Im Nahkampf (mit Ei)

17. September 2013, 22:04
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Stronach hat für jede Aussage aus dem Volk einen floskelhaften Viertelsatz parat

Bei all den TV-Duellen mit brav dressierten Claqueuren, Wahlarenen mit Sofortanalysen und anderen Studiosituationen zwecks Meinungsverdünnung fragt man sich schön langsam, ob es nicht zweckdienlicher wäre, bei kommenden Wahlen gleich alle Spitzenkandidaten nonstop in einen Container zu sperren. Quasi "Big Kanzler" mit "Fayman", Spindi, Eva, Opa Stronach und dem bösen H.-C. - und wir wählen dann jede Woche einen hinaus. Viel schlimmer kann das auch nicht sein.

Wie gut, dass es hier und da noch Gelegenheiten gibt, ein wenig Außenwelt zu erblicken: den guten alten Nahkampf der Politiker auf der Straße, in Tuchfühlung mit dem gemeinen Volk. In der ZiB 2 durfte man mit Frank durch die Linzer Innenstadt flanieren, wo der Austrokanadier putzmunter Hände schüttelte und jedem "Olles Guate" wünschte. Vorausblickende Häme? Wahrscheinlich nicht, denn der Beitrag brachte schön auf den Punkt, dass Stronach für jede Aussage aus dem Volk einen floskelhaften Viertelsatz parat hatte - "rundherum nur Funktionäre", "bin am Boden blieben" -, um gleich wieder weiterzuziehen, zum Stanzlsingen und Mall-Besuch.

Es ist kein leichtes Geschäft, aber einer muss es ja machen. Davon weiß auch SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück ein Lied zu singen. Am Montag wurde er bei einer Veranstaltung in Emden fast von einem Ei getroffen. Die Bodyguards waren mit Regenschirm zur Stelle, er baute den Vorfall prompt in die Rede ein: "Oh guck mal, hier liegt ein Ei!"

Der Punk, der es geworfen hatte, wollte Steinbrück damit wahrscheinlich nur für die von ihm zitierte Johnny-Rotten-Geste des erhobenen Mittelfingers gratulieren. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 18.9.2013)

  • Frank Stronach beim Wahlspaziergang.
    foto: screenshot: tvthek.at

    Frank Stronach beim Wahlspaziergang.

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