"The Look of Love": "Wenn man älter wird, wird man weniger lustig"

17. September 2013, 18:17
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Comedian Steve Coogan, Erfinder des gefürchteten Talkmasters Alan Partridge, hat seine Aktivitäten im Kino ausgebaut: In Venedig erhielt er jüngst den Drehbuchpreis, "The Look of Love" läuft nun in österreichischen Kinos

Wien - Frei von Selbstzweifeln und somit jedem Gast und jeder Situation gewachsen - so trat ein gewisser Alan Partridge in den 1990er-Jahren zunächst im britischen Radio, dann auch auf Bühnen und im Fernsehen an, um das Anforderungsprofil für Moderatoren zu revolutionieren. Die Nervensäge mit dem scharf gezogenen Scheitel war mit Sendungen wie Knowing Me, Knowing You ... with Alan Partridge bald eine Kultfigur. Und ihr Erfinder, der 1965 im nordenglischen Middleton geborene Comedian Steve Coogan, ist bis heute untrennbar mit dieser Kunstfigur verbunden.

Dabei hat Coogan - der seine Stimme anfänglich bei der Puppen-Fernsehsatire Spitting Image ausprobieren konnte - bereits vor rund zehn Jahren begonnen, eine Parallelkarriere als Schauspieler zu starten: Mit Michael Winterbottoms 24 Hour Party People (2002) gelang ihm ein Achtungserfolg. Engagements bei Jim Jarmusch (Coffee & Cigarettes), neben Ben Stiller (Nachts im Museum; Tropic Thunder) oder in Adam McKays Die etwas anderen Cops folgten. Der Partridge-Stempel blieb.

Vor diesem Hintergrund wirkt Coogans Portfolio für 2013 wie eine geballte Demonstration seiner Bandbreite vor und hinter der Kamera: Das Indie-Scheidungsdrama Das Glück der großen Dinge mit Julianne Moore läuft bereits seit Wochen, jetzt kommt das Biopic The Look of Love in die heimischen Kinos. Inszeniert hat wieder Winterbottom. Coogan, der das vierte gemeinsame Projekt initiiert und mit seiner Firma Baby Cow koproduziert hat, spielt darin die Hauptfigur: den Londoner Nachtklubbetreiber, Pornoverleger und Immobilientycoon Paul Raymond (1925-2008), der es immerhin zum reichsten Mann der Insel brachte.

Coogan legt diese Rolle mit großer Geste an. Es sei ihm, so sagt er im Telefonat mit dem Standard, darum gegangen, dieser (pop-)kulturell bedeutsamen Figur gerecht zu werden: "Er hat so viele unsympathische Seiten. Sexuell unersättlich zu sein und einen ausschweifenden Lebensstil zu pflegen - das wird manchen Leuten schon gefallen, aber es macht eine Figur nicht liebenswert. Oder gemeinsam mit der eigenen Tochter Drogen nehmen - das ist schwieriger Stoff. Trotzdem sollen die Zuschauer Empathie empfinden. Meine Herausforderung ist, so jemanden menschlich zu machen."

Eine tiefgründige Charakterstudie ist The Look of Love dennoch nicht geworden. Das liegt wohl auch daran, dass die Figur in ihrer Aufmachung ("an manchen Drehtagen habe ich zwei unterschiedliche Perücken getragen und dazwischen meine eigenen Haare") und Egozentrik schon wieder leicht an Partridge erinnert.

An den britischen Kinokassen konnte auch Letzterer den größeren Erfolg verbuchen. Im Sommer feierte das Alan-Partridge-Kinoabenteuer Alpha Papa seine umjubelte Premiere in Großbritannien. Dass der demnächst 48-jährige Coogan auch anders will, hat er jüngst beim Filmfestival Venedig mit Philomena gezeigt: In dem ebenfalls von Baby Cow produzierten Tatsachendrama, bei dem Stephen Frears Regie geführt hat, spielt Coogan den Journalisten Martin Sixsmith. Dieser unterstützt die Titelheldin bei der Suche nach ihrem einst gegen ihren Willen zur Adoption freigegebenen Sohn.

Als Koautor wurde Coogan am Ende der Filmfestspiele ausgezeichnet. Ob es ihn nun grundsätzlich vermehrt Richtung dramatischer Stoffe zieht? "Wenn man älter wird, wird man weniger lustig. Komik ist nicht mehr so befriedigend - vielleicht kann man es wie eine Verfeinerung der Geschmacksknospen beschreiben."

Ein Allgemeinplatz lautet ja, dass Komik viel schwerer herzustellen ist als Drama? "Komödie ist brutaler, geradliniger, viel weniger ambivalent. Wenn jemand komisch ist, dann ist er komisch - wenn nicht, dann nicht. Etwas zu schreiben, das Leute wirklich bewegt, ist schwieriger. Aber Comedy ist auch hart, verdient Bewunderung. Was mich stört, sind wohl vor allem Leute, die eines gegen das andere ausspielen und Komödien nicht ernst nehmen." (Isabella Reicher, DER STANDARD, 18.9.2013)

  • Steve Coogan als Paul Raymond in "The Look of Love".
    foto: filmladen

    Steve Coogan als Paul Raymond in "The Look of Love".

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