Grazer Forscher finden alternative Datenquelle für Eisverlust

17. September 2013, 11:59
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Hochgenaue Bahnvermessung erdumkreisender Satelliten lässt auf Eismasseverlust schließen

Graz - Das Eisschild über Grönland verliert jedes Jahr mehrere Milliarden Tonnen an Eismasse. Festgestellt wird dies hauptsächlich mit Hilfe von Daten der GRACE-Satelliten, deren Lebensdauer aber mit voraussichtlich 2015 begrenzt ist. Wissenschafter des Grazer Instituts für Weltraumforschung haben nun herausgefunden, dass der Eismasseverlust auch über andere Erdsatelliten bestimmt werden kann.

Durchschnittlich 250 Gigatonnen Eis schmelzen pro Jahr seit der Jahrtausendwende, was wiederum einen mittleren Meeresspiegelanstieg von etwa 0,6 Millimeter jährlich nach sich zieht. Das ergeben die Daten des "Gravity Recovery and Climate"-Experiments (GRACE), das 2002 von der NASA und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt gestartet wurde. Dabei wird mittels zweier Satelliten ständig das Gravitationsfeld der Erde vermessen, woraus sich auch die zeitlichen Veränderungen in der Masse des grönländischen Eisschildes ablesen lassen.

"Wenn sich die Masse eines Gletschers ändert, ändert sich auch die Gravitation, was die umkreisenden Satelliten abbremst bzw. beschleunigt", schilderte Oliver Baur. Er hat am Grazer Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften herausgefunden, dass auch aus Schwerefeldinformationen, die sich aus Bahnstörungen anderer erdumkreisender Satelliten errechnen lassen, der Eismasseschwund über Grönland ableiten lässt. "GRACE gilt als die Mission, die dafür spezialisiert ist. Dass die Messung auch mit anderen Satelliten möglich sein könnte, hat man bisher einfach nicht in Betracht gezogen", sagte Baur. Seine Ergebnisse hat er in der jüngsten Ausgabe der "Geophysical Research Letters" veröffentlicht.

CHAMP-Daten brachten 90-prozentige Übereinstimmung

Bauer hat Daten der GRACE-Mission mit denen der früheren Satellitenmission CHAMP verglichen: "Die CHAMP-Daten brachten eine 90-prozentige Übereinstimmung. Das ist natürlich schlechter als GRACE aber besser, als man zu träumen gewagt hätte", so IWF-Wissenschafter. Wichtig sei dieses Ergebnis vor allen, weil die "Lebensdauer" der GRACE-Mission ihrem Ende zugeht. "Die Mission war 2002 auf fünf Jahre angelegt. Es kann jederzeit, morgen oder auch in zwei Jahren, vorbei sein. Eine Folgemission wird es jedoch frühestens 2017 geben", so Baur.

Die CHAMP-Satelliten kommen als Überbrücker des Datenflusses allerdings nicht infrage - sie fliegen seit 2009 nicht mehr. "Wir konnten mit ihnen aber zeigen, was eine hochgenaue Bahnvermessung leisten kann", so Bauer. Er denkt bereits an die Auswertung der SWARM-Satelliten der ESA, die Mitte November ins All geschickt werden sollen. (APA/red, derstandard.at, 17.09.2013)

  • Die Lebensdauer der GRACE-Satelliten ist begrenzt. Grazer Physiker haben nun eine Monitoring-Alternative vorgestellt.
    foto: nasa/astrium

    Die Lebensdauer der GRACE-Satelliten ist begrenzt. Grazer Physiker haben nun eine Monitoring-Alternative vorgestellt.

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