"Good day, Ma´m" – mein Start in Down Under

18. September 2013, 11:10
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Die ersten Tage in Australien

"Good day, Ma´m", begrüßt mich die überaus höfliche Zollbeamtin am Flughafen in Perth bei meiner Einreise mit der typischen Floskel. Da Australien extrem strenge Einreisevoraussetzungen hat, was die Einfuhr von Lebensmitteln und Pflanzen betrifft, wurde mein Gepäck erst noch richtig durchschnüffelt: On duty war ein semmelbrauner Hovawart, der seiner Aufgabe als "Bio-Security"-Officer mit Begeisterung nachkam.

Ich war von Wien über Dubai nach Perth in West Australien mit Emirates, der "world´s best airline 2013", eingereist. Eine Langstrecke von fast elf Stunden eingekeilt in der Economy Class zu verbringen, dürfte allerdings auf allen Fluglinien eine nicht nur körperlich herausfordernde Anstrengung sein - da ist es wohl gleich, ob die Fluglinie ausgezeichnet wurde oder nicht. Die Crew hat sich weder durch besondere Freundlichkeit, noch das Essen durch besondere Köstlichkeit ausgezeichnet. Meiner Meinung nach haben die Austrian Airlines da die Nase weiter vorne.

Unterwegs in Perth

Perth ist die einzige Großstadt West-Australiens und eine sehr junge Stadt. Das merkt man spätestens dann, wenn man am Hügel des Kings Park die Schautafeln zu den dort gepflanzten Bäumen liest: In den 1850er Jahren war die jetzige Sehenswürdigkeit Perths nicht mehr als ein Erdhaufen der indigenen Bevölkerung, unter dem der Erzählung nach die Regenbogenschlange wohnen sollte. Die Nachkommen der Gefallenen der beiden Weltkriege spendeten später die ersten Bäume  und die junge Queen Elizabeth pflanzte als Beweis der Freundschaft gleich mit. Heute ist der Kings Park beliebtestes Ausflugsziel mit dem berühmten Blick auf Perth, die Stadt an zwei Flüssen.

Aus Nordwestaustralien wurde sogar ein riesiger Baobab-Baum, der auf Grund eines Highway-Baus seine Heimat verloren hatte, innerhalb von drei Tagen nach Perth gebracht und hier oben eingepflanzt. Er ist das Herzstück des botanischen Gartens, dessen "Pioneer Women" Walkway mir am besten gefallen hat. Übrigens kann der Central Park in NYC von der Größe her nicht mit dem Kings Park mithalten.

Die City selbst ist überschaubar gemütlich: Zwischen der Cultural Zone mit seinen gratis Museen mit der State Library und der Waterfront mit seinem Hafen erstrecken sich einige Einkaufszeilen und das Business-District. Die Waterfront ist derzeit eine riesige Baustelle, dort entsteht das Projekt "FuturePerth": Eine neue "Begegnungszone" für Entertainment, Business und Leisure direkt am Swan River. Nur der spitze, formschöne "Bell Tower" steht dort noch ein wenig verloren in der Gegend herum.

Autofahrerin unterwegs

Perth ist zwar die größte Stadt Westaustraliens, hat aber nur ungefähr soviele Einwohner wie Wien: Trotzdem war es  für mich eine kleine Herausforderung, mit dem Campervan durch den strömenden Regen - rechts gelenkt und links geschalten - aus der Stadt heraus Richtung Norden auf den "Indian Pacific Highway" Richtung Norden zu gelangen.

Doch ich wurde sehr überrascht: Hier in Perth und Umgebung waren die Autofahrer rücksichtsvoll, haben nicht gedrängelt und sind in korrektem Tempo hinter mir hergerollt. Da man als Autofahrer alle paar Meter auf Tafeln informiert wird, dass man in Kürze etwa mit einer Ampel, einem Radweg oder eben einer ausgewiesenen "Overtaking Zone" zu rechnen habe, waren Überholmanöver und Drängen (wie ich es von der A5 gewohnt bin) hier überhaupt kein Thema.

Jetzt muss ich mich nur noch daran gewöhnen, dann einzukaufen zu gehen, wenn ein Supermarkt in der Nähe ist und nicht, wenn ich Lust dazu habe. Denn die Distanzen, in denen es außer toten Känguruhs und Emus neben der Straße nichts gibt außer Gegend, die werden sicher in den nächsten Tagen noch länger werden.

Und das Alleinreisen? Außer ein paar Bemerkungen an der Hotelrezeption und beim Autovermieter ("Really alone?", "You are brave", "So you are driving yourself?" etc.) bin ich mir selbst noch nirgends "deplatziert allein" vorgekommen. Das ist bei Reisen innerhalb Österreichs leider oft ganz anders.

Nur nachts wird es kalt werden im Campervan, denn der westaustralische Frühling ist heuer noch widerspenstig. (Angelika Mandler-Saul, derStandard.at, 16.09.2013)

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