Eine Freundschaft, die am Damenklo ihren Anfang nahm

"Engel und Spatz" - ein Abend über Marlene Dietrich und Edith Piaf - jetzt als Revue am Burgtheater

Wien - Die Freundschaft zweier abgebrühter Ladys, wie sie Marlene Dietrich und Edith Piaf waren, ist zweifelsohne theatertauglich. Da treffen autobiografische Dramatik und eine herzhaft-krachlederne Sprache gewinnbringend aufeinander. Neuerdings sind auch FBI-Akten zugänglich, die die Verbindung der beiden Chansonnièren weiter ausleuchten.

Ein paar authentisch gschmackige Sätze haben Daniel Große Boymann und Thomas Kahry in ihrem dieser Freundschaft gewidmeten Stück Engel und Spatz auch eingebaut. Bei der Uraufführung der szenischen Revue am Dienstag im Burgtheater (Einrichtung: Matthias Hartmann, musikalische Leitung: Otmar Klein) blieb es insgesamt aber sehr brav.

In dem erstmals 2009 als Lesung präsentierten Abend, der auch in erweiterter Form im Mai dieses Jahres im Rahmen einer Benefizgala im Ringtheater zu sehen war, treffen die beiden Weltstars, jeweils auf der Klobrille sitzend, erstmals aufeinander. Eine weint, das ist immer so. Lose reihen sich in der Folge Szenen in Hotelzimmern oder Theatergarderoben, bei den Proben am New York Playhouse oder später in einer Klinik aneinander, verkettet mit Liedern, die Welthits geworden sind.

Lili Marleen, Die fesche Lola, The Boys in the Backroom, La vie en rose oder Non, je ne regrette rien. Anverwandlung ist dabei das künstlerische Credo für die sangesfreudige Burgmimin Maria Happel und Josefstadt-Schauspielerin Sona MacDonald, die mehrfach auch Liederabende gibt. Als quirliger "Spatz von Paris" hat Happel keine Mühe, mit ihrer Kraftstimme den großen Saal erbeben zu lassen, das wirkt manchmal auch ein wenig zu forciert. Sona MacDonald ist sich als Dietrich im weißen Hosenanzug mit der Rolle der souveräneren Freundin auch einer entspannteren, in ihrer Gelassenheit imponierenden Stimme sicher.

Am Ende gab es großen Applaus. Doch ans Burgtheater gehört eine solche Revue nicht. Sie entstand in Kooperation mit dem Grazer Schauspielhaus. Sie passt denn auch eher ins Privattheater, das mit Entertainment-Abenden wie diesem notwendiges Geld einspielen kann/muss. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 19.9.2013)

Wieder am 29.10.

  • Szenen einer Freundschaft: Marlene Dietrich (Sona MacDonald) und Edith Piaf (Maria Happel) am Burgtheater. vergrößern (532x800)
    foto: reinhard werner

    Szenen einer Freundschaft: Marlene Dietrich (Sona MacDonald) und Edith Piaf (Maria Happel) am Burgtheater. 

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