Microsoft will offenbar zahlreiche Nokia-Produkte rasch abdrehen

Noch vor Übernahme - Windows-RT-Tablet Sirius soll angeblich nicht erscheinen

Die ganz große Überraschung war es nicht, als Microsoft vor kurzem die Absicht verkündete, das Mobiltelefongeschäft von Nokia zu übernehmen. Immerhin hatten viele MarktbeobachterInnen einen solchen Schritt angesichts aktueller Marktrealitäten zunehmend für unausweichlich gehalten. Und doch schlug die Ankündigung hohe Wellen.

Unruhe

Diese Aufregung scheint sich nun fortzusetzen - wenn auch nach innen. Laut Eldar Murtazin von Mobile Review, der schon in der Vergangenheit immer wieder mit Insider-Informationen zu Nokia aufwarten konnte, scheint die Anbahnung der Übernahme nämlich alles andere als reibungsfrei abzulaufen.

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So versuche Microsoft schon vor Abschluss des Deals, die Produktentscheidungen von Nokia zu dirigieren - was dem Unternehmen rein rechtlich noch gar nicht zusteht. Der Windows-Phone-Hersteller soll vor allem eine ersatzlose Streichung diverser kurz vor der Veröffentlichung stehender Nokia-Produkte erreichen wollen.

Kein Tablet?

Dazu zählt etwa das Windows-RT-Tablet Sirius, das erst vor kurzem durch einen Leak an die Öffentlichkeit gelangte. Microsoft sehe dieses als unnötig an, habe man doch mit dem Surface RT schon ein eigenes Windows-RT-Tablet im Angebot. Zudem soll die Hälfte der kostengünstigen Asha-Linie umgehend gestrichen werden.

Kein Interesse

Strategisch darf das nicht überraschen, immerhin laufen die Ashas mit S40 und nicht mit Windows Phone. Aus Microsofts Perspektive sind sie also Ballast, den es möglichst schnell abzuwerfen gilt. Insofern darf auch mit Spannung erwartet werden, wie umfangreich die Stellenstreichungen bei den 30.000 übernommenen Nokia-Mitarbeitern nach Abschluss des Deals ausfallen werden.

Lumia1520

Dass es aktuell Unstimmigkeiten über die weitere Produktpolitik von Nokia gibt, hatte sich schon vor wenigen Tagen angedeutet. Hat doch da Nokia schnell einmal die Vorstellung des 6-Zoll-Phablets Lumia 1520 um einen Monat nach hinten verschoben - auf Ende Oktober. Das könnte damit zusammenhängen, dass man ursprünglich parallel dazu auch das Sirius-Tablet präsentieren wollte, wie The Verge damals berichtete.

Aufteilung

Die Produktpolitik scheint allerdings nicht der einzige Streitpunkt zwischen Microsoft und dem "alten" Nokia zu sein. So soll es auch unterschiedliche Auffassungen über einzelne Details der Abmachung geben, etwa welche Teile des Nokia-Kerngeschäfts nun exakt zu Microsoft wandern und welche nicht. Insofern gibt es noch einige Punkte auszuräumen, um die Übernahme wie vorgesehen Anfang 2014 abschließen zu können. (apo, derStandard.at, 18.9.2013)

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