Wiener Musikmanager Hans Landesmann gestorben

  • Programmierte zeitgenössische Musik: Landesmann.
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    Programmierte zeitgenössische Musik: Landesmann.

Erlag 81-jährig einem Herzstillstand

Wien - Hans Landesmann, 1932 in Wien als Sohn eines wohlhabenden ungarischen Viehhändlers geboren, überlebte die NS-Zeit in Budapest mit viel Glück: Sein älterer Bruder Peter und er verließen gerade noch rechtzeitig das Salesianerkloster. Denn wenig später wurde dieses gestürmt, die dort versteckten jüdischen Kinder wurden erschossen.

Als er nach dem Krieg mit der Familie nach Wien zurückkehrte, musste Landesmann erst wieder Deutsch lernen. Sein ganzes weiteres Leben aber sollte er in Ungarisch träumen und rechnen. Für einige Jahre lebte er auch in New York. Und immer fühlte er sich aufgrund von Sprachbarrieren ausgeschlossen: "Wirkliche echte Wurzeln, die mir auch im umfassenden Sinn Erdung, Heimat bedeuten würden, die habe ich eigentlich nirgendwo", schrieb er 2011 in seiner Autobiografie Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.

Landesmann hätte gerne weiter Klavierunterricht genommen, seinem Vater zuliebe aber studierte er Chemie, und 1957 trat er in das Familienunternehmen ein, das er viele Jahrzehnte zusammen mit seinem Bruder führte. Seine Liebe zur Musik konnte er ab 1964 im Management ausleben, zunächst im Direktorium des Konzerthauses, von 1977 bis 1984 als Generalsekretär. Danach engagierte er sich für das European Union Youth Orchestra und das Gustav Mahler Jugendorchester.

1988 erhielt der feingliedrige Herr, der nie die Fassung verlor, den Auftrag, die Salzburger Festspiele zu reformieren: Er machte Gerard Mortier zum Intendanten ab 1991, er selbst wurde kaufmännischer Leiter. Als Konzertchef programmierte er viele Zeitgenossen. Schweren Herzens nahm er, der "Entdecker" von Markus Hinterhäuser, von den Festspielen Abschied. Ab 2001 gestaltete er das Musikprogramm der Wiener Festwochen - eine für ihn schwierige Zeit. Zuletzt, 2007, gründete er die Salzburg Biennale. Am Mittwoch starb er auf dem Weg nach Salzburg an Herzstillstand. Seine Frau Elaine war einen Monat zuvor gestorben. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 19.9.2013)

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7 Postings
Hut ab vor

der Integrität und Neugier, die er sich inmitten des Salzburger Sumpfs bewahrt hat.

Ein denkender Hörer der feinen (Zwischen-)Töne

ist nicht mehr. Wer Zeitgenosse sein durfte, möge sich glücklich schätzen.

Zur Erinnerung

Zum Nachhören: Gespräch mit Hans Landesmann in der Sendung "Von Tag zu Tag" aus dem Jahr 1978: http://www.oesterreich-am-wort.at/treffer/a... -0BF9E654/

Einer der wenigen, der hierzulande zeitgenössische Musik gestärkt und durchgesetzt hat, ist nicht mehr. Unendlich schade, die Welt wird wieder etwas enger und Österreich etwas provinzieller Werden ...

Adieu Hans Landesmann!

Unprätentiös, klar in seinem Wollen und neugierig auf das Neue bis ins hohe Alter! Das muss ihm einer nachmachen. Wir verdanken ihm viel. Ein großes Vorbild in vielen Belangen.

Eine aussterbende Gattung

Ein nobler, gebildeter Gentleman, der im Hintergrund wirkte, ohne davon Aufhebens zu machen. Er sollte, über seinen Tod hinaus, die Folie liefern, an der man die heutigen Macher misst, die den Mund voll nehmen und wenig leisten.

Ein großer Verlust für die Welt der Musik und fur uns alle!

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