Altersweitsichtigkeit chirurgisch korrigieren

16. September 2013, 13:28
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80 Prozent der Patienten können mit implantierter Lochblende dauerhaft auf eine Lesebrille verzichten

Berlin – Die Möglichkeiten der chirurgischen Korrektur der Alterssichtigkeit werden immer besser. Zu den besonders erfolgreichen Verfahren zählen Lochblenden für die Hornhaut und Mehrstärkenlinsen, auch Multifokallinsen genannt. Studien zeigen, dass 70 Prozent der Patienten mit Multifokallinsen auf Fern- und Lesebrille verzichten können. Auch bei der Lochblende können etwa 80 Prozent der Patienten bei guter Beleuchtung ohne Lesebrille auskommen. Seltene Komplikationen sind "Halos", kleine Lichtringe, die vor allem abends um starke Lichtquellen herum wahrgenommen werden. Über aktuelle Studien und neue Materialentwicklungen diskutieren Wissenschaftler auf dem 111. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Die Jahrestagung findet vom 19. bis 22. September 2013 in Berlin statt.

Implantat im "Leseauge"

Bei der Lochblende, dem sogenannten "Kamra-Inlay", handelt sich um eine Kunststoffscheibe mit 3,8 Millimetern Durchmesser, die in der Mitte ein 1,6 Millimeter kleines Loch enthält. "Das Inlay wird unter örtlicher Betäubung in eine Tasche in der Hornhaut geschoben, die wir vorher mit einem Laserstrahl erzeugen, oder bei der Lasik-Operation zur Korrektur einer Fehlsichtigkeit zugleich implantiert", erklärt Günther Grabner, Leiter der Universitäts-Augenklinik Salzburg. Das Implantat nutzt ein Prinzip, das von der Fotokamera bekannt ist – die Blende am Objektiv wird kleiner gestellt, die Tiefenschärfe damit erhöht. Nur ein Auge, das "Leseauge", erhält ein solches Implantat.

Grabner wertet die Ergebnisse des Verfahrens seit sieben Jahren in Studien aus. Die Wirkung stellt sich bereits kurz nach der Operation ein, wie die Untersuchungen belegen. "Über 80 Prozent der Patienten konnten ohne Sehhilfe Bücher und Zeitungen lesen, einschließlich der Schrift auf dem Handy", sagt Grabner. Kürzlich veröffentlichte Ergebnisse zeigen, dass es nur bei einem von 32 Patienten zu keiner Verbesserung im Sehtest kam. Auch am Computer gebe es in der Regel keine Probleme. Nach bisherigen Erfahrungen der Salzburger Klinik ist dieser Effekt von Dauer. "Eine erste Langzeitstudie über fünf Jahre ergab, dass die Sehverbesserung über diesen Zeitraum anhält", so Studienautor Grabner.

Die am häufigsten auftretende Komplikation sind sogenannte "Halos", kleine Lichtringe, die vor allem abends um Lichtquellen herum wahrgenommen werden. "Die Häufigkeit liegt bei 3,1 Prozent", sagt Grabner. Ist ein Patient unzufrieden, kann die Lochblende wieder entfernt werden. Dies wird aber selten gewünscht. "Die Explantationsrate liegt bei unter zwei Prozent – was ein sehr guter Wert ist", sagt der Experte. Weltweit sind bisher über 20 000 Inlays implantiert worden.

Multifokallinse bei Grauem Star

Leidet der Patient unter Grauem Star, kommt ein Austausch der körpereigenen Linsen durch multifokale Kunstlinsen infrage. Die Mehrstärkenlinsen bieten dem Auge verschiedene Brennpunkte für scharfes Nah- und Fernsehen an. Sie sind seit 25 Jahren im Einsatz und ebenfalls zunehmend erfolgreich: Studien zeigen, dass 70 Prozent der operierten Patienten nach dem Eingriff auf eine Brille sowohl für den Fern- als auch den Nahbereich verzichten können. "Auch dieser Effekt ist dauerhaft", betont Grabner. Denn der Faktor, der die Alterssichtigkeit bewirkt – die starr werdende körpereigene Linse – ist beseitigt worden. Vereinzelt treten auch hier Nebenwirkungen in Form von "Halos" und Blenderscheinungen beim Autofahren in der Nacht auf.

"Wir können Patienten, die aus beruflichen, sportlichen oder kosmetischen Gründen ohne Lesebrille auskommen wollen, heute bei einem geringen operativen Restrisiko gut helfen", bilanziert Grabner. (red, derStandard.at, 16.9.2013)

  • Fast jeder Mensch ist ab 40 von der Altersweitsichtigkeit betroffen.

    Fast jeder Mensch ist ab 40 von der Altersweitsichtigkeit betroffen.

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