Jeder Vierte vermisst Jörg Haider in der Politik

Den heutigen Spitzenpolitikern geben die österreichischen Wahlberechtigten keine große Zukunft. Lieber schwelgen sie in nostalgischen Gefühlen für Politiker vergangener Jahrzehnte. Einer ist aber ganz out: Karl-Heinz Grasser

Linz - Der erste Nationalratswahlkampf ohne Jörg Haider zeigt: Weder der freiheitliche Parteichef Heinz-Christian Strache noch der BZÖ-Obmann Josef Bucher will das politische Erbe, das Haider nach Wahlerfolg (10,7 Prozent für das BZÖ) und Unfalltod 2008 hinterlassen hat, übernehmen. Fragt man dagegen die österreichischen Wahlberechtigten, so zeigt sich, dass immer noch 24 Prozent Haider nachtrauern (53 Prozent meinen dagegen, Haider würde Österreich nicht guttun).

"Wir haben die Namen von Politikern aus den letzten beiden Jahrzehnten genommen und gefragt, ob diese Politiker der aktuellen österreichischen Politik guttäten, wenn sie in einer Spitzenposition wären. Historische Persönlichkeiten wie Leopold Figl und Bruno Kreisky haben wir ausgespart", sagt Market-Institutsleiter David Pfarrhofer über die Methode.

Die positivsten Erinnerungen löst der Grüne Alexander Van der Bellen aus - 42 Prozent meinen, er würde Österreich guttun, 37 Prozent hielten das für eher schlecht. Auf den Plätzen dahinter liegen Franz Vranitzky (40:37) und schon deutlich dahinter Josef Pröll (27:49).

Auch Viktor Klima kommt mit 24:50 nicht schlecht weg. Nur im Mittelfeld landen dessen Nachfolger Wolfgang Schüssel (17:60) und Alfred Gusenbauer (15:63).

Auf dem letzten Platz landet der einstige Sonnyboy Karl-Heinz Grasser: Nur fünf Prozent fänden ihn gut, 72 Prozent aber schlecht für die aktuelle Politik.

Keine Zukunft für Stronach

In derselben Befragung ließ der STANDARD erheben, wie die Zukunftsaussichten der derzeitigen politischen Spitzenkräfte eingeschätzt werden. Für Frank Stronach, der seiner Partei seinen Namen gegeben hat, sehen nur sechs Prozent eine Chance, noch in zehn Jahren eine wichtige Rolle zu spielen. Hier dürfte das Alter eine gewisse Rolle spielen, sagt Pfarrhofer: Die beiden 44 Jahre alten Parteichefs Eva Glawischnig und Heinz-Christian Strache werden als am ehesten für zukunftsfähig erachtet - wenn auch in unterschiedlichem Maß und von unterschiedlichen Personen.

Glawischnig sehen 43 Prozent auch in zehn Jahren noch in der Spitzenpolitik - vor allem Frauen sehen das so. 38 Prozent geben Strache eine Zukunft - hier sind es vor allem Männer und nicht unbedingt die höchste Bildungsschicht. Nur je 33 Prozent meinen, dass die Koalitionsspitzen Werner Faymann und Michael Spindelegger in zehn Jahren noch eine Rolle spielen werden. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 19.9.2013)

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