Alleinerzieherin im Gemeindebau: "Ich vermisse meinen eigenen Bereich"

Video | Text: Rosa Winkler-Hermaden, Video: Maria von Usslar
18. September 2013, 18:33

Gloria Linares lebt in einem Gemeindebau in der Wiener Großfeldsiedlung. In der Wohnung mangelt es an Platz und Stauraum

Wien - Bei der Vorstellung, ihre zwölfjährige Tochter könnte in ein paar Jahren am Abend allein fortgehen, schlägt sich Gloria Linares die Hände vors Gesicht. Sie selbst vermeidet nach 21 Uhr jeden Gang von der U-Bahn-Station nach Hause. Der Weg ist schlecht beleuchtet, und sie hat von Übergriffen auf Frauen gelesen, die entlang ihres Nachhausewegs passiert sein sollen.

Seit sieben Jahren fährt die U-Bahn-Linie U1 direkt in die Großfeldsiedlung im 21. Wiener Gemeindebezirk. Das hat Vor- und Nachteile, wie Linares sagt. "Ich bin jetzt schneller in der Innenstadt, das ist sehr praktisch." Gleichzeitig sei es "unruhiger" geworden und man sehe öfter Menschen auf der Straße, die herumstehen und trinken.

Kein eigenes Schlafzimmer

Bei der Wahl der Wohnung vor 18 Jahren zählten andere Kriterien. Die Entscheidung fiel unter anderem deshalb, weil es viele Kinderspielplätze in der Gegend gibt. "Mir gefiel, dass es grüner und ruhiger ist als in der Innenstadt." Zu dritt, vor der Scheidung zu viert, teilt sich die Familie eine 65-Quadratmeter-Wohnung. Sie besteht aus zwei Kinderzimmern, einem Wohnzimmer, einem kleinen Balkon, Küche, Bad und WC.


Die Großfeldsiedlung gilt als die größte aus Betonfertigteilen erbaute Siedlung Wiens.

Mit den Nachbarn im großen Gemeindebau gibt es kaum Schwierigkeiten. "Die meistensind Pensionisten", sagt Linares. Der Hausmeister kümmere sich gut um die Instandhaltung der Gemeinschaftsflächen. Er veranstaltet einmal im Jahr ein Punschtrinken, bei dem alle zusammenkommen.

Linares wurde in Peru geboren, lebt aber seit mehr als zwanzig Jahren in Österreich. Ihre Kinder wurden hier geboren. Ihr Sohn (19) hat eine leichte Behinderung und arbeitet in einer Lehrwerkstatt im zehnten Bezirk, ihre zwölfjährige Tochter besucht eine kooperative Mittelschule, die nur eine U-Bahn-Station entfernt liegt.

420 Euro für 65 Quadratmeter

Dass Linares mit ihren Kindern in der Großfeldsiedlung lebt, hat auch finanzielle Gründe. Die studierte Dolmetscherin arbeitet für 30 Stunden pro Woche an der Kassa in einem Museum in der Wiener Innenstadt, die Hälfte des Gehalts geht fürs Wohnen drauf. Für 65 Quadratmeter zahlt sie rund 420 Euro. "Hätte ich mehr Geld zur Verfügung, würde ich mir etwas Größeres suchen", so Linares.

In der Wohnung gibt es wahrlich Platzprobleme. Es fehlt an Stauraum, im Kellerabteil parken die Fahrräder. Die Kinder haben zwar jeweils ein eigenes Zimmer, Linares muss aber im Wohnzimmer schlafen. Ein mühsames Prozedere: Jeden Abend wird die Couch zum Bett umfunktioniert.

Ihr eigenes Reich ist dafür die Küche, die Linares erst vor drei Jahren neu möbliert hat. Hier kocht die 48-Jährige sowohl österreichische als auch peruanische Gerichte. Auch bei den Kinderzimmern achtet Linares darauf, dass sie hübsch eingerichtet sind. Kräftige Wandfarben zeugen davon. Über dem Hochbett ihrer Tochter haftet ein Wand-Tattoo. "Alle Träume können wahr werden, wenn wir den Mut haben, ihnen zu folgen", ist darauf zu lesen.


