando zur Hilfe gerufen wird, entscheidet der jeweilige Einsatzleiter. In Annaberg waren Cobra-Kräfte bei der Schwerpunktfahndung zwar von Anfang an eingebunden. Aufmarschiert sind sie aber erst nach dem Amoklauf: Zu 200 anderen Polizisten vor Ort kamen 135 der Cobra. Wie bei komplexen Aufgaben üblich, entschied ein ganzer Einsatz- und Führungsstab aus verschiedenen Abteilungen über das Vorgehen.

Frage: Holt die Polizei das Bundesheer öfters zur Hilfe?

Antwort: Dass die Polizei Panzer vom Bundesheer anfordert, geschieht selten. Dass sich diese Hilfe des Bundesheers holt, ist dagegen nicht ungewöhnlich (und kann manchmal auch über längere Zeit andauern – ein Beispiel wäre der frühere Assistenzeinsatz an der burgenländischen Grenze). Bundesheer und Polizei stimmen dann im gemeinsamen Gespräch je nach Situation ab, was das Heer einbringen kann. Bei dem Einsatz in Großpriel bei Melk habe es sich um das Bereitstellen von Material gehandelt. Nachdem ein Cobra-Wagen trotz Panzerung dem Beschuss nicht standgehalten habe, habe man sich für das Anfordern der drei Panzer aus der Kaserne Melk entschieden, hieß es aus dem Innenministerium.

Frage: Ein Rettungssanitäter wurde erschossen – wie kam es zum Einsatz?

Antwort: Die Rettung wurde gerufen, nachdem der mutmaßliche Wilderer eine Polizeisperre durchbrochen und einen Polizisten verletzt hatte – der Beamte erlag später seinen Verletzungen. Als die Rettung eintraf, soll der Schütze nicht mehr zu sehen gewesen sein. Er soll dann aus einem Hinterhalt im Wald den Sanitäter bei dessen Anfahrt gezielt erschossen haben. Insgesamt waren im Laufe des Einsatzes 70 Rettungssanitäter vor Ort.

Frage: Die Polizei gab am Dienstag einige Stunden lang kaum Informationen heraus. Hätte nicht auch die Bevölkerung gewarnt werden müssen?

Antwort: Gegen drei Uhr Früh soll der mutmaßliche Schütze sich bereits auf seinen Bauernhof in Großpriel bei Melk zurückgezogen haben. Man ging zu dem Zeitpunkt laut Innenministerium nicht von einer Gefährdung Unbeteiligter aus, allerdings habe man geglaubt, dass der Mann noch einen Polizisten als Geisel bei sich habe. "Jede Kommunikation ist dann auch eine Kommunikation zum Täter", sagte ein Sprecher. Man habe sich dagegen entschieden, darüber zu informieren, dass es bereits drei Tote gab, da man gehofft habe, auf diese Art eine Eskalation verhindern zu können.

Frage: Warum hat es so lange gedauert, bis die Beamten das Haus durchsucht hatten?

Antwort: Da zunächst unklar war, wo der vermisste Polizist war, ging man von einer sogenannten Geisellage aus. Oberstes Gebot in diesem Fall ist, mit dem Täter Kontakt aufzunehmen, wofür es eine eigene Verhandlungsgruppe gibt. Die versuchte stundenlang vergeblich, Alois H. telefonisch zu erreichen. Nachdem die Leiche des vermissten Polizisten entdeckt worden war, intensivierte man die Aufklärung: Unter anderem durchleuchtete ein Hubschrauber mit Wäremebildkamera das Gehöft. Da die Lage unklar blieb, musste Raum für Raum gesichert werden. (moe, spri, DER STANDARD, 19.9.2013)


CHRONOLOGIE: 24 Stunden Einsatz

  • Dienstag, 0.05 Uhr Ein mutmaßlicher Wilderer durchbricht nahe Annaberg eine Straßensperre der Polizei und tötet im folgenden Feuergefecht einen Polizisten und einen Sanitäter.
  • 3.00 Uhr Der Verdächtige kapert ein Polizeiauto, tötet die Insassen und flüchtet etwa 65 Kilometer zu seinem Gehöft in Großpriel.
  • 7.00 Uhr Cobra-Beamte umstellen das Haus. Die Umgebung wird abgesperrt.
  • 13.30 Uhr Drei Panzer des Bundesheeres treffen ein. Alois H. schießt immer wieder aus dem Gebäude. Mit den Panzerfahrzeugen können sich die Einsatzkräfte dem Haus nähern.
  • 14.00 Uhr In einer Garage wird die Leiche des dritten Polizisten entdeckt. Die Einsatztaktik wird geändert, da keine Geiselnahme vorliegt.
  • 17.30 Uhr Der letzte Schuss dringt aus dem Bauernhaus. Die Beamten rücken mit den Panzern vor, durchkämmen stundenlang das Gebäude.
  • Mittwoch, 0.05 Uhr In einem versteckten Bunker im Keller wird die verkohlte Leiche von Alois H. gefunden, der sich erschossen hatte. (krud)
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Es bleiben die beiden Fragen.

