Zu schade für die Schublade

17. September 2013, 19:39
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Der Wettbewerb "MakingScienceNews" zeichnete relevante Uni-Arbeiten zu Lehrerbildung und Kryptografie aus

Dass akademische Abschlussarbeiten meist in der Schublade landen, hat Anton Stadelmann schon verärgert, als er selbst noch Student war. "Das ist eine Verschwendung von Wissen und Arbeit", meint er auch noch über 30 Jahre später. Daher entschloss er sich, einen Wettbewerb zu organisieren, in dem besonders relevante Uni-Arbeiten ausgezeichnet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. 2012 fand "MakingScienceNews" zum ersten Mal in der Schweiz statt. In Kooperation mit dem Standard wurde der Wettbewerb heuer erstmals in Österreich ausgetragen - nun stehen die Sieger fest.

Doch kann Relevanz bewertet werden, wenn es um so unterschiedliche Themen wie etwa den Einsatz von Social Media in Betrieben oder Verschlüsselungsmethoden für Quantencomputer geht? "Relevanz ist kein scharfes Kriterium, es liegt im Ermessen der Jury", sagt Stadelmann.

Als Juroren waren der ehemalige Vizekanzler Erhard Busek, die Vorsitzende des Europäischen Forschungsrates Helga Nowotny, die Aufsichtsratschefin der Forschungsförderungsgesellschaft Gertrude Tumpel-Gugerell, der Vorsitzende des Rates für Forschung und Technologieentwicklung Peter Skalicky und Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid tätig. Master- und Diplomarbeiten aller Fachrichtungen, die im letzten Jahr abgeschlossen und mit "Sehr gut" beurteilt wurden, konnten eingereicht werden.

Aus 150 Arbeiten wurde die Diplomarbeit von Thomas Staudinger zur Siegerin gewählt. Unter der Leitfrage "LehrerInnenkompetenz(en) - eine Frage der SchülerInnenperspektive?" erforschte er, wie Schüler die Kompetenz der Lehrer wahrnehmen und bewerten - eine Perspektive, die bisher kaum in der Forschung berücksichtigt worden ist.

Schüler erzählen

Seine Methode waren dabei sogenannte narrative Interviews, bei denen der Forscher keinen Fragenkatalog abarbeitet, sondern die Schüler zum Erzählen bringen will. "Ich wollte keine vorformulierten Kategorien an die Interviewpartner herantragen, sondern diese aus dem Datenmaterial heraus entwickeln", sagt Staudinger.

Aus den Erzählungen der Schüler entwickelte er ein Modell, mit dem die Kompetenz von Lehrkräften auf neue Weise analysiert werden kann, was wichtige Beiträge zur Diskussion über die Reform der Lehrerbildung leisten könnte. Mit einem völlig anderen Thema beschäftigt sich die Arbeit des zweitplatzierten Matthias Minihold: Da die derzeit gängigen Verschlüsselungsmethoden bei künftigen Quantencomputern nicht mehr sicher seien, interessierte ihn, wie sogenannte lineare Codes dafür verwendet werden könnten - auch sein Betreuer war von der Idee sofort begeistert.

Der TV- und Fernsehmoderator Alex Scheurer landet mit seiner Diplomarbeit zum neuen ORF- Gesetz auf dem dritten Platz. Er untersuchte darin, wie es dazu gekommen war, dass dem ORF Aktivitäten in sozialen Netzwerken verboten wurden und seine Regionalberichterstattung eingeschränkt wurde. Was ihm an MakingScienceNews besonders gefällt, ist, dass die Diplomarbeiten auf ihre gesellschaftliche Relevanz hin abgeklopft werden - "denn oft ist das bei Uni-Arbeiten nicht der Fall". (trat, DER STANDARD, 18.9.2013)


Die Gewinner von MakingScienceNews sind zu finden auf: www.makingsciencenews.com

  • Thomas Staudinger studierte Lehrer aus Schülersicht.
    foto: standard/cremer

    Thomas Staudinger studierte Lehrer aus Schülersicht.

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