Die Tiere sind los!

  • Das schlaue Füchslein etwas überdimensioniert auf dem Laufsteg von Jean-Charles de Castelbajac.
    foto: reuters/fuentes

    Das schlaue Füchslein etwas überdimensioniert auf dem Laufsteg von Jean-Charles de Castelbajac.

Neuerdings machen uns die Tiere schwach. Warum das so ist, darüber kann eigentlich nur spekuliert werden

Pfoten weg von Schnitzel und Schweinsbraten! Man könnte tatsächlich auf die Idee kommen, dass mit der inflationären Verbreitung von Leomustern und Tigerköpfen auf Schals und Pullovern der Verzicht auf Tierisches am Teller kompensiert wird.

So präsent wie das Thema neuerdings ist, würde das nicht verwundern: Vor kurzem schwappte die Diskussion um den Veggie-Day aus Deutschland herüber, längst ist vegan der neue Ess-Trend und selbst in Wien eröffnet in Margareten bald der zweite vegane Supermarkt. Da bleibt eigentlich nur noch das Textil, um die Liebe zum Tier öffentlich zu bekennen. Das hat Paul McCartney, bekennender Vegetarier, übrigens schon vor Jahren getan: Für Peta forderte er: "Eat no Cow". Über dem Slogan  - natürlich - ein stilisiertes Vieh.

Die aktuellen tierischen Bekenntnisse sehen allerdings viel besser aus. Und wenn man genau hinschaut, ist Tiermuster selbstverständlich nicht gleich Tiermuster. Da gibt es einerseits die niedlichen zum Knuddeln und zum anderen die mit Biss: Eindeutig zu letzterer Kategorie gehört das Leomuster. In den Sechzigern war der Leopardenmantel noch was für Frauen, die junge Männer um den Finger wickeln. So wie das Anne Bancroft als Mrs. Robinson im Film "Die Reifeprüfung" mit Dustin Hoffman machte.

Heute geht man mit dem Muster entspannter und ironischer um – zum Glück. Ob Socke oder Handyhülle, selbst Accessoires werden gnadenlos überzogen mit Raubtierkatzendrucken. Und Leoschals schnüren sich mittlerweile sogar jene um, die sich sonst zur harmlosen Outdoor-Klamotte hingezogen fühlen.

Für die wären vielleicht all die süßen Hasen, Hunde, Schwäne und Füchse, die neuerdings auf der Brust umher getragen werden doch eher was. Bis auf den Hasen landen die in Wahrheit ja eigentlich auch nicht im Kochtopf. Aber dafür haben sie zwei Dinge gemeinsam: Erstens laden sie zum Streicheln ein, weil mit Federkleid oder mit Fell gesegnet und zweitens verfügen sie über einen ordentlichen Sympathiebonus. Assoziationskette gefällig? Der Hund, das liebste Haustier, der anmutige Schwan und - ja klar - das schlaue Füchslein. Vielleicht geht es ja bei den Tiermotiven am Pullover darum, dem Gegenüber zu signalisieren: Hab mich lieb, ich tue Dir doch nichts. Das wäre immerhin ein ganz schön cleveres Motiv.  (Anne Feldkamp, derStandard.at, 17.09.2013)

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