Mira Lobe: 100 Jahre, noch immer sprachwitzig

  • Schreiben für Kinder war ihr Anliegen: Mira Lobe.
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    Schreiben für Kinder war ihr Anliegen: Mira Lobe.

Wissenschafter forscht über die "alte Linke", die Autorin des kleinen "Ich bin ich"

Wien – Dass eine Aussage darüber, ob Mira Lobe ohne Susi Weigel genau so erfolgreich gewesen wäre, eine der heikleren Art ist, das hat Georg Huemer vergangenen Freitag wieder erfahren dürfen.

Da war der junge Wissenschafter, der sein Forschungsprojekt zu Leben und Werk Lobes demnächst fertigstellen will, eigens zu einem Symposium ins deutsch-polnische Görlitz gereist. In Görlitz wurde die 1995 verstorbenen Kinderbuchautorin geboren: heute, Dienstag, vor 100 Jahren. Lobe, die mit dem "Ich bin ich" das berühmte kleinkarierte Schlappohr geschaffen hat, zeichnet auch für über 100 weitere Kinder- und Jugendbücher verantwortlich. Die Bekanntesten: Bärli Hupf, Bimbulli (Vorläufer des kleinen Ich bin ich), Die Räuberbraut, Die Omama im Apfelbaum, Der Apfelbaum, Valerie und die Gute-Nacht-Schaukel, Der Tiergarten reißt aus, Lollo, Der Dackelmann hat Recht, Die Geggis. Schwierig, eine Auswahl zutreffen.

Ein großer Teil ihrer Arbeiten entstand in Zusammenarbeit mit Illustratorin Susi Weigel, die die "alte Linke", die bis 1956 KP-Mitglied war, bei der Arbeit für die kommunistische Kinderzeitung UZ kennenlernte. Und, ja, "damit hatten sie riesigen Erfolg", bilanzierte Huemer in Görlitz. Mehr vielleicht, als die Kombination Mira Lobe-Winfried Opgenoorth oder Lobe-Angelika Kaufmann. Eines ist ihm aber wichtig anzufügen: "Lobe war die treibende Kraft, der Kopf des Duos."

Wer war sie überhaupt, diese Mirjam Hilde Rosenthal, wie sie mit Mädchennamen hieß, die als Mira Lobe vier Mal mit dem Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet wurde und Generationen prägte?

Aufgewachsen in einer wohlhabenden jüdischen Familie, entdeckt Mirjam Rosenthal schon früh ihr "soziales Gewissen". Ein Thema, das sie nicht mehr loslassen wird: Oft handeln Lobes Bücher davon, wie man die "Scheu vor dem vermeintlich Fremden" verlieren kann, oft gibt es eine moralische Komponente, schreibt Huemer. In Sprachwitz verpackt, mitunter in Versform gegossen, greift Lobe häufig Themen eigener Werke wieder auf. Was an ihrer Arbeitsweise liegt: Sie arbeitet oft zeitgleich an verschiedenen Büchern. Für Huemer, der den Nachlass Lobes durchforstet hat, Entwürfe, Vorstudien, aber auch mit Susi Weigel produzierte private Weihnachtskarten durchgesehen und Gespräche mit Familie, Freunden und Kollegen geführt hat, lautet Lobes literarische Hauptaussage (mit Ausnahmen): "Liebende finden zueinander, Außenseiter werden integriert, gemeinsame Ideen werden verwirklicht."

Dass sie überhaupt auf die Idee kam, mit dem Schreiben für ihr Einkommen zu sorgen, habe sie ihrem Deutschlehrer zu verdanken. Der qualifiziert einen Aufsatz der damals Zwölfjährigen als Fälschung ab. Unmöglich hätte sie eine solche Geschichte erfinden können. Lobe verbucht das als Erfolg: "Ich dachte, wenn ein Professor dein Märchen so enorm findet, dass er dir nicht zutraut, es selbst geschrieben zu haben, dann bist du offenbar nicht unbegabt."

Aus dem Plan, Journalistin zu werden, wird jedoch nichts, das Germanistik- und Kunstgeschichtestudium wird ihr als Jüdin verwehrt. Nach Abschluss der Modeschule flieht Mirjam Rosenthal 1936 nach Palästina. Dort beginnt sie nach der Geburt ihrer Kinder mit knapp 30 Jahren mit der Arbeit an I-Hajeladim ("Die Kinderinsel"), das zuerst nur auf Hebräisch, später unter dem Titel Insu-Pu auch auf Deutsch erscheint.