Warum wollte man ihn überhaupt festnehmen? Er hat doch anscheinend nichts gewildert und damit gibts auch keine Beweise, dass er wirklich der Wilderer ist.

Wenn man ihn festnehmen will aus welchem Grund auch immer, warum wartet man nicht ab, bis man ihn irgendwo unbewaffnet trifft?

Man wollte ja nicht ihn verhaften, sondern den Wilderer(der zum Zeitpunkt nicht bekannt war) Nachdem aber jemand eine Polizeisperre durchbricht und das feuer eröffnet, liegt der verdacht nahe, dass Wilderer und betreffende Person identisch sein könnten?

Richtung Metaebene

gefragt:
ich lese nur gelegentlich diese ,, Kommentare" . Viel, sehr viel wird hier geschrieben, ironisiert, in in die Breite und Weite diskutiert, polemisiert , geplaudert und geplappert ( wie auch ich hier nichts Anderes mache ).
Worüber wird hier eigentlich geredet ? Worum geht es zwischen den Zeilen, im Subtext?
Ein Vorfall, ein schlimmer , getötete Menschen, deren ( nächsten) Angehörigen Beileid gebührt und In-Ruhe-gelassen-werden , auch von uns, einige spärlich anmutende Aussagen und Informationen . .. Und schon werden PostingPanzer aufgefahren, " die Russen" angetippt, Gemeindeamt Waffenpunker

Verurteile die Tat auf das Schärfste

Folgende Frage interessiert mich doch sehr:
- wann und wo erlitt der Täter den Streifschuss
- wer hat als erster zur Waffe gegriffen

Werden wir nie hören.

Die Strassensperre im Wald mit Cobrabeamten war ohne Vorhersehbarkeit. Ich glaube auch, dass nicht einmal die Kollegen je aufgeklärt werden, was da abgelaufen und wirklich schiefgelaufen ist. "Der durfte ja schiessen" postet jemand. So argumentiert ist das einfach und unreflektiert. Wie der ganze Einsatz - ich hab' aber kein wirkliches Recht eine Ahnung preiszugeben. In einem Spital möchte ich umgemünzt auch nicht auf so schlecht vorbereitete OP oder Notfallteams treffen. - Was aber nicht heißt, dass es passieren kann.

Vorerst: an aller erster Stelle steht mein Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer.

Das möchte ich von der Kritik, die ich für angebracht halte, abgrenzen.
Aber, dass ein Bauer und Hobbyjäger die bestausgebildeten Polizisten, die wir haben, einfach so erschießt und einen "gewöhnlichen" Polizisten auch gleich zum D´rüberstreuen und dessen Kollegen (natürlich auch bestens ausgebildet und bewaffnet) als Geisel nehmen kann stimmt mich schon äußerst nachdenklich.

Wenn du eine Kugel in den Kopf bekommst ist es völlig egal welche Ausbildung du hast.

Bestausgebildte Polizisten heißt unter anderem auch, dass sich die genau nach Gesetz verhalten und das auch nervlich durchhalten

Sie werden in unklaren Situationen nie zuerst schießen. Nicht einmal unter größter Anspannung.
Treffen sie aber auf einen Täter, der als erster und dann auch noch ganz genau schießt, dann haben sie Pech gehabt. Denn stellen sollte man den Täter ja. Die Alternative wäre nur, in allen solchen Fällen zuerst zu schießen. Was bei letalem Ausgang von jedem Staatsanwalt als schwere Straftat bewertet würde.

Jeder Cobra-Beamte ist sich über diese Lücke im Klaren. Und nocheinmal: Sich auf die Jagd nach so einem Menschen zu machen wie es vielleicht in USA denkbar ist, ist jenseits aller Rechtsvorstellungen in unseren Breiten. Täter müssen verhaftet werden. Mit dem gelinderen Mittel.

Sie wissen schon, dass das ein Schaß ist, was Sie da schreiben, oder?! Kein Polizist muss sich erschießen lassen und darf zur Notwehr auch zuerst schießen. Ob das dann gerechtfertigt war, muss dann natürlich ein Gericht klären. Daran ist auch gar nichts böse, wie die "Die armen Polizisten werden jetzt angeklagt"- Jammer immer raunzen, sondern so läuft das in einem Rechtsstaat.

ja sicher! dann heißts aber schnell "die schießwütige polizei".

Ja, und?

Also mir ist lieber, Leute die auf heute- Niveau diskutieren schreien "Schießwütiger Polizist" und dafür lebt dieser noch. Ich denke, das sehen die Polizisten genauso. Und in der Verhandlung wird dann eben festgestellt, ober er schießwütig war, oder sich richtig verhalten hat. Mit den Konsequenzen für ein Fehlverhalten muss er dann aber auch leben - schließlich wird er für diese Situationen ausgebildet, vor allem, wenn er bei der Cobra ist.

