Sozialpartner sagen tendenziell Ja zur Gesamtschule

16. September 2013, 11:51
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Außerdem gibt es ein klares Bekenntnis zu einem verpflichtenden zweiten Kindergartenjahr - "Potenziale der Kinder" sollen entwickelt werden

Die Sozialpartner haben am Montag anlässlich ihres mittlerweile achten "Bad Ischler Dialogs" ein Jugendpapier vorgelegt. Allzu scharfe Ansagen enthält es - angesichts des Zeitpunkts der Präsentation zwei Wochen vor der Wahl wenig überraschend - nicht. Allerdings findet sich darin immerhin ein klares Bekenntnis zu einem verpflichtenden zweiten Kindergartenjahr und, wenngleich verklausuliert, ein tendenzielles Ja zur Gesamtschule.

In der Langfassung des 32 Seiten starken Dokuments wird nämlich dafür geworben, die Potenziale der Kinder "durch eine individuelle Leistungsdifferenzierung ohne beschränkende Festlegung durch eine früher Bildungsentscheidung" zu entwickeln. Auf diese Weise würden die Potenziale der Kinder und Jugendlichen besser genutzt. Explizit finden sich die Begriffe "gemeinsame Schule" oder "Gesamtschule" in dem Papier freilich nicht.

Ausbau ganztägiger Schulformen

Eingefordert wird von Gewerkschaft und Kammern ein Ausbau ganztägiger Schulformen, das allerdings "bedarfsorientiert". Das Angebot solle in zumutbarer Entfernung zum Wohnort in allen Regionen bedarfsorientiert und flächendeckend in allen Schulen der Primar- und Sekundarstufe I ganztägig geführt werden, lautet die Formulierung im Forderungskatalog an die Regierung.

Abgegangen wird seitens der Sozialpartner vom Status quo, wonach die Schulpflicht bloß das Absitzen von neun Jahren verlangt. Diese solle künftig "als weitgehende Pflicht zur Erreichung der im Pflichtschulabschluss definierten Bildungsziele" neu gefasst werden. Reformbedarf sieht man auch beim Polytechnikum.

Größere finanzielle Ressourcen sollen nach Vorstellung der Sozialpartner Schulen mit mehr sozial benachteiligten Kindern zur Verfügung gestellt werden. Statt über Kopfzahlen soll die Schulfinanzierung - unter Einhaltung von Qualitätsstandards - nach Maßgabe der Absolventenzahlen ergebnisorientiert erfolgen.

Schwerpunktberufsschulen

Im Bereich der Lehre sticht unter anderem der Wunsch nach Schwerpunktberufsschulen vor. Diese sind vor allem für Berufsgruppen mit wenigen Lehrlingen angedacht. Das sogenannte Jugendcoaching, das sich vor allem schulabbruch-gefährdeter Jugendlicher annimmt, soll schon ein Jahr früher als derzeit, also mit der achten Schulstufe einsetzen. Zudem soll es bis zum 25. Lebensjahr in Anspruch genommen werden können.

Was die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie angeht, setzen die Sozialpartner auf ein flächendeckendes ganztägiges Angebot von Kinderbetreuungseinrichtungen. Zudem wird explizit die Schaffung von Teilzeitarbeitsplätzen beworben.

Während der Uni-Bereich mit heiklen Fragen wie Zugangsregelungen oder Studiengebühren im dem Papier keine Erwähnung findet, sorgen sich die Sozialpartner darüber, wie jungen Menschen der Weg zu leistbarem Wohnen ermöglicht werden kann. Hier spricht man sich für eine Zweckwidmung von Wohnbauförderung und den Rückflüssen aus der Wohnbaudarlehensförderung aus und befürwortet eine "Präzisierung des Richtwertsystems" bei Altbaumieten für eine höhere Rechtssicherheit von Mieter und Vermieter. (APA, 16.9.2013)

  • Die Sozialpartner haben ein Jugendpapier vorgelegt: Durch "eine individuelle Leistungsdifferenzierung ohne beschränkende Festlegung durch eine früher Bildungsentscheidung" sollen die Potenziale der Jugend entwickelt werden.
    foto: dapd/arno burgi

    Die Sozialpartner haben ein Jugendpapier vorgelegt: Durch "eine individuelle Leistungsdifferenzierung ohne beschränkende Festlegung durch eine früher Bildungsentscheidung" sollen die Potenziale der Jugend entwickelt werden.

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