Bei Fledermäusen entdecktes Virus kann menschliche Leberzellen infizieren

16. September 2013, 21:00
12 Postings

Erreger ist eng mit dem Hepatitis-B-Virus verwandt

Bonn/Gießen - Deutsche Forscher haben bei Fledermäusen ein bisher unbekanntes Virus entdeckt, das eng mit dem Hepatitis-B-Erreger verwandt ist und Leberzellen des Menschen infizieren kann. Gefunden wurde der Erreger in Proben einer Gelbohr-Fledermaus, einer in Zentralamerika verbreiteten Fledermausart. Das Virus könnte auf den Menschen überspringen, sagte der Bonner Virologe Jan Felix Drexler am Montag. Die Untersuchung ist in "PNAS" erschienen.

Hepatitis B ist eine Infektionskrankheit, die zu Leberentzündung und Krebs führen kann. Die Übertragung des Virus erfolgt vor allem sexuell, über Blut sowie von der infizierten Mutter auf ihr Neugeborenes während der Geburt. Mit rund 240 Millionen chronisch infizierten Menschen weltweit zählt Hepatitis B zu den häufigsten Viruserkrankungen.

Auf der Spur des Erregers

Mysteriös ist bisher, woher das Hepatitis B-Virus stammt. Auf der Suche nach seiner Herkunft nahmen die Virologen aus Bonn und Gießen mit Forschern aus weiteren Ländern Blut- und Leberproben von Fledermäusen auf mehreren Kontinenten. "Fledermäuse leben seit vielen Millionen Jahren auf engstem Raum in Kolonien zusammen", erklärte der Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn, Christian Drosten. "Das begünstigt die Übertragung von Krankheitserregern und macht sie zu idealen Modellen für die Untersuchung zur Herkunft von Viren."

Die Untersuchungen ergaben, dass das in den Proben der Gelbohr-Fledermaus entdeckte Virus tatsächlich menschliche Leberzellen infizieren könnte. Die Tests ergaben zudem, dass die weltweit verbreitete Standardimpfung gegen Hepatitis B vor diesem Erreger nicht schützt. "Dieser Befund ist sehr beunruhigend, weil er die Frage aufwirft, ob es mit der herkömmlichen Impfung gelingen kann, Hepatitis B weltweit auszurotten", sagte Drosten.

Entwicklung neuer Impfstoffe empfohlen

Die Forscher verwiesen zugleich darauf, dass der derzeitige Standardimpfstoff gegen Hepatitis B trotz guter Schutzwirkung bei Neugeborenen und Kindern vermehrt Lücken in der Schutzwirkung zeige - beispielsweise bei älteren Menschen oder Dialysepatienten. "Die Entdeckung von neuen Hepatitis-B-Viren aus Fledermäusen sollte ein Ausgangspunkt für die Entwicklung wirksamerer Hepatitis-B-Impfstoffe sein", forderte der Gießener Virologe Dieter Glebe. (APA, 16.9.2013)

Share if you care.