Aber eine Notwehrsituation besteht auf gar keinen Fall erst dann, wenn der andere anfängt zu schießen.

aber gerade hier

wars eine 50 : 50 Chance. Nacht, Regen, ergo schlechte Sicht, irgendein Auto. Da kannst nicht auf Verdacht schieszen

Die aussage von Prof. Alois war aber nicht auf diesen Fall beschränkt, sondern ganz allgemein gehalten. Und da ist es einfach Blödsinn, dass ein Cobra Beamter sich anschießen lassen muss, um sich wehren zu dürfen.

In diesem Fall stellt sich die Frage gar nicht - die Männer waren vermutlich tot, bevor sie überhaupt wussten, dass sie in Gefahr waren, bzw. waren sie nicht in der Lage sich gegen die Gefahr zu wehren. Was soll man da viel überlegen, ob man sich wehren darf?!

es sprach aber auch

v. "unklaren Situationen". Die Putativnotwehr ist bei geschulten Beamten sicher hoeher anzusetzen.
Aber, was wahrscheinlich entscheidender ist, all diese Regelungen sind nich auf ein Feuergefecht mit Langwaffen ausgerichtet

Das geht bei gericht sicherlich durch...

Ich hab ihm abknallen müssen, es hat so ausgeschaut als ob er aus 100 m Entfernung auf mich zielen würde!!!
(abgesehen davon das der typische Polizist, inkl. Cobra, nicht ausgerüstet ist um auf über 100m irgendjemand zu "erschießen")

Wenn der Typ auf 100m auf einen Beamten anlegt, wird das vor Gericht aber so was von wasserdicht als Notwehr durchgehen.

Und ja, die typischerweise hat die Polizei nicht die Ausrüstung so etwas zu bekämpfen. Darum ging es aber auch gar nicht. Es ging darum, dass eine Notwehrsituation nicht erst dann besteht, wenn der andere anfängt zu schießen.

du siehst in der

Nacht, ob einer, der 100m weit weg ist, auf dich anlegt ? Mach keine Witze

Irgendwie habe ich das Gefühl, Sie wollen mich nicht verstehen.

Wenn Sie es sehen - das ist der Anfang eines Kausalsatzes - dann reicht das, um sich zu wehren. Oder wenn es jemand anderer sieht, reicht das um Nothilfe zu leisten.

Es ging schlicht und ergreifend darum, dass es nicht notwendig ist, auf die Abgabe eines Schusses zu warten, um sich zu wehren. Nicht mehr nicht weniger.

Das stimmt schon
nur ist es selten 100 % klar ob es eine astreine notwehr war oder nicht...
und im normalfall rechnet ja keiner damit das man sofort niedergeknallt wird, sondern es eskaliert die lage und irgendwann ist es "zuviel"

da laeuft debattenmaeszig was

durcheinander
Und in der Verhandlung wird dann eben festgestellt, ober er schießwütig war, oder sich richtig verhalten hat. Mit den Konsequ
ich hab darauf geantwortet u. ein Polizist der in der Nacht auf Verdacht schieszt IST schieszwuetig

aha,

und wieso ? Der hatte ja zunaechst alle Vorteile auf seiner Seite u. "durfte" auch noch toeten

Den Polizisten ist aber nicht zufällig das Auto abgestorben und daher im Weg gestanden,

sondern die haben eine Straßensperre gebildet und die Cobra angefordert, weil sie wussten, dass es sich um einen bewaffneten und gefährlichen Verdächtigen handelt.

ja, und

zu oft Tango & Cash gesehen? Der Mann hatte eine hochpraeziese Waffe, war allen Anschein nach bereit zu toeten, dunkel war es auch noch. Das war ja nicht Krieg, wo du zunaechst einmal schiszen darfst, wenn der andere nur zuckt.

Trainierte Sondereinsatztruppe

Die Einsatzleitung hat hier versagt. Die armen Toten und ihre Angehörigen. Aber wie bei einem Kunstfehler im Spital weren wir nie aufgeklärt werden. Und die Verantwortlichen werden immer sagen dass die Situation nicht abschätzbar war. und zu geringe Mittel zur Verfügung stehen. - was ja stimmen mag. Das ist aber keine Entschuldigung und muß zum Schutz der nächsten Polizisten lückenlos argumentiert werden. Und bitte keine Politikerbeileidskundgebungen.

das ist nicht weiter

schwierig zu argumentieren. Dasz sich ein biedere Jaeger u. Wilderer als Scharschuetze entpuppt, der es auf ein Feuergefecht ankommen laesst war nicht wirklich vorhersehbar. Bis zu diesem Einsazt hat dem eine Strafe v. max 3 Jahren zu erwarten, eher 1,5 bedingt. Hinzu kommt, die duerfen nicht auf "Verdacht" schieszen.
http://derstandard.at/125928220... hinten-los
bisserl dieses Forum durchlesen

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