Zurück in Wien, ist sie Ende der 60er mit Werken beim Jugend und Volk-Verlag und im SP-nahen Jungbrunnen-Verlag am Höhepunkt ihrer Karriere. Bei Letzterem wurde Lollo jetzt neu aufgelegt, mit einer Erklärung, warum Lollo heute nicht mehr Negerkind genannt würde. (Karin Riss, DER STANDARD, 17.9.2013)

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So viele begeisterte Kinder und Erwachsene können sich eigentlich nicht irren. Ich bekam als Kind " Die Omama im Apfelbaum" geschenkt und trotz Ermunterungen aus der Familie und einigen Anläufen schaffte ich es nicht, dieses Buch weiter als bis zur Hälfte zu lesen. Ich fand es unerträglich, langweilig, öde. Ab damals waren Bücher von Mira Lobe für mich nicht mehr von Interesse. Astrid Lindgren, Otfried Preußler, Mark Twain etc. waren "meine" Autoren. Deshalb bin ich heute über die vielen positiven Stimmen überrascht. Vielleicht sollte ich die " Omama ..." doch noch irgendwann einmal lesen. Offenbar ist mir da wirklich etwas entgangen. :-))

coole Frau

Danke für "Bäbu der Bärenbund"... !

Danke!
Ohne Bimbuli haette ich niemals eine Puppe selbstgebastelt, ohne Geggis waer ich wohl ein Rassist... Und was ich ohne ich-bin-ich waere kann ich mir gar nicht vorstellen!

Ich kann die Geggis immer noch mitsingen:
http://tinyurl.com/ngkt8ss

Auch von Mira Lobe, zum Zerkugeln:

Ein Metterschling
mit flauen Bügeln
log durch die Fluft.
Er war einem Computer entnommen,
dem war was durcheinandergekommen,
irgendein Drähtchen
irgendein Rädchen.
Und als man es merkte,
da war's schon zu spätchen,
da war der Metterschling schon feit wort,
wanz geit.
Mir lut er teid.

Die Omama im Apfelbaum ist beim vorlesen für die Tochter zu einem meiner eigenen Lieblingsbücher geworden, danke !

Insu-Pu haben meine Töchter (8, 11) und ich gerade gemeinsam gelesen. wir wollen Band 2!

Valerie, die will nie...

Das gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern!!! Ich lese es meinen Kindern unheimlich gerne vor! Phantastische Geschichte gepaart mit perfekten Reimen, es macht einfach Freude, das Buch zu lesen!

Mira Lobe - ewig eine der Größten!

hab ein kindergartenfoto, wo ich drauf bin und mira lobe in unserem kindergarten vorliest. hab das kleine ich bin ich womöglich hundertmale gelesen. wöchentlich wollt ichs wieder mit heim nehmen von unserer marktbibliothek. ja, gute frau!

Alles Gute liebe Mira!

dem schliess ich mich an. Sie ist ja mitten unter uns mit ihren Büchern.

die omama im apfelbaum, fein war das. danke...

Insu-Pu . . .

. . . soooo spannend ! Hab ich als Kind sofort ein zweites mal lesen müssen !

valerie und valera,
abends ist sie wieder da

:) lese ihre bücher momentan zum einschlafen meiner 3 jährigen vor.

Wie schön!

"Willi Millimandl und der Riese Bumbum" fordern meine Kinder noch heute oft als Gute-Nacht-Geschichte.
Zum Glück hat meine Mutter alle meine Bücher aufgehoben!

die omama im apfelbaum ist toll aber mit dem ichbin ich konnte ich nix anfangen u das bumpam war mir immer unheimlich

das kleine ich bin ich

coolstes kinderbuch ever....

Ich habs als Kind geliebt und natürlich mit meiner Mutter gebastelt. Jetzt lese ich es immer wieder meiner Tochter vor und die Oma bastelt mit ihr... :))

Und so wahnsinnig gut rhythmisch gereimt.

Übrigens wollte ich schon immer wissen, was das für ein Versmaß ist. Jambus? Irgendwelche Humanisten hier?

My guess: 4-hebiger Trochäus (Auf der bunten Blumenwiese/ geht ein buntes Tier spazieren")

Stimmt, aber auch vierhebige Jamben ...

Der Laubfrosch quakt und fragt:„Nanu?
Ein namenloses Tier bist du?

... und Anapäste:

Wer nicht weiß, wie er heißt,
wer vergisst, wer er ist,
der ist dumm!" Bumm.

Stimmt, ein Pantun vielleicht?

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