Spielplätze und viele Bäume - für Gloria Linares waren das die Gründe, sich im Grätzl anzusiedeln.

Auch Gloria hat Träume. Sie wünscht sich eine Maisonnette außerhalb Wiens. Eine größere Gemeindebauwohnung wird ihr nicht zuerkannt: "Ich habe schon nachgefragt, aber die sagen mir, für drei Personen reichen 65 Quadratmeter." Linares überlegt, in eine Genossenschaftswohnung zu ziehen. "Ich spare, aber das kann noch lange dauern." Warum sie aus der jetzigen Wohnung wegwill? "Ich vermisse meine Privatsphäre, meinen eigenen Bereich." (Text: Rosa Winkler-Hermaden, Video: Maria von Usslar, DER STANDARD, 19.9.2013)

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Die Schlusswuchtel als Titel

Qualitätsjournalismus

Die Wohnung ist ok. Meine Großteltern hatten auch nicht mehr Platz, große Wohnungen sind eine Erfindung der letzten Jahrzehnte.
Mich bedrückt eher, dass eine studierte Dolmetscherin 30h an der Kassa arbeitet. Das nenne ich Verschwendung von Ressourcen.

rigipswände aufstellen mit schallschutz 1x1 meter und schon hat man seinen eigenen bereich. kosten ca 60euro.

Umziehen würde ich mir wirklich überlegen. Das jüngere Kind zieht in 6-7 Jahren aus und dann hat die Dame die 65m2 für sich alleine. Das Kind hat sie auch erst bekommen, als sie die Wohnung schon einige Jahre hatte, die Beengtheit war also vorhersehbar.

Meine Güte, meine erste Wohnung (Gemeindewhg) hatte zu zweit nur 33m2 - Klo am Gang) und wir waren dort auch glücklich...

Warum beziehen sich so viele poster auf die Wohnungsgrösse und die Miete,

Mich schaudert eher bei dem zwar nur kurz erwähnten Sicherheitsaspekt, der ja wohl doch extrem einschränkend ist. Ein eigenes Zimmer hat sie in ein paar Jahren, wenn die Tochter auszieht, aber das mit der Sucherheit wird ja nicht von selbst besser.

Ich möcht nicht nachdenken müssen, wenn ich zb weg geh abends, ob ich eh rechtzeitig vorm finster werden nach Hause komme, weil der Gehweg von der Station unsicher ist.

Mehr polizeiliche Präsenz zu Fuss in der Nacht wär halt einmal angesagt.

Genau

Am besten Taghell erleuchten dann können die Mädls auch um 3h in der früh betrunken heimkommen.

Komischerweise am Land wo alle 50meter eine Laterne steht hat niemand Angst.

oder die ma 33 soll dort endlich eine normgerechte beleuchtung errichten.

420€ für 65m²

das ist auch für ein niedriges einkommen, wie das beispiel hier zeigt, eine leistbare wohnung. wenn ich das mit mietpreisen in osteuropäischen ländern (z.b. Ukraine) vergleiche, wo die einkommen deutlich unter jenen in wien liegen, dann muss ich sagen, dort zahlt man ungefähr das gleiche - und der standard der wohung hier ist doch besser

Sagt mal, habt ihr denn auch das Video gesehen. Die sympathische Dame ist sehr menschlich, sehr bodenständig und stellt im Video nicht freche Ansprüche, sie erzählt einfach auf liebenswerte Weise ihre Welt.

Worum gehts jetz eigentlich in diesem Beitra?

65m2 für 3 Personen finde ich nicht unbedingt zu klein - noch dazu, wo es sich anscheinend um eine Wohnung handelt, die sich diese Frau auch leisten kann.
Meine Familie teilte sich eine Wohnung mit 70m2 für 6 Personen. Heute meinen alle auf mind. 100m2 leben zu müssen - und suchen dann um Wohnbeihilfe an. Wie kommt die Allgemeinheit dazu, persönliche Wohlfühlbedürfnisse sponsern zu müssen?

Warum orientieren Sie sich eigentlich am niedrigsten Niveau? Ja, in den Siebzigern sind die Leute auch nicht gestorben, wenn sie mit Toilette am Gang und ohne Bad gelebt haben. Ich denke aber, dass wir uns einig sind, dass dieser Zustand NICHT erstrebenswert ist und auch nicht als Maßstab dient.

also ich hatte nichts gegen wc am gang, bezahlte auch nur 1300schilling für eine 40m² wohnung. waren bei meinem darmaligen verdienst von ca. 14000 schilling nicht einmal ein zehntel meines einkommens. jetzt verdienst 1200 euro und zahlst in etwa die hälfte für wohnng. da war mir das klo am gang am arsch lieber als jetzt 2 wochen für miete zu arbeiten.

Hier ist wohl eher das Salär in Frage zu stellen, bzw. Alimente für 2 Kinder, Familienbeihilfe,

Mit einzubeziehen.

Ich finde 65m2 für zwei jetzt auch nicht besonders wenig. Was wäre denn für Sie angemessen und wer sollte finanziell dafür aufkommen?

Ich glaube eher, dass die Einschränkung der persönlichen Sicherheit nach 21 Uhr mich eher bedenklich stimmt als die Grösse und der Preis der Wohnung.

Danke für diesen Beitrag. Gloria, ich habe großen Respekt und wünsche Ihnen und den Kindern alles, alles Gute.

offensichtlich dient dieses wohnforum hier nur dazu um sich abzureagieren. wenn eine promi/künstler/loft- oder sonstige wohnung präsentiert wird, wird gemotzt, dass man lieber wohnungen von "normalbürgern" sehen möchte und jetzt ist das hier so und es wird wieder sofort kritisiert, gemäckert und auf die frau hingehackt. es wird bald niemand mehr zeigen wollen wie er od. sie wohnt, weil es gibt nur häme, neid und missgunst. sowenig kann ein mensch gar nicht haben, dass nicht ungute postings zurückkommen.

Unfassbar! Da arbeitet eine Frau, die zwei Kinder hat (eines davon behindert), finanziert damit den Lebensunterhalt und stellt fest, dass sie gerne ein eigenes Schlafzimmer hätte, um sich auch mal zurückziehen zu können. Und zig Poster hier haben nichts besseres zu tun als auf der Frau herum zu Hacken als hätte sie irgendetwas gefordert oder wollte in einem Palais leben! Ja, im den Siebzigern haben noch viele im Substandard gewohnt- ist das ein Grund, jetzt so gehässig zu sein, einem Menschen gar nix zu gönnen? Ich bin echt sprachlos ob der Gehässigkeit und Bösartigkeit hier im Forum!

Ich habe Ihnen zwar grün gegeben, finde aber Ihre Anschuldigungen in weiterer Folge so nicht bestätigt.

naja ... es sind ein bisschen zu wenig infos

wo ist der mann oder zumindest jemand der alimente zahlt?
wie hoch ist die staatliche unterstützung für den behinderten jungen?
was macht die kinderbeihilfe aus?
Heizkostenzuschuss? und und und

Im übrigen gibt es in Wien keinen Heizkostenzuschuss mehr.

ok ... wusste ich nicht

kinderbeihilfe und alimente gibts aber noch oder?

was so nicht stimmt, denn auf antrag zahlt man sehr wohl zu den heiz-/stromkosten dazu

Falsch! Der Heizkostenzuschuss wurde gestrichen. Stattdessen gibt es jetzt Zuschüsse zur thermischen Sanierung. Hilft nur denen nicht, die sich das Heizen nicht leisten können!

Für mich ein Skandal. Aber bitte.

Hilfe in besonderen Lebenslagen: Unterstützung bei hoher Energie-Jahresabrechnung oder bei Notwendigkeit der Erneuerung oder Reparatur einer Therme ist im Einzelfall möglich, Antragstellung im Sozialzentrum der MA 40

das alles geht dich schlicht nichts an... diese Infos zu fordern, wie du es tust, ist unglaublich anmaßend und gehässig. Was muss denn die arme Frau machen, um deiner Meinung nach eine größere Wohnung zu verdienen?
Wirklich nach dem Gemekere unten dachte ich, es kann nicht schlimmer kommen, aber dein Verteidigungsposting samt dem: "Wenn sie nicht ihren Kontoauszug im Artikel verlinkt, dann darf ich sie öffentlich beschimpfen"- Gerede ist wirklich der Gipfel